Was für eine Woche! – Wenn Politiker, und sei es nur verbal, über die Grenze des Anstands eindeutig hinausschießen, gibt’s was auf die Ohren. Mehr oder weniger mächtig. Weniger bekam das Hannelore Kraft (SPD) zu spüren: Den sich ihr aufdrängenden „zweifelsfreien Zusammenhang zwischen dem (nordrhein-westfälischen) Schulsystem und einer angeblichen steigenden Selbstmordrate bei Schülern“, mit dem die Aschermittwochsrede der SPD-Vorsitzenden u.a. die WAZ empörte, ist ein gelungenes Beispiel. Danke Hannelore! – Der Landesregierung vorzuwerfen, „sie treibe mit ihrer Schulpolitik Kinder in den Tod“ – ist ein bildungspolitischer Blickwinkel, dessen Koordinaten unsere Kollegen und wir gern etwas länger an ihr verortet hätten. Doch zum einen kam etwas dazwischen, und zum anderen ging die Oppositionsführerin angesichts des einsetzenden medialen Sperrfeuers einfach nur in Deckung. Auf Nachfrage z.B. von BILD etwa „zu dem von ihr ausgelösten Eklat, wollte sie keine Stellung beziehen“.
Wenn Krisen-PR doch immer so einfach wäre, mag Jürgen Rüttgers (CDU) gedacht haben, der angesichts von „Dummheit, Ungeschick und Naivität“ (Westfalen-Blatt) seines Generalsekretärs und den in der CDU-Zentrale kreierten „Meet-and-Geet“-Angeboten seit dem Wochenende nicht die üblichen Wellen der Empörung glätten muss, sondern vergleichsweise eher einen Tsunami auf die Düsseldorfer Wasserstraße zurollen sah.
Ausgelöst hatte den eine Panorama-Meldung des Spiegel, das sei an dieser Stelle doch ausdrücklich erwähnt. Denn die Initialwirkung des knappen Halbseiters (Gekaufte Gespräche)der Magazin-Macher angemessen zu würdigen, war dem Landespresseamt mit der Platzierung auf Seite 116 ihres Pressespiegels am Montag aus unserer Sicht nur unzureichend gelungen. Längst hatten – auf den Seiten – zuvor schon die Aachener Nachrichten fragen dürfen „Wie dekadent ist das denn?“, die taz Rüttgers‘ Verständnis vom Politiker-Gewerbe in die Nähe von „Prostitution“ rücken lassen („Intim mit Rüttgers für 6000 €“) und die Kölnische Rundschau den „Ministerpräsident zum Mieten?“ hinterfragt.
Dass der Internet-Blog „Wir-in-NRW“ nach der Vorlage aus Hamburg gleich noch „ein weiteres Sponsorenpaket öffentlich machte“ nahm das ansonsten gern rüttgerstreue Westfalen-Blatt zum Anlass, bemerkenswert tiefer nachzubohren. So konnten die Bielefelder Blattmacher am Dienstag noch nachliefern, dass der eigentliche Autor der CDU-Offerte – den die Kollegen übrigens mit Foto und vollem Namen zu erkennen geben – erst unlängst als Referent von der Konrad-Adenauer-Stiftung ins Geschirr genommen worden war. Themen seiner Vorträge seien dabei u.a. gewesen: „Methoden des Fundraisings und Aspekte des Sponsorings“, aber auch „Maßnahmen unter Berücksichtigung der Finanzierung“. Eine schöne Vervollständigung des Bildes, das Hendrik Wüst und Mitstreiter in der Verantwortung ihres Parteivorsitzenden hatten abgeben dürfen.
Dass nahezu alle Parteien für die Veranstaltung diverser Events in deren Vorfeld bei Untermnehme(r)n betteln gehen, brachte BILD zwar auf den griffigen Nenner „Alle machen es, aber keiner macht’s so doof“ (wie die CDU). Doch genau darin liegt der Punkt: Geschickter verstanden es die Kollege von SPD, Grünen und FDP in der Vergangenheit, den Aspekt „Gespräche und Foto-Posing des MP“ nicht explizit in ihre Tarifstaffeln aufzunehmen.
Und bei den Linken – diese Information verdanken wir übrigens wieder der taz, „kommen sowieso nur ein T-Shirt-Verkäufer, das Neue Deutschland und der Bund konfessionsloser Atheisten“ zu den Parteitagen.
Jetzt warten wir mal alle ab, wie in den nächsten Tagen appetitmachende Hinweise weitere Nahrung erhalten, von seiner Rolle als „6000 Euro teures Sahnehäubchen“ (WAZ) sei Jürgen Rüttgers doch schon eher informiert gewesen, als erst am vergangenen Wochenende. Da hatte der Spiegel – aber genug der Ehre, das hatten wir ja schon ….
Bis nächste Woche! – Wir freuen uns drauf.
P.-S. Das Dankschreiben von JR für das Zustandekommen von „Gesprächen mit Sponsoren“ u.a. bei vorausgegangenen Veranstaltungen der CDU hat deren Event-Agentur übrigens heute noch auf der eigenen Webseite – das nennt man Chuzpe, oder?










1 Antwort bis jetzt ↓
1 verwaltung // Feb 24, 2010 at 13:26
Zu bi-vent:
Leider kann man in der “normalen” Ansicht nicht die “Unterschrift” -Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen- nicht lesen.
Einfach mit der rechten Maustaste in den Text von Rüttgers klicken und im Kontextmenü auf vergößern klicken, dann wird der ganze Text mit Unterschrift sichtbar.
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