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Blattkritik: Alltägliche Tücken im vitalen Wettbewerb

16. Dezember 2009 · von Peter Panter

Gesundheit ist ein hohes Gut. Gerade auch, wenn es um den – bisweilen weniger, andernorts noch sehr gesunden – Wettbewerb in den Medienlandschaften NRWs geht.
Beispiel Ostwestfalen: Nachdem Hendrik Wüst vergangenen Freitag der Hoffnung verfiel, das Rüstzeug der CDU – für die Unbilden der Zukunft im allgemeinen und die des Jahres 2010 im besonderen – vor den Journalisten der LPK schillern zu lassen, verlor das Bielefelder „Westfalen-Blatt“ anderntags nicht eine Zeile über die Pressekonferenz. Warum die ansonsten regierungstreuen Publizisten des „WB“ womöglich die wüst(ch)en Perspektivbetrachtungen völlig ignorierten, konnte der Ostwestfale nur beim örtlichen Wettbewerber „Neue Westfälische“ lesen: Die hatte beobachtet, der ‚General‘ habe das Ziel der Veranstaltung glatt unterlaufen. So hätte die eingeladene Journaille eindeutig mehr Interesse an der persönlichen Zukunft des Gastgebers gezeigt, als an dessen spektralen Polit-Visionen. Und mit unschwerer Treffsicherheit sezierte der Kommentator – auch noch – in sprachlicher Feinkost den Scherbenhauf des Porzellans, in das Doppel-Abzocker Hendrik Wüst einen weiteren Restbestandteil Wählervertrauens in die politischen Führungskader des Landes zerlegt hatte. ‚Chapeau, Kollege!‘ – ein herausragendes Zeugnis dafür, dass die ‚Provinzzeitungen‘ des Landes, abseits der Rhein-Medienkonzentration, viel zu oft leichtfertig und zu Unrecht geringschätzt werden. ‚Herausragend‘ muss man allerdings so und so verstehen. Das ist unser Alltag, auch in der Rhein-Schiene. Keiner von uns ist immer brillant.

Dazu passt – Stichwort ‚so und so‘ – dass das „WB“ selben Tags andernorts im Blatt (soll heißen: In einem anderen Ressort) mit einer Exklusivgeschichte überrascht, die zumindest besonnenen Scharfschützen auf das schwarz-gelbe Düsseldorfer Kabinett zur weiteren, aussichtsreichen Kerbe im Colt gereicht: Danach hat das von Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) geführte Justizministerium unlängst einen Paderborner Staatsanwalt zum Oberstaatsanwalt befördert. In der Rückschau allerdings blöd, oder – mit Blick auf die mediale Außendarstellung bei den BlutundBlechkollegen – zumindest anspruchsvoll, dass auf dessen häuslichem Privat-PC die Polizei bei einer bundesweiten Razzia zuvor massenhaft Kinderpornos entdeckt hat. Auf die aktuelle Anfrage des „WB“ ließ MüPi’s Ministerium schlichtweg, weil offenbar gequält verlauten: „Wir geben dazu keine Auskünfte“. Na, das ist doch mal eine Vorlage. Denn: Welche Formel bemühen wir in Fällen dieser Art alle gern? – Richtig: „Ein Dementi sieht anders aus“.
Dass die üblichen Verdächtigen der Opposition im Landtag nicht gleich ihre großen Kaliber einlegten, mag folgenden Grund haben: In diesem mutmaßlichen Fall von ‚Gnade vor Recht‘ hatte das Justizministerium der Einstellung des Ermittlungsverfahrens der Detmolder Staatsanwaltschaft gegen den Paderborner Strafverfolger 2002 ausdrücklich zugestimmt. Damals war unter Johannes Rau (SPD) aber noch dessen Genosse Jochen Diekmann Justizminister in NRW.

Schade eigentlich. Da hatte es die „Süddeutsche Zeitung“ etwas leichter: In einem – wie „Wir-in-NRW“ finden – zumindest in dieser Woche unvollständigen Appell der Marke „Marode Speerspitzen, die zum Wahlkampf nicht taugen, zur Ausmusterung vortreten!“ sammelt das Blatt nur drei ‚Belastungszeugen‘, mit denen Ministerpräsident Jürgen Rüttgers allenfalls suboptimal ausgerüstet, in die Vorwahlkampfwochen Richtung NRW-Landtag ziehen kann. Der ‚General‘ Wüst ist selbstverständlich mitten drin – unter den Dreien, aber Schulministerin  Sommer noch gar nicht dabei. Oder sieht der „SZ“-Kollege sie schon jetzt nicht mehr in der Truppe? – Ist er ein Intimus von „JR“, den wir als solchen noch nicht enttarnt haben? – Will er aus der Rüttgers‘-Manöver-Planung schon mehr wissen, als wir nur ahnen?

Was war sonst noch? –Der „Kölner Stadtanzeiger“ hat seine Hendrik-Wüst-Schadensbegrenzungsberichterstattung um 180 Grad gedreht. Das hätte uns alle nicht überraschen dürfen. Oder doch? – Das klassische, von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gleichwohl exklusiv angebotene Sommerloch-Thema „Drei Fahnen vor jede Behörde“ hielt zumindest auch drei Tage durch in der Berichterstattung – wenngleich nahezu exklusiv nur in der „Rheinischen Post“. Und das „Lex E.ON“, mit dem die Rüttgers-Regierung in enger Nähe zum gleichnamigen Energiekonzern die Planungsfehler beim Weiterbau eines Kraftwerks im nordwestfälischen Datteln über eine Änderung des Landesentwicklungsgesetzes „zu heilen“ versucht, findet bislang – außer im Medienhaus Bauer (u.a. „Marler Zeitung“) kaum statt. Na denn, im Sinne des Klimaschutzes und der Gesundheit – unserer Medienlandschaft – „Salute“.

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