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Blattkritik: Die exklusive Kölner Sicht

8. Dezember 2009 · von Peter Panter

Ausgerechnet der „Kölner Stadt-Anzeiger“, dieses liberale Blatt, in dem einst so unabhängige großartige Journalisten wie Thomas Meyer oder Martin E. Süskind bewegende Reportagen, treffende politische Analysen und fein formulierte Leitartikel schrieben, zeichnete sich zuletzt durch eine sehr parteinahe Berichterstattung zu Gunsten des CDU-Generalsekretärs Hendrik Wüst aus. Dieser 34-Jährige christliche Wortakrobat, dem für SPD-Oppositionsführerin Hannelore Kraft der Kampfbegriff Kraftilanti eingefallen war, hat offenbar nicht nur sein Haus nicht im Griff, sondern gerät auch bei seinen persönlichen Finanzen in Turbulenzen. Der Mann mit dem 18 000 Euro hohen Monatseinkommen kassierte sowohl vom Landtag als von der CDU seine Krankenkassenzuschüsse gleich doppelt. Doch bevor das Magazin „FOCUS“, das mit einer Rechercheanfrage den forschen General mit dessen Raffgier konfrontierte, seinen Beitrag drucken konnte, preschte die Kölner Gazette vor. Nichts wissend, aber schön den Bleistift gespitzt hatte der Korrespondent, der sich von Wüst und seinen Getreuen in der Düsseldorfer Wasserstraße schnell die Geschichte von einer „Intrige gegen Wüst“ ins Laptop diktieren ließ. Eine exklusive Sicht der Dinge kam dabei heraus. Wo ist nur die Unabhängigkeit und kritische Distanz dieses einstmals angesehenen Blattes geblieben?

Doch der wüste Kölner Bericht konnte das Thema nicht tot machen, wie es sich wohl die CDU-Zentrale erhofft hatte. Raffzahn Wüst wurde das Top-Thema der ersten Dezember-Hälfte. Alle regionalen Blätter wie die überregionale Presse stiegen mit kritischer Berichterstattung ein. Sogar die Essener WAZ, ein verlässlicher medialer Partner von Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU), konnte nicht umhin, der Wüst-Affäre breiten Raum zu geben. In einem erstaunlich kritischen Leitartikel hält der Kommentator dem „erwischten General“ vor, wäre seine Finanzaffäre einem Oppositionspolitiker passiert, „liefe er zu Hochform auf“. Nur bei sich selbst lege diese Maßstäbe nicht an.

Der Kommentator der „Rheinische Post“ , unionsnah, rät dem angeschlagenen General sogar zum Rücktritt: „Wüst muss sich nun fragen lassen, ob er seiner Partei – ein halbes Jahr vor der Landtagswahl – nicht einen größeren Gefallen tut, als wenn er versuchen würde, so weiter zu machen, wie bisher.“ Wow! Das klingt ja wie Michael Groschek, Wüsts´ Pendant aus der SPD-Kampa. Und das in der RP, der Zeitung für Politik und christliche Kultur. Zwei Tage später verabschiedet sich der Korrespondent dann aber von dem Leitmotto seines seriösen Blattes: er fällt auf die Intrigen-Nummer rein, mit der Wüst noch immer Journalisten auf seine Seite ziehen will. Viel schlimmer, dem politischen Zuschläger von Jürgen Rüttgers gelingt es sogar, den Namen eines ehemaligen Mitarbeiters in der CDU-Zentrale in der „Rheinischen Post“ als möglichen Lieferanten der Indiskretionen zu platzieren. Nichts ist bewiesen, alles sind nur Gerüchte ohne Beweise. Aber es steht geschrieben – so etwas nennt man Rufschädigung. Und das alles im Dienst einer christlichen Partei und einer christlichen Zeitung!

Soweit geht nicht einmal „Bild“. Der Boulevard – immer dicht dran am Ministerpräsidenten und seiner Partei – hatte tags zuvor sogar ein gepixeltes Foto des vermeintlichen Verräters in der CDU-Zentrale gedruckt, ihm aber ein Pseudonym verpasst. Den Namen des Mannes traute sich aber nicht einmal das Blatt mit den großen Schlagzeilen zu nennen. Dabei ist Bild-NRW immer zur Stelle, wenn es darum geht, genau das aufzuschreiben, was in der Staatskanzlei oder in der CDU-Zentrale gedacht und ausgeheckt wird, um Schaden vom schwarzen Lager abzuwenden. So agierte man auch zunächst im Fall Wüst. Montag und Dienstag war der smarte 34-Jährige das arme Intrigen-Opfer. Doch dann der Donnerstag: Oh Wunder! Hendrik Wüst „Verlierer des Tages“ auf Seite 1 der „Bild“ – und das bundesweit, mehr als drei Millionen Mal gedruckt. Was war passiert, dass sich die Hauspostille der NRW-CDU abgewendet hat und Doppelabzocker Wüst der gesamten Republik in der Kolumne vorführt, in die nun wahrlich niemand will?

Vielleicht haben die „Bild“-Kollegen gemerkt, dass sie missbraucht werden sollten und dass Ihnen Desinformationen zugespielt wurden. Das lassen sich Journalisten ungern gefallen. Auch nicht die vom Boulevard.

Vielleicht sollten „Wir-in-NRW“ die Kollegen einladen, hier mitzumachen. Oder besser nicht!? Denn dann hätten wir wohl weniger aufzuschreiben über die Abhängigkeiten und Beziehungen zwischen Politik und die angeblich so freien Medien.

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3 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 NRW Bürger // Dez 11, 2009 at 10:36

    Denke der Grundgedanke “wir in NRW” gut,wenn ich das bescheiden feststelle. Bei aller Zurückhaltung werde ich den Gedanken nicht los,dass der Geradeauslauf des Redaktionsauto`s zu wünschen lässt. Einseitig beladen oder schon nach so kurzer Fahrzeit die Achse verbogen? Mehr als Flurfunk lese ich nicht. Da verläuft sich einer leicht im Steuerparagraphen-Dschungel schon wird mit
    Kanonenkugeln geschossen! Frau Kraft stellt
    sich hinter die Dortmunder Kommunalwahl und
    und propagiert den Wahlbetrug als Wahlkampf-getöse und muss jetzt umschwenken. Da gab und gibt es richtigen Betrug. Was ich sagen will,also
    nicht zu einseitig beladen auch verbogene Achsen können repariert werden!
    Dann warten wir mal ab

  • 2 Kaspar Hauser // Dez 11, 2009 at 21:28

    Hallo NRW Bürger, danke für die Kritik. Ja wir sind sicher noch nicht genug Autoren um alles lesens- und kommentierenswerte zeitnah zu publizieren. Wir brauchen mehr Unterstützung. Wer Interesse hat meldet sich bitte über den Briefkasten bei Alfons Pieper.

  • 3 NRW Bürger // Dez 12, 2009 at 11:18

    Kaspar Hauser danke für Antwort, doch wenn das kritisch sein soll was Ihr bisher zu Papier gebracht dann sollte der ein oder andere noch einmal die Bedeutung von Polemik nachlesen. Kommentiert doch mal die Dortmunder Szene oder wollt Ihr auf H.Kraft warten die gerade an der klaren Kante sägt? Einige von A.P.-team sind leider nicht bereit mit offenem Visier zu kämpfen, frei nach dem Motto nicht öffentlich in die fütternde Hand zu beissen. Statt dessen ver-stecken sich (alle?) viele hinter Alfons Pieper.
    Uns bleibt nur die staunende Beobachtung!
    Gruss

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