Hannelore Kraft hat ein Problem – keiner hört ihr zu. Als Opel-Chef Nick Reilly sich diese Woche beim Bochumer Werk des Autobauers persönlich in Erscheinung brachte – mit der Nachricht „Meine Name ist Hiob, und ich hab eine Botschaft für Euch“ – war Nordrhein-Westfalens SPD-Vorsitzende als einzige Politfigur aus den vordersten Reihen der Landesparteien auch vor Ort. Gleichwohl – was sie zum Abbau weiterer 1800 Arbeitsplätze in Bochum zu sagen hatte, es interessierte die Medien nicht. Kaum jemand befand ihren Besuch einer Erwähnung würdig. Zwar registrierte wenigstens die WAZ den „saphirschwarzen Insignia“, mit dem Kraft zum Treffen mit dem Opel-Betriebsrat vorgefahren kam, doch aus ihrem Gespräch mit Klaus Franz und einer anschließenden Pressekonferenz verlautete auch in dem WAZ-Artikel nicht ein einziges Wort. „Was soll ich nur machen? – Ich komme einfach nicht durch?“ – hatte sich Kraft unlängst zuvor Vertrauten gegenüber darüber beklagt, dass kaum ein Medium ihre Botschaften für transportwürdig hielt.
Tja, ist eben alles eine Frage von Schauplatz, Inszenierung und Verpackung. Fern jedes Eindrucks vom Ort des Geschehens verkündete der wahre Arbeiterführer des Landes, Jürgen Rüttgers, im winterlichen Washington, dass die angekündigten Maßnahmen von GM für den Standort Bochum in der Gesamtbetrachtung doch „als Erfolg“ zu sehen seien. Und seine eilends zur Stellungnahme aufgeforderte Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) musste via ddp u.a. Agenturen ein nichtssagendes Statement oben drauf setzen, dass den Blickwinkel ihres Ministerpräsidenten aber nicht um ein Grad korrigieren durfte.
Vor allem unsere bei Rüttgers` Schneeausflug mitgereisten Kollegen nutzten ihre Online-Kanäle, um dessen Wortmeldung schnell nach Good Old Germany zu befördern. Als Tätigkeitsnachweis quasi. Denn eigentlich hätten sie über JRs Fortschritte und Gespräche in Klima- und Energiefragen berichten sollen, die der NRW-Ministerpräsident in den USA zu führen gedachte. Sinnigerweise waren es nun die Unbilden von Klima und Wetter, die die transatlantische Berichterstattung weitgehend monothematisch ausfallen ließen. Gut, zur Karlsruher Hartz IV-Entscheidung hat er auch zwei, drei Sätze gesagt, und Zeit, um ganz subtil ein wenig wieder mit Schwarz-Grün zu kokettieren, war ja auch allemal. Aber egal ob DerWesten.de, rp-online.de, bild.de oder nw-news.de – mit jeder weiteren „Wasserstandsmeldung“ über Größe, Art und Menge der Schneeflocken im District of Columbia gerieten Nachrichten der Sorte „Rüttgers in der Geisterstadt“, „Gestrandet in der weißen Hölle“ oder „Rüttgers kämpft gegen den Schnee“ zum dominanten Einheitsbrei – und dessen Informationswert schmolz dahin. Für so etwas sind eine Reihe von Chefredakteuren, Ressortleitern und Korrespondenten nun mitgereist. Dumm gelaufen. Da darf man gespannt sein, was die Kollegen nach Rückkehr an ihre Schreibtische in Hamburg, Berlin, Bielefeld und Düsseldorf als „Gesamtbetrachtung“ des Ausflugs aufbereiten werden.
Klasse in diesem Zusammenhang, dass Jürgen Rüttgers vor seinem Start zum Winter-Trip in einem Spiegel-Interview wenigstens für Gesprächsstoff und Unruhe gesorgt hat. Besonders mit seiner Ankündigung eines entschlossenen Vetos zu Steuerreformplänen der Bundesregierung, die „das Wohl meiner Kommunen“ angreifen. Dass er damit seine via WDR, in der Westfalenpost u.a. abgegebene Erklärung konterkariert, er wolle die Düsseldorfer Koalition nach der Landtagswahl „uneingeschränkt fortsetzen“, bekümmert ihn nicht. Nachfragen zum Konflikt mit der auf eine Reform drängenden FDP beantwortet JR mit fast schon philosophischen Sätzen, wie sie der Kölner Stadtanzeiger zitiert: „Ich sage das, was ich gerade gesagt habe. Mehr kann man nicht sagen“. Das ist nicht ganz korrekt – könnte man nämlich schon. Das lässt zum Beispiel die Westdeutsche Zeitung den FDP-Fraktionschef Gerhard Papke übernehmen, der Rüttgers mitsamt seinen widersprüchlichen Forderungen „im Chor der politischen Linken“ einsortieren darf.
Was war sonst noch? – Nicht zuletzt die aufkommende Schneeberichterstattung hat die – wenn man so will – medialen Mitnahmeeffekte von Landtagspräsidentin Regina van Dinther (CDU) vollends unter sich begraben. Einer, der bis zuletzt durchhielt und auch noch am Dienstag van Dinthers kleiner Homepage-Kosmetik nachkartete („Immer alle Beiträge gezahlt“), war der Kollege der Rheinischen Post. Das hat uns dann doch zu wohltuenden Zweifeln darüber geführt, wie stabil der „Nichtangriffspakt“ der Hauptstadtzeitung mit der Landtags-CDU und ihren Politfiguren in vorderster Reihe tatsächlich ist.
Bis nächste Woche!










2 Antworten bis jetzt ↓
1 Jens // Feb 11, 2010 at 11:30
Naja, Frau van Dinther fällt vielleicht nicht mehr unter den Schutzschirm…
2 zoom » Umleitung: Von Henkel bis zur wirren WAZ im Westen. « // Feb 11, 2010 at 23:01
[...] Blattkritik: Kraft, Rüttgers und so … WirInNRW [...]
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