CDU-Finanzchef Dirk Kappenhagen ist einer aus der jungen alten Riege des gefeuerten Generalsekretärs Hendrik Wüst. Die vergangene Woche zählte nicht zu den Highlights seiner kurzen Karriere in der Landesgeschäftsstelle der nordrhein-westfälischen Christdemokraten in der Düsseldorfer Wasserstraße. Am Montag bekam sein Intimus Wüst vom ziemlich verärgerten Landeschef Jürgen Rüttgers die Papiere. Dann sollte Kappenhagen die verschreckten Sponsoren von Zukunftskongress und Parteitag besänftigen. Schließlich musste er zum Düsseldorfer Arbeitsgericht, um die fristlose Kündigung einer langjährigen Mitarbeiterin zu vertreten. Um es kurz zu machen: Kappenhagen versagte auf ganzer Linie.
Ohne Wüst im Rücken bot er im Gerichtssaal ein Bild des Jammers. Die Richterin bereitete es geradezu Vergnügen, den Abgesandten der Wasserstraße mit Sätzen zu traktieren, es gäbe ja wohl zurzeit andere Probleme bei der CDU als diese Kündigung. Kappenhagen und sein Rechtsbeistand verstanden, sie zogen die Kündigung zurück. Der CDU-Finanzchef fühlte sich nach Ende des Verfahrens unpässlich und nahm den Nachmittag frei. Sabine L., die zwischenzeitlich gekündigte Ex-Betriebsrätin der CDU, wird dagegen an diesem Montag wieder an ihren Arbeitsplatz in der Wasserstraße zurückkehren.
Dort kann man sicherlich jede Fachkraft gebrauchen, denn zehn Wochen vor der Wahl ist die geplante politische Kampagne der NRW-CDU durch die „Affäre Rüttgers“ – wie der Spiegel schreibt – ins Wanken geraten. Zudem türmen sich in der Wasserstraße wohl reichlich finanzielle Probleme. Wenige Stunden bevor Kappenhagen zu Gericht musste, hatte er noch einen Brief an die Sponsoren des CDU-Parteitages in Münster unterzeichnet. Darin versucht er die Unternehmen zu beruhigen; mit dem Nebensatz, in dem er den Medien einer „fälschlichen Berichterstattung“ über die Affäre um den für 6000 Extra-Euros zu mietenden Ministerpräsidenten bezichtigte. Und versicherte, dass es außer dem Mietvertrag über einen Messestand keine weiteren Vereinbarungen gebe (siehe Rubrik Dokumente). Also keinen Rüttgers für Einzelgespräche.
Den Brief schickte Kappenhagen nicht ohne Grund los. Denn in der Affären-Woche der CDU hatten einige Unternehmen trotz bestehender Verträge ihren Rückzug vom Zukunftskongress an diesem Freitag in Neuss angekündigt. Die Sponsoren wollten auf gar keinen Fall mit dem Skandal der Rüttgers-CDU in Zusammenhang gebracht werden, einige fürchteten geradezu einen Ansturm von Medien an ihren Ständen. Auch für den CDU-Parteitag in drei Wochen in Münster droht der Ausfall von Sponsoren, die ihre Teilnahme fest zugesagt hatten. Als in der vergangenen Woche die Verträge in den Konzernzentralen per Post ankamen, fiel auf, dass die sonst übliche Fotoliste zum Ankreuzen der Partei-Prominenz fehlte, die den Stand besuchen sollte. Aber nicht nur deshalb entschied man auf einigen Chefetagen, die Verträge ohne Unterschrift zurückzuschicken. „Das können wir uns gar nicht leisten, da präsent zu sein“, entschied ein Konzernmanager in der vergangenen Woche. „Wir haben kein Interesse daran, das Umfeld für eine Negativberichterstattung zu geben.“











7 Antworten bis jetzt ↓
1 wolfgang1951 // Feb 28, 2010 at 21:34
Das ist ja wie bei Lidl: Betriebräte werden entlassen. Ob das der selbsternannte Arbeiterführer wusste? Vor Fernsehkameras und Werkstoren hört er sich doch immer ganz anders an, der Jürgen Rüttgers.
2 zoom » Umleitung: Krieg, Westerwelle, Jagdsteuer, Recht für Reiche und ein Tusch aus Detuschland « // Feb 28, 2010 at 23:42
[...] CDU: Sponsoren gehen auf Distanz … WirInNRW [...]
3 Links anne Ruhr (01.03.2010) » Pottblog // Mrz 1, 2010 at 05:24
[...] CDU NRW II: Sponsoren der CDU gehen auf Distanz (Wir in NRW) – Die Sponsoren der kommenden CDU-Veranstaltungen distanzieren sich und sagen teilweise die Teilnahme ab – die CDU hingegen schreibt an die Sponsoren in Sachen "fälschliche Medienberichterstattung"… [...]
4 links for 2010-03-01 « Nur mein Standpunkt // Mrz 1, 2010 at 13:04
[...] Sponsoren der CDU gehen auf Distanz – Finanzchef versucht Geldgeber zu halten Mietgers. (tags: politik) [...]
5 Herbert aus Linden // Mrz 1, 2010 at 15:22
Als der Ministerpräsident uns in Bochum besuchte hat er davon gesprochen, dass man so nicht mit Mitarbeitern umgehe. Ich kann deshalb nicht glauben, dass er von den Machenschaften seiner Geschäftsstelle wußte.
6 Willy // Mrz 2, 2010 at 17:23
Nein, Herbert aus Linden, Rüttgers weiß von all dem wirklich nichts. Der ist ja auch nur der Chef des CDU-Landesverbandes. Der liest auch keine Zeitungen. Ich glaube, der ist eines von drei Äffchen.
7 Sven // Mrz 22, 2010 at 14:45
Weiß eigentlich einer, warum der Mitarbeiterin fristlos gekündigt werden sollte? Und das Problem bei fristlosen Kündigungen ist oft das Wörtchen fristlos – die Hürden dafür sind recht hoch. Und wie immer vor Gericht hängt vieles auch von den Vorprägungen der RichterInnen ab. Denn wie wissen Juristen: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Und vor Gericht bekommt man nicht Recht, sondern ein Urteil.
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