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Öko-Schelte für Rüttgers

26. Februar 2010 · von Kaspar Hauser

A8: CO² Schleuder aus Ingolstadt Foto:Audi

A8: CO² Schleuder aus Ingolstadt Foto:Audi

Jürgen Rüttgers ist dieser Tage nicht zu beneiden; landauf, landab postulieren die Zeitungen die Rent-a-Rüttgers-Affäre, die bundes- wie landesweiten Umfragen sind mehr als ernüchternd und nun auch noch das: eine Dienstwagenaffäre. Sein Audi A8 W12 Quattro Langversion ist entlarvt worden und das mit Hilfe der nordrhein-westfälischen Justiz.

Rüttgers steht nun am Öko-Pranger, nur Roland Koch noch über sich, ausgerechnet Koch.

324 g CO² pumpt sein automobiles Dickschiff pro Kilometer in die Atmosphäre, bundesweit der zweithöchste Wert. Nur der sowieso zum Extremen neigende Roland Koch will mit seinem 348 g pro Kilometer spuckenden VW Phaeton seine Antipathie zu allem Grünen demonstrieren.

 Herausgefunden hat diese Werte die deutsche Umwelthilfe e.V., die sich alljährlich des Themas Umweltbilanz der Dienstfahrzeuge annimmt. Besonders erwähnenswert fanden es die Berliner Ökos, dass Rüttgers sich lange verweigert hat, die Daten seiner Dienstkarosse zu veröffentlichen. Vielleicht um den potentiellen Koalitionspartner Grüne nicht vors Schienbein zu treten, vielleicht aber auch um nicht überall lesen zu müssen, dass er keinen Opel fährt, für dessen Verbleib er ja in Bochum zu kämpfen angibt.

 Angeblich waren es Sicherheitsinteressen, die ihn daran hinderten, die Daten rauszurücken: Das von der Umwelthilfe zur Hilfe gerufene Verwaltungsgericht sah dies anders, er sei gesetzlich verpflichtet, die Daten zu veröffentlichen. So hatte er nun den Salat, das

Mit Fahrrad wäre das nicht passiert Foto:CDU NRW

Mit Fahrrad wäre das nicht passiert Foto:CDU NRW

klimafressende Monster wurde offenbart. Ob es klug war die Umweltschützer zu nerven, sei mal dahingestellt, aber es gibt andere Gründe, warum der Wir-in-NRW-Blog den Ministerpräsidenten in Schutz nimmt.

 Dienstwagen von Politikern sind nämlich ein ganz besonderes wie heikles Thema. Ganz besonders, weil die Diener des Volkes extrem viele Stunden in dieser Karosse verbringen und weil sie gleich mehrere Fahrer beschäftigen, deren Arbeitsplatz das Gefährt ist. Beim Aussuchen der Dienstlimousine stehen darum häufig Kriterien im Vordergrund, die Otto-Normalverbraucher abgehen. Neben Leselampe, Faxgerät und Telefon hinten, geht es um größtmögliche Beinfreiheit hinten rechts. Dann muss das Auto natürlich ordentlich PS haben, um den potentiellen Entführern zu entkommen und die Panzerung zu schleppen. Soweit die Kriterien des Chefs. Der Fahrer dagegen hat unter Umständen andere. Er findet z. B., dass Diesel stinkt, darum bevorzugt er Benzin. Und das Navi muss einen großen Monitor haben und bei den langen Wartezeiten TV empfangen zu können. Da Chef und Fahrer viele Stunden miteinander verbringen, sind solche Kriterien nicht irrelevant, im Gegenteil: Sie sind viel wichtiger als die auf Symbolik setzenden PR-Referenten, die auf solche Sprüche wie Blue Efficiency stehen.

 Heikel ist das Thema natürlich, weil ein ansonsten zu symbolischer Politik neigender Ministerpräsident natürlich hier ein Zeichen setzt, dass so gar nicht in die „political correctness-Landschaft“ passt. Öko ist nun mal hipp und CO²-Schleudern sind out. Wir sehen natürlich die Sache etwas anders. Der Ministerpräsident ist wie immer auf lange Sicht unterwegs. Er wird sich sicher bei der Bestellung der Staatskarosse genau überlegt haben, dass er ja etwas braucht, was er sich von den koalitionsgeifernden Grünen abhandeln lassen muss. Und wenn es neben dem Schulministerium sein Spritfress-Ungeheuer ist, kriegt er 5 Jahre Macht doch ziemlich günstig. Schlau, schlau, der MP.

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1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 Key B. Hacker // Mrz 16, 2010 at 01:40

    Zum Schweben über des Volkes Gewimmel gehört eine so elitäre Karosse, weil der einreissende Neo-Feudalismus es garadezu verlangt, dass hohe Herren sich selbst nicht an das halten, was sie dem gemeinen Volk auferlegen.

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