Wenn Jürgen Rüttgers sauer ist, kann es in seiner Umgebung ziemlich ungemütlich werden. Der nach außen hin freundliche Landesvater zeigt internen gern – auch lautstark -, wer das Sagen hat. In der Regierung wie in der CDU.
Diese Erfahrung muss gerade auch Hendrik Wüst machen.

Hendrik Wüst, Generalsekretär der CDU Nordrhein-Westfalen
Der 34-Jährige Generalsekretär der CDU in Nordrhein-Westfalen ist fünf Monate vor der Landtagswahl zur Belastung für seine Partei geworden. Und wohl auch für den Ministerpräsidenten. Nachdem der junge Unionskarrierist mit einem Monatseinkommen von 18 000 Euro (plus schwarzem 5er BMW als Dienstlimousine) dabei aufgefallen war, doppelte Krankenkassenbezüge vom Landtag und seinem Arbeitgeber CDU zu kassieren, wird er von Politik und Medien nur noch als Raffzahn und Abzocker bezeichnet. In den eigenen Reihen der CDU wächst die Empörung über den Parteimanager, der den Wahlkampf von Jürgen Rüttgers in vorderster Front führen sollte.
Wüst scheint am Ende. Der scharfzüngige Law-and-Order-Politiker taucht nach dem Auffliegen seiner Gehaltsaffäre ab. Vergangene Woche durfte er nicht einmal die Wiederholung der Kommunalwahl in Dortmund nach üblicher Art und Weise scharfzüngig kommentieren. Offenbar hatte CDU-Chef Rüttgers seinem General Sprechverbot erteilt. Stattdessen musste CDU-Fraktionschef Helmut Stahl ran, um den angeblichen Wahlbetrug der SPD in der zweitgrößten NRW-Stadt zu kommentieren und gleichzeitig die rote Spitzenfrau Hannelore Kraft mit Schimpf und Schande zu überziehen.
Am gleichen Tag kam es offensichtlich zum Eklat in der Düsseldorfer Wasserstraße. Ein von Rüttgers und Wüst gemeinsam unterschriebener Spendenbrief an die 165 000 Parteimitglieder wurde in letzter Minute vor der Auslieferung gestoppt. Er sollte vergangenen Freitag (4. Dezember) in den Briefkästen liegen, so war es in der Landesvorstandssitzung am 25. November angekündigt worden. In diesem Schreiben blicken der Landesvorsitzende und sein Wahlkampfmanager auf die kommende Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner und werben bei den Mitgliedern um Engagement und um finanzielle Unterstützung. Der Bettelbrief zur Weihnachtszeit sollte noch einmal richtig die Parteikasse für den Wahlkampf auffüllen.
Offensichtlich traute sich Rüttgers kurz vor Aussendung nicht mehr, gemeinsam mit Absahner Wüst unter einem Parteibrief zu stehen, in dem um Geldgeschenke gebeten wird. Der erfahrene, misstrauische und extrem vorsichtige CDU-Chef weiß nur zu genau, dass der Zorn und die Empörung aus den eigenen Reihen nicht nur Wüst, sondern auch ihn selbst treffen könnte.
Obwohl er öffentlich anderes behauptet, ist dieser Stopp des CDU-Briefes ein deutliches Zeichen: Rüttgers vertraut seinem General nicht mehr. Wird er nun noch mit ihm in die Wahl ziehen? Das wird immer unwahrscheinlicher.
Foto: www.cdu-nrw.de










7 Antworten bis jetzt ↓
1 Glaspalast // Dez 9, 2009 at 12:08
Das wars wohl mit den Karriereplänen des forschen Herrn Wüst. Wenn sich der Ministerpräsident schon von ihm distanziert und nicht mehr mit seinem General unter dem CDU-Weihnachtsbettelbrief stehen will, dann hat er wohl den Daumen gesenkt über den wüsten Parteimanager. Wurde auch Zeit, der hat doch keine Lebenserfahrung, kennt nur sich, und hat die ganze CDU durcheinandergebracht. Das kann Rüttgers doch nicht gefallen, schon gar nicht so kurz vor der Wahl
2 Tucholski // Dez 9, 2009 at 12:35
Die ganze Trickserei der Landtagspräsidentin wird nichts bringen: Wüst´s Tage sind gezählt. Wir kennen doch den Rüttgers. Der macht so was gerne in den besinnlichen Tagen. Guten Rutsch Herr Wüst – ins Aus…
3 Münsterland // Dez 9, 2009 at 12:38
Mit seinen 34 Jahren hat er ja schon genug verdient. 18 000 Euro im Monat, so einer will Wahlkampf für den Arbeiterführer machen. Das passt doch gar nicht. Hat wohl auch Rüttgers gemerkt. Mit dem würde ich auch keinen Brief mehr unterschreiben. Wüst steht für Raffgier und nicht für Vertrauen. So einen braucht die CDU nicht.
4 Partikulier // Dez 9, 2009 at 12:42
Wenn es einen gibt, der in der CDU seine Glaubwürdigkeit verspielt hat, dann ist es der Herr Wüst. Wer soll dem denn noch glauben? Einer der von seinen Arbeitgebern mehr Zuschüsse für seine Krankenkenversicherung bekommt, als die überhaupt kostet, und das angeblich fast vier Jahre nicht gemerkt haben will, der ist doch nicht fähig die CDU erfolgreich in den Wahlkampf zu führen. Herr Rütgers, schmeißen Sie den Mann raus aus ihrer Parteizentrale.
5 schwater34 // Dez 10, 2009 at 09:21
Eh Leute, wir machen alle mal Fehler! Wer von euch Schreiberlingen macht denn eine korrekte Steuererklärung? Gebt ihr jeden Journalistenrabatt als geldwerten Vorteil an? Nee, natürlich nicht. Interessant ist doch nicht der Fehler vom Wüst sondern das Schweigen von Rüttgers. Lässt der Jeden fallen wie heiße Kartoffel der mal einen Fehler gemacht hat? Oder steht er zu seinen Leuten. An solchen Fragen wird der Charakter deutlich.
6 Theobald Tiger // Dez 10, 2009 at 12:14
Wie schön, die CDU bedient sich heute der “Rheinischen Post” um unsere Geschichte zum Spendenbrief zu dementieren. Aber was ist das für ein Dementi? Es ist gar keins! Da heißt es nun, das Schreiben werde nur von Parteichef Rüttgers unterschrieben und gehe in dieser Woche planmäßig raus. Richtig! Das neue Schreiben ist nur von JR gezeichnet, nachdem das andere in der vergangenen Woche in letzter Minute vor der Aussendung gestoppt worden war. Denn die Datei des Ursprungsbriefes mit der Unterschrift von Wüst und Rüttgers war längst schon beim Mailing-Dienstleister angekommen. Bevor dann Ende vergangener Woche die Notbremse ge
zogen wurde.
7 sc227 // Dez 11, 2009 at 01:42
Der Spezi- und Gefälligkeitsjournalismus der RP (und anderer Medien) ist ja leider Alltag. In Sachen Wüst ist aber zu vermuten, dass hier auch andere Netzwerke greifen. Unterschrift hin oder her, die ganze Sache wird doch folgenlos bleiben. Und dann wird trotz Wahlen vor der Tür, kein Hahn mehr danach krähen.
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