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Drei Flaggen braucht das Land

8. Dezember 2009 · von Kaspar Hauser

Man fragt sich: was ist passiert? Zu viele Unfälle an Fahnenmasten in Nordrhein-Westfalen? Stürzen die Dinger etwa um, wenn die Herbststürme kommen? Oder beschweren sich die Anwohner gegen die Verspargelung ihrer Innenstädte?

Nein, nichts von alledem.

Unser Ministerpräsident persönlich hat exklusiv der „Rheinischen Post“ anvertraut, dass er ab sofort drei Fahnenmasten vor jeder Behörde sehen will. Wegen des fehlenden Patriotismus´ und – natürlich – wg. Europa. Was für eine Idee! Und was für ein Konjunkturprogramm! Man stelle sich vor, der Aufbau von Fahnenstangen, wo keine sind – das schafft Beschäftigung. Unser Jürgen Rüttgers denkt bestimmt an die gebeutelten Waldbauern im Sauerland, die nach dem Herbststurm Kyrill eine Finanzspritze gut gebrauchen können. Jede Behörde – und davon gibt es bestimmt 100 000 im Land – braucht bestimmt einen weiteren Mast. Oder eben sechs oder sogar neun, je nachdem, wie viele Eingänge so eine Behörde hat. Da reiben sich alle Fahnenstangenverkäufer, Tiefbauarbeiter und Fahnenproduzenten die Hände, endlich Aufschwung im Fahnengeschäft.

Und bürokratieverträglich ist die ganze Initiative auch: Denn das Verkehrsamt wie das Bauamt sitzen ja in den Behörden, die nun mit Fahnen samt Stangen den Patriotismus fördern sollen. Das wird bestimmt auch die auserkorenen Gerichtsgebäude und Polizeistationen freuen, die bei wachsendem Patriotismus weniger zu tun haben werden. So vorausschauend ist unser Ministerpräsident.

Vielleicht sollte er auch noch über eine ermäßigte Mehrwertsteuer nachdenken: auf Fahnen und etwaiges Zubehör. Das freut dann auch den Heimwerker, der bestimmt nicht hinten anstehen will beim Dreimaster. Und die Hoteliers des Fremdenverkehrslandes Nordrhein-Westfalen? Die wollen vor ihren Häusern sicherlich auch gern drei Fahnenmasten aufstellen. Aber nur, wenn sie dann gänzlich von der Mehrwertsteuer befreit werden. Das wäre doch mal ein Wahlgeschenk, Herr Rüttgers!

Was ist eigentlich, wenn der FC Schalke am 8. Mai 2010, also einen Tag vor der Landtagswahl, beim Auswärtsspiel in Mainz die Meisterschale gewinnt? Zuzutrauen ist dieser Coup Trainer Felix Magath und seiner Jugendtruppe ja (siehe Wolfsburg). Für jenen nicht unwahrscheinlichen Fall, so hören „Wir-in-NRW“ aus sicherer Quelle, ist bereits vorgesorgt worden. 100 000 Fahnenmasten sollen im Keller der Staatskanzlei liegen, blaues Tuch ebenfalls. Über Nacht müssen dann die Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßen NRW ausrücken und vor jedem öffentlichen Gebäude den vierten Mast mit der S 04-Flagge errichten. Und die „Welt am Sonntag“ druckt am Wahltag auf Seite 1 ein fünfspaltiges Bild, wie unser Ministerpräsident die Schalker Buben küsst, wie einst sein großes Vorbild Helmut Kohl nach dem verlorenen WM-Finale gegen Brasilien in Japan, als er die traurigen Nationalspieler knutschte.

Nur eines haben die Strategen der Staatskanzlei übersehen. In Dortmund, der zweitgrößten Stadt des Landes, können sie mit ihrem blauen Tuch nicht landen. Dort flattert weiterhin Schwarz-Gelb am Mast. Die lassen sich nicht verbiegen. Nicht so, wie der Kölner Rüttgers, der am 8. Mai gern ein Schalker wäre. Wenn alles so kommt, wie „Wir-in-NRW“ das vorhersehen….


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1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 rheinische pest // Dez 9, 2009 at 14:02

    Genau so ging es mir auch: Klimakonferenz in Kopenhagen; Lambsdorf gestorben wen interessierts wenn Rüttgers mehr Patriotismus fordert! Den dritten Tag nun treibt die Rheinische Post das Thema voran, ein Ende scheint nicht abzusehen. Das einzig lesenswerte war die Einschätzung der Neusser CDU Bürgermeisters, der zusammgefasst formuliert: Teurer Blödsinn!

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