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Grüne heute: arriviert und etabliert

16. Januar 2010 · von Theobald Tiger

Schau einer an. Die Grünen erzählen von früher. Und sie zeigen auch noch die Bilder ihrer Anfangsjahre im Wahlkampfspot. 30 Jahre Grüne, das Datum muss man feiern. Natürlich auch in NRW, in Düsseldorf, im Savoy-Theater. So wie es auch andere Parteien gemacht hätten. Nun ja, dem gelackten Herrn Wüst von der CDU wäre da das Ständehaus für einen solchen Termin eingefallen. Und der ebenso glatte ZDF-Moderator Markus Lanz wäre sicherlich nach den guten Erfahrungen vom vergangenen Kultur-Eröffnungswochenende als Stichwortgeber für Jürgen Rüttgers engagiert worden. So etwas müssen die Grünen nicht, sie haben ihren Chefunterhalter in den eigenen Reihen. Oliver Keymis, ein echter Landtagsabgeordneter. Einer mit Witz, Charme und grüner Geschichte, einer, der keine Kärtchen mit Fragen zum Vorlesen benötigt.

 

Ok, das war´s aber auch schon mit dem etwas anderen Parteien-Feeling. Ansonsten konnten sich die 500 grünen Jubel-Gäste auf den plüschigen Sitzen selbst besichtigen. Konnten in drei Stunden auf der Bühne erleben, wie aus einer wollsockigen Schlabberlook-tragenden Birkenstock-Politikerin Sylvia Löhrmann eine nach Ministerehren unter einem CDU-Ministerpräsidenten lechzende aktuelle Spitzenkandidatin geworden ist; und dass Reiner Priggen an der Seite jener schwarz-grünen Sylvia nun doch an einem Kabinettstisch Platz nehmen will. Nach zehn Leidensjahren unter Rau, Clement und Steinbrück könnten ihn neue Koalitionsmöglichkeiten nach dem 9. Mai 2010 „nicht schocken“.

Ein neues grünes Traumpaar für Rüttgers? Das hatten wir doch schon mal in der rot-grünen Variante. Genau – Bärbel Höhn, die noch immer ihren speziellen grünen Dress trägt, ansonsten aber auch nach zehn Jahren als Ministerin die eigene Wichtigkeit wichtiger zu nehmen scheint, als die Grünen. In der Erinnerung an ihre Karriere von der „Demonstrantin zur Ministerin“ wurde sie nur noch getoppt von ihrem Ministerbegleiter Michael Vesper. Dessen eigene Wichtigkeit war schon immer wichtiger als alles andere. Er wirkte so, als habe er die Grünen noch immer nicht verstanden und erntete an diesem Feier-Freitag für seine neue Wichtigkeit als gestresster oberster deutscher Sportmanager mit Dienstreisen zu Olympia nach Vancouver oder zur Fußball-WM in Südafrika zynisch-heiteres Bedauern. Immerhin bleibt die Erinnerung, dass der arrivierte Etablierte einst in Bonn die Fußballmannschaft „Grüne Tulpe“ mitbegründet hat. Das werden wir uns merken.

Auch, dass von Bauer Maaß und von Hubertus Knabe gesprochen wurde, dass Siggi Martsch sich seinen Platz auf der Bühne suchte, und dass Claudia Roth ihre grüne Laufbahn beschreiben durfte – von der Pressesprecherin zur Parteivorsitzenden. Und  dass Hannelore Kraft noch immer vergangenen Zeiten nachtrauert und von einer Wiederbelebung träumt. Warum sonst hätte die SPD-Chefin Samen für rote und grüne Blumen mitbringen können, in der Hoffnung, dass die zarten Pflänzlein im Mai sprießen und das ganze Land rot begrünen. Dafür wird´s wohl nicht reichen. Muss man ihr noch mal sagen. Nicht wegen grün, sondern wegen rot.

Lassen wir das, es sollte ja gefeiert werden. Wurde auch. Bis zum frühen Morgen. Und wer es genau wissen will, der kann auch noch mal ein Live-Blog vom Abend auf grüne-nrw.de nachlesen und sehen. http://blog.gruene-nrw.de/2010/01/15/live-blog-vom-30-geburtstag/  ) Und wer wissen will, wie es damals war, als die Grünen in Karlsruhe beschlossen, die Parteienlandschaft in Deutschland aufzumischen, der sollte die folgende Reportage von Alfons Pieper lesen. Er war dabei.

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