General Wüst offerierte seinen MP Rüttgers auf dem CDU-Parteitag in Aachen zum Fototermin. Foto: CDU-NRW
Die CDU Nordrhein-Westfalen hat Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und ihre Minister schon in der Vergangenheit Sponsoren von Parteitagen als Gegenleistung für ihre finanziellen Aufwendungen als Gesprächspartner und Fotoobjekt angeboten. Unserer Redaktion liegt das Sponsorpaket für den 29. CDU-Landesparteitag 2008 in der Dortmunder Westfalenhalle vor. Da konnten die Unternehmen schon bei der Buchung eines „Partnerpakets“ auf einer Fotoliste ankreuzen, ob der Ministerpräsident oder ein Minister, ob Laumann, Laschet oder Linssen zum Besuch am Ausstellungsstand gewünscht werden. Mit diesem Dokument bricht Rüttgers´ Verteidigungslinie vom Wochenende zusammen, nachdem er erst am Samstag durch eine „Spiegel“-Veröffentlichung von der Geschäftspraxis seiner Partei und ihres Generalsekretärs Hendrik Wüst erfahren haben will. Es widerspricht jeder Lebenserfahrung, dass Rüttgers nicht wusste, warum er wann auf dem Parteitag in Dortmund an welchen Stand zum Fototermin erscheinen sollte. Ob Wüst mit seinem Rücktritt am frühen Nachmittag Rüttgers allerdings vor weiteren Angriffen in der Sponsoring-Affäre retten kann, ist fraglich.
Bis zuletzt finanzierte Wüst nach diesem Muster seine vielen Veranstaltungen, so auch den nahenden CDU-Zukunftskongress (siehe Dokumente). Und da der CDU-General seiner Partei einen modernen Anstrich gegeben hat, twittert und schreibt er Emails ohne Unterlass. Die Unternehmen des Landes haben sich schon daran gewöhnt, von dem Düsseldorfer Parteimanager auf elektronischem Wege kontaktiert zu werden. So auch, als er vor wenigen Wochen mal wieder um finanzielle Unterstützung für die klamme Kasse der Regierungspartei nachsuchte. „Sehr geehrter Herr….,“ startet er seine Bettelmail an die NRW-Wirtschaft. „Mit diesem Schreiben übersenden wir Ihnen das Sponsorenkonzept zum 6. Zukunftskongress der CDU Nordrhein-Westfalen, der am 5. März wieder in Düsseldorf stattfindet.“
Da geriet der Borkener Wüst zwar ein wenig mit den Städten links und rechts des Rheins durcheinander (der Kongress findet in Neuss statt), kam dann aber gleich zur Sache: „Über 1000 Gäste aus Politik, Wirtschaft und namhafte Vertreter aus Gesellschaft und Medien haben dafür gesorgt, dass der Zukunftskongress 2009 ein großer Erfolg wurde,“ hielt er kurz Rückschau. Um dann schnell zum Kern seines Begehrs zu kommen. „Auch 2010 bieten wir Wirtschaftsvertretern die Möglichkeit, in unmittelbaren Kontakt mit politischen Entscheidungsträgern zu treten.“ Höhepunkt sei die Verleihung des 6. Innovations- und Zukunftspreises sowie ein anschließendes festliches Abendessen. Und dann kommt er auf seinen Chef, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, zu sprechen. Er verkauft ihn der NRW-Wirtschaft für diesen Abend.
Wir dokumentieren den entsprechenden Absatz der Wüst-Mail ohne Kürzung:
„Unser Landesvorsitzender Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und die CDU Nordrhein-Westfalen würden sich sehr freuen, wenn Sie als Partner des Zukunftskongresses zum erfolgreichen Dialog beitragen könnten. Gerne möchten wir Sie als Partner gewinnen. Für Fragen und Wünsche rund um die Veranstaltung steht Ihnen die Agentur BI:VENT jederzeit zur Verfügung. Wir freuen uns auf Sie.“
Wüst verabschiedet sich mit freundlichen Grüßen und einer faksimilierten Unterschrift.
Angehängt hat er zwei pdf-Dateien: einen 12-seitigen Flyer in CDU-Blau mit vielen bunten Bildern von ehemaligen Preisträgern, Teilnehmern der bisherigen Veranstaltungen und dem Ministerpräsidenten, wie er beim Rundgang entlang der Sponsorenstände von Kaiser-Tengelmann, Deutsche Post, Microsoft oder DSK jeweils mit den Managern zusammen in die Kamera lächelt, Firmenlogo inklusive.
Man kann alles bestellen, im Voraus. Wüst offeriert den Unternehmen nicht nur die Partnerpakete I, II und III für 5000, 8000 oder 16 000 Euro mit den gestaffelten Leistungspaketen bis hin zum exklusiven Platz am Tisch des Ministerpräsidenten oder eines Ministers beim abschließenden festlichen Abendessen. Die CDU-Sponsoren können auf einem gesonderten Sponsoren-Rückfax ankreuzen, welches der beschriebenen Partnerpakete sie denn buchen wollen.
Wüst rührt in dem Flyer kräftig die Werbetrommel und hebt die Bedeutung der Veranstaltung hervor:
„Der Zukunftskongress bietet Wirtschaftsvertretern die Möglichkeit, in unmittelbaren Kontakt mit politischen Entscheidungsträgern zu treten. Hier werden Ideen ausgetauscht, Netzwerke geknüpft und gepflegt. Ein großes Medieninteresse ist dieser Veranstaltung gewiss. In einer den Zukunftskongress begleitenden Ausstellung präsentieren sich Top-Unternehmen als innovativer Motor für die Zukunft.“
Und damit die Unternehmer richtig motiviert werden, tief in die Firmenkasse zu greifen, verabschiedet sich Wüst in dem Flyer mit einer Seite von Firmenlogos bekannter NRW-Unternehmen, die schon als CDU-Sponsoren dabei waren. Von E.on über RWE, Telekom, Post und Solarworld bis hin zur landeseigenen NRW.Bank. Eigentlich, so die Botschaft, kann man es sich gar nicht leisten, diesem Kongress fernzubleiben.










9 Antworten bis jetzt ↓
1 Johann Wolfgang Schoop // Feb 22, 2010 at 14:00
Ein klein wenig Stolz bin ich jetzt schon auf meine Partei. So viel Professionalität beim Fundraising hätte ich denen in Düsseldorf nicht zugetraut!
2 do laachste dich kapott 2 // Feb 22, 2010 at 15:02
Jetzt muss er zurücktreten, der arme Junge! Hat der MP ihm den Kopf abgeschlagen. So endet man im Amt, wenn man kein Rückgrat hat, sondern sich als verlängerter Arm für die Konzepte anderer benutzen lässt. Und die wahren Treiber solcher Machenschaften, die bleiben ungeschoren. Da reibt sich doch garantiert schon einer heimlich die Pfoten in der Stk, weil er mal wieder andere für den Abschuss präpariert hat.
3 Ruhrbaron // Feb 22, 2010 at 19:56
Das sieht doch nach Michael “Sprengmeister” Spreng aus. Berät der die CDU NRW nun wieder? Wurde er schon in der in der Wasserstraße gesehen? Das würde zumindest einiges erklären. Wer so wie Rüttgers seine Truppen von hinten erlegt, muss sich nicht wundern, wenn es für ihn selbst nun eng wird. Wüst ist ein Baueropfer. Sonst nichts.
4 Lupe // Feb 22, 2010 at 20:54
Rüttgers Partner-Pakete wüst zurück getreten
Es kam, was kommen musste. Bauernopferketten in Wahlkampfschlachten sind meistens lang. Neu eingereiht seit heute: Der 34-jährige Generalsekretär der CDU-NRW, Hendrik Wüst. Offiziell der Wahlkampfmanager im heißen Kampf um den ersehnten Landtagswahlsieg. Inoffiziell der Befehlsempfänger seiner Herren. Kann man unangezweifelt glauben, Rüttgers hätte von den langjährig geschnürten Partnerpaketen seiner Kampftruppe nichts gewusst?
Solche Positionen, wie Hendrik Wüst sie bis heute innehatte, besetzen erfahrene Politiker gerne mit dankbaren Jung-Hunden, die Parteikarrieren im Tunnelblick haben. Das sieht dann so aus, als gäbe man dem Nachwuchs eine Chance. In Tat und Wahrheit sind wüste Jungs wie der junge Hendrik dankbare Filter, mit denen sich mächtige Männer abschirmen können. In Rüttgers Umfeld gibt es mehr solcher Filter. Einer davon: der frühere Wahlkampfberater aus den Jahren 2004/2005, heute Abteilungsleiter und strategischer Kopf in der Staatskanzlei. Schon zu seiner Zeit wurden die Verbindungen zur Agentur Bi-vent gesponnen und wurde genau dieser Stil der „pekuniären Gesprächskultur“, sprich: Partnerpakete eingeführt. Wüst hat die Fäden weiter gedreht, aus denen sich Rüttgers die Hängematte für seinen Machterhalt weben lässt. Der Wahlkampf 2010 trägt dieselbe Handschrift wie schon 2005.
Der wuchtige Hieb mit dem ganz großen Säbel, seinem Generalsekretär nur wenige Wochen vor dem Beginn der heissen Wahlkampfphase den Kopf abzuschlagen, das tut kein Parteivorsitzender ohne Not. Das ist ein vernichtender Schlag ins Kontor – im doppelten Sinn: aus den angepeilten Spendengeldern für die Parteikasse im Wahlkampf wird nichts; und die strategisch wichtige Position des Wahlkampfleiters ist schlagartig unbesetzt.
Wer weiß, wie intensiv Landtagswahlkämpfe strategisch vorbereitet werden, der weiß auch, dass es ein extrem schwerer Rückschlag ist, seinen Generalsekretär in dieser Phase adäquat auswechseln zu müssen. Jetzt muss Rüttgers ein neues „Partnerpaket“ schnüren und man wird sich genau ansehen, wer als Nächster offiziell in die Filter-Position rückt. Ganz besondere Aufmerksamkeit sollte dabei der Staatskanzlei geschenkt werden, wo der frühere Wahlkampfberater (noch) in der Deckung sitzt.
5 die wilde dreizehn // Feb 22, 2010 at 20:57
Vielleicht wird Spreng der Nachfolger oder Allzweckwaffe Berger. Auf die verbliebenen langjährigen Mitarbeiter wartet die Traufe.
6 Philip // Feb 23, 2010 at 11:16
Wie heißt den der Twitterfeed von Wüst?
Wie heißt dieser Kopf aus der Staatskanzlei von dem oben die Rede ist?
VG Philip Müller
7 Haushaltsausschuss berät über “Wir kaufen Rüttgers”-Antrag « Unabhängiges Fachschaften-Forum // Feb 25, 2010 at 15:33
[...] http://ufafomuenster.wordpress.com/2010/02/23/studierende-wollen-ruttgers-kaufen-und-beantragen-6-000-euro/ Weitere Informationen über die Sponsoringpraktiken der CDU finden man hier. [...]
8 Bahnstadt: Land widerspricht nicht – CDU: Currenta “ergreift Partei” « LevLog.de // Mrz 18, 2010 at 12:20
[...] in Münster mit einem Stand vertreten sein, kündigt der Anzeiger an. Vor dem Hintergrund der jüngeren Diskussionen über käufliche Gespräche unter anderem mit Landesvater Jürgen Rüttgers zeigt sich Thomas [...]
9 Haushaltsausschuss berät über "Wir kaufen Rüttgers"-Antrag by www.ufafo.ms // Okt 3, 2010 at 14:08
[...] http://ufafomuenster.wordpress.com/2010/02/23/studierende-wollen-ruttgers-kaufen-und-beantragen-6-000-euro/ Weitere Informationen über die Sponsoringpraktiken der CDU finden man hier. [...]
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