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Ingo Wolfs Polizei-Scoop: Zwei Wochen vor der Wahl eine dritte Reiterstaffel für NRW

16. März 2010 · von Paula Buentzly

Polizei-Minister Ingo Wolf: Vor der Wahl will er eine dritte Reiterstaffel in Köln stationieren. Foto: Staatskanzlei NRW

Polizei-Minister Ingo Wolf: Vor der Wahl will er eine dritte Reiterstaffel in Köln stationieren. Foto: Staatskanzlei NRW

Wenn nichts mehr hilft, dann hilf dir selbst, hat sich wohl Ingo Wolf gedacht, der FDP- Innenminister des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. Der blasse Rheinländer sieht sich wohl selbst zu wenig in Zeitungen und Nachrichtensendungen, darum musste dringend eine PR-Idee her. Es wurde lange überlegt, was einen positiven Effekt in der Öffentlichkeit haben könnte, ganz nach dem Motto „Kinder und Tiere ziehen immer.“ Als NRWs oberster Polizist erinnerte sich Wolf prompt an das Versprechen der schwarzen-gelben Koalition im Jahr 2005, nach einem Wahlsieg die Reiterstaffeln bei der Polizei wieder einzuführen.

Der Vorlauf: Nach langen Diskussionen hatte Wolfs SPD-Vorgänger Fritz Behrens die Reiterstaffeln 2003 in Aachen, Bochum, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Köln, Mönchengladbach, Recklinghausen und Wuppertal aufgelöst. Vorangegangen war ein eindeutiger Rat externer Gutachter, die ein Einsparpotential von zwei Millionen Euro pro Jahr ausgerechnet hatten. Eine Polizeireitstunde kostete den Steuerzahler damals 153 Euro, dreimal so viel wie die eines Polizisten im Streifenwagen. Und – auch ohne Pferde könne die Polizei ihre Arbeit z.B. bei Fußballspielen effektiv leisten, so die Einschätzung der sozialdemokratischen Innenexperten.

Doch die Polizeipferde hatten offensichtlich einen sehr hohen Symbolwert. Deshalb machten CDU und FDP die Vierbeiner samt ihren uniformierten Reitern zum Wahlkampfthema – mit Erfolg.

reiterstaffel2_gruppeUnmittelbar nach der erfolgreichen Wahl der schwarz-gelben Koalition beschloss das Kabinett von Jürgen Rüttgers die Wiedereinführung von Polizei-Reiterstaffeln in Düsseldorf und Dortmund. Jeweils 25 Beamte und 20 Pferde sind seit 2006 in Düsseldorf für das Rheinland und in Dortmund für Westfalen zuständig. In Polizeikreisen wird seitdem gelästert, die Polizei habe lediglich ein neues Tiertransportunternehmen gegründet. Denn wegen der großen Entfernungen zu den jeweiligen Einsatzorten seien die Tiere größtenteils auf der Straße (in Anhängern) – und nicht auf vier Beinen unterwegs.

Doch all das ficht den Innenminister nicht an, jenseits jeder Rentabilität wird der teure Pferdespaß ausgeweitet. Vor ein paar Wochen wurden nun die Kölner Polizeioberen von Ingo Wolf überrascht. Die Karnevalshochburg soll Standort für eine neue, zusätzliche Reiterstaffel werden. Hieß es zunächst, die Staffel solle noch 2010 ihre Arbeit aufnehmen, so macht Wolf jetzt Druck. Er hat die Kölner Polizei angewiesen, dass die Reiterstaffel bis zum 30. April arbeitsfähig sein solle. Da Pferde, die wie ein Auto geleast werden, stehen nicht zur Verfügung. Deshalb werden nun 18 Beamte und ihre Zossen erst einmal aus Dortmund und Düsseldorf abgezogen.

Im Sporteinsatz in Dortmund: Randalierende Fußballfans fürchten die Polizeipferde.

Im Sporteinsatz in Dortmund: Randalierende Fußballfans fürchten die Polizeipferde.

Bleibt das Problem mit der Unterbringung. Die Behörde sucht dringend eine geeignete Stallung mit Autobahnanschluss. Im Internet veröffentlichte das Ministerium folgende Anzeige: Die Polizei des Landes Nordrhein-Westfalen sucht für den Standort Köln zur dauerhaften Unterbringung der Landesreiterstaffel spätestens zum 30.04.2010 eine geeignete Liegenschaft im Westen Kölns. Gewöhnlich gut informierte Kreise berichten nun, dass auch aus den liberalen Parteireihen heraus die Suche unterstützt wird, getreu dem Motto „Privat vor Staat“. Auf den Fluren des Kölner Präsidium ist es kein Geheimnis mehr, dass ein FDP-Sympathisant mit Gestüt bei Köln hervorragende Aussichten auf den Zuschlag habe. Der Mann soll übrigens nicht Michael Mronz heißen, obwohl der nicht nur eine besondere Nähe zur FDP, sondern auch zu Pferden haben soll.

Nachprüfen können wir die Gestütsvergabe konkret keine zwei Wochen vor der Landtagswahl. Denn vor den  Fotosberittener Ordnungshütern mit Innenminister Wolf am Halfter werden wir garantiert nicht verschont bleiben.

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16 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 petraswelt » Blog Archiv » Bananenrepublik Deutschland // Mrz 16, 2010 at 21:07

    [...] Und auch die Reiterstaffel des Ingo Wolff trägt nicht dazu bei, meinen Eindruck zu verändern: Reiterstaffel [...]

  • 2 zoom » Umleitung: das Übliche … und mehr … « // Mrz 16, 2010 at 23:36

    [...] Reiterstaffel: Polizei-Scoop … wirinnrw [...]

  • 3 Links anne Ruhr (17.03.2010) » Pottblog // Mrz 17, 2010 at 06:13

    [...] NRW: Zwei Wochen vor der Wahl eine dritte Reiterstaffel für NRW (Wir in NRW) – Der derzeit amtierende Innenminister Ingo Wolf (FDP) will kurz vor der Wahl Sympathien schaffen, in dem eine dritte Reiterstaffel für die Polizei aufgebaut wird. [...]

  • 4 Pastulakis // Mrz 17, 2010 at 12:11

    Ich kann nur aus der Erfahrung meiner Heimatstadt berichten und da hat die Reiterstaffel einen riesen Erfolg erzielt. Bisher war unsere Fußgängerzone ein Kriminalitätsschwerpunkt, vorallem an den Wochenenden Abends. Da stand immer ein Streifenwagen der hat nichts gebracht. Seitdem die REiterstaffel regelmäßig da ist, ist die Kriminalität EXTREM zurück gegangen.
    Man kann auch einfach ALLES negativ auffasen und das geschieht in diesem Blog leider!

  • 5 Kaspar Hauser // Mrz 17, 2010 at 14:35

    @Pastulakis
    Widerspruch! Der Artikel sagt nichts darüber aus, ob und wie sinnvoll Reiterstaffeln in der Kriminalitätsbekämpfung sind. Das überlassen wir gern den Experten. Wir beschreiben allerdings, dass Herr Wolf ein reines PR Interesse an der Gründung der dritten Staffel hat. Darüber hinaus verweisen wir darauf, dass aufgrund der bisher zwei Standorte, nur sehr wenig Kommunen und Veranstaltungen in den Genuss eines Einsatzes der Reiterstaffel kommen, während zugleich die Pferde sehr häufig im Pferdetransporter von A nach B und wieder zurück transportiert werden.

  • 6 Prinzessin // Mrz 17, 2010 at 14:50

    Sorry, aber hier muss ich Herrn Wolf grundsätzlich in Schutz nehmen! Die Reiterstaffeln haben einen große Exixtenzberechtigung. Hat mal jemand gefragt, wie teuer die Abschaffung unter Rot/Grün war?
    Es war doch nur blinder Aktionismus (wie viele andere unverfünftige Sachen”) und sehr wenig durchdacht…

  • 7 proundcontra // Mrz 17, 2010 at 16:00

    @Prinzessin
    Behrens hat m.E. damals ein externes Gutachten machen lassen, dabei ist ja rausgekommen, das eine Reiterstreife das dreifache einer Auto- oder Fahrradstreife kostet. Ich verstehe den Artikel so, das es nicht um Staffeln dieser Art geht, sondern um die pressewirksame Aktion, die nun schnell aus dem Boden gestampft werden muss, damit der Minister kurz vor der Wahl noch ein schönes Foto kriegt. Und alle Frauen mit großem (Pferde)-Herz den gelben ihre Stimme geben.

  • 8 Andre // Mrz 17, 2010 at 16:22

    Der gute Ingo wird schon sehr bald mit seinen Pferden in den politischen Sonnenuntergang reiten…

  • 9 Prinzessin // Mrz 18, 2010 at 09:46

    # proundcontra
    Das sehe ich allerdings ganz anders. Gutachten hin – Gutachten her: Diese kenne ich auch aus anderen Bereichen der Landesregierung.
    Man muss einfach mal definieren, was man will. Fakt ist, dass die Reiterstaffeln eine wichtige Funktion erfüllen (Respekt und Einsatzmöglichkeit im Vergl. zum Fahrrad, Auto usw.). Und es ist sicherlich alles andere als “Pferdespaß” sondern harte Arbeit!! Zwei sind ja zum Glück schon wieder länger installiert!
    Eine Wahl kann man mit dieser Ankündigung wohl kaum gewinnen, auch nicht bei den “Frauen mit großen Pferdeherzen”, aber für die Opposition wieder mal ein gefundenes “Fressen”…

  • 10 Meerbuscher // Mrz 18, 2010 at 14:17

    Herr Wolf hat die “Antwort” ja schon einst 2006 in seiner Rede zum Anlass der Vorstellung der Reitstaffeln in Dortmund gegeben: ” … Denn richtig eingesetzt sind Polizeipferde nicht nur Sympathie- und Werbeträger, sondern haben auch einen hohen Einsatzwert … ” [Quelle: http://www.nrw.de/presse/rede-von-innenminister-dr-ingo-wolf-anlaesslich-der-vorstellung-der-polizei-reiterstaffeln-am-13-03-2006-in-dortmund-6281/ ]

    @Prinzessin – sicherlich hat der teure Pferdespaß so seinen Sinn und schöner aussehen tut es ja irgendwie auch. Und sicher gewinnt man damit alleine keine Wahl, aber die Wirkung kurzfristiger Sympathiepunkte ist für eine Wahlentscheidung sicher auch nicht zu verachten.

  • 11 Hartmud Scholz // Mrz 18, 2010 at 17:40

    Ob Minister Wolf mit seinen Hottepferdchen Eindruck beim Wähler macht? Ich bezweifel das, vielleicht bei ein Paar Teenys oder Ältern Damen die die Pferdchen süß finden.Wehm wundert es?das ist eher Verwunderlich eben Fdp Politik.

  • 12 Pastulakis // Mrz 19, 2010 at 13:00

    ich glaube er punktet vorallem bei den Konservativen, denn die wissen nicht die Pferde zu schätzen, sondern den Zuwachs an Sicherheit oder auch nur Sicherheitsgefühl. Und wenn diese Maßnahme wirklich Erfolg hat, dann darf man, auch im Wahlkampf, damit Punkten. Denn nur wenn etwas Gutes im Wahlkampf geschieht, ist es dadurch nicht gleich schlecht.

  • 13 C. Schummer // Mrz 20, 2010 at 00:49

    Gegen die Polizeipferde sprechen meiner Meinung nach vor allem zwei Gründe: Erstens ist es Tierquälerei, die Tiere auf Demonstrationen und in sonstigen sehr unruhigen, lauten und absolut nicht tiergerechten Umgebungen einzusetzen. Wer mal gesehen hat, wie unruhig die Tiere auf Demo-Einsätzen sind und wie sie z.B. bei den studentischen Demos gescheut haben, wird nachvollziehen können: Das ist unverantwortlich! Und zwar nicht nur gegenüber den Tieren, sondern auch gegenüber den Menschen. Ich habe schon mehrfach gesehen, wie die unruhigen Tiere in aufgeregte Menschenmengen hineinmanövriert worden sind, zum Beispiel als Studierende beim Protest gegen Studiengebühren die Bannmeile in Düsseldorf durchbrochen haben. In diesen Fällen wurden die Pferde ganz offensichtlich als gefährliche Waffe eingesetzt – es ist nur Glück, dass in dem Tumult niemand totgetrampelt worden ist. Ich kann nur sagen: Pfui! Ich halte diesen gemeingefährlichen Missbrauch von Tieren für widerlich. Die Polizei darf ja auch nicht einfach in die Menge ballern, wenn sie auf einer Demo plötzlich nicht mehr Herr der Lage ist. Dass die Pferde aber zu änlichem Zweck eingesetzt werden, wird toleriert. Ich sag nur: Reiterstaffeln abschaffen!

  • 14 Prinzessin // Mrz 23, 2010 at 13:12

    #C. Schummer
    Ha, Sie haben wohl Angst vor Pferden…

    Dann hat die Polizei doch ihr Ziel erreicht. Abschreckung ist doch genau richtig. Außerdem haben die Reiter einen viel besseren Überblick, als Polizisten am Boden, was durchaus ein großer Vorteil ist!
    Die Polizeipferde werden auf diese Einsätze entsprechend sorgfältig und lange vorbereitet und es ist eine große Leistung, sie in diesen Situationen einzusetzen. Sie sind nämlich Fluchttiere.
    Aber natürlich kann man auch den Tierschutz voranschieben, wie bei anderen Sachen auch. Dann wäre auch der Einsatz von Hunden aus Tierschutzgründen aufzugeben. Aber auch diese Tiere können wertvolle Hilfe leisten.
    Man muss die Kirche mal im Dorf lassen…

  • 15 C. Schummer // Mrz 25, 2010 at 17:50

    Eben weil Pferde Fluchttiere sind, sind solche Einsätze eine riesengroße Tierquälerei. Und wer die Kirche im Dorf lassen will, sollte die Pferde doch erst recht auf der Weide lassen. Alles andere ist sowohl tier- als auch menschenunwürdig.

  • 16 Peter Thoms // Apr 21, 2010 at 22:30

    Sie mögen der Meinung sein, den Sinn und Zweck von reiterstaffeln anzweifeln zu müssen und zeitgleich hierzu “sozialdemokratische Innenexperten” zu nennen. Wie heißen diese? Sind diese aus der Praxis? Hat sich bei den Sozialdemokraten überhaupt schon jemand gefragt, was Reiterstaffeln in der Praxis bewirken? Berittene Polizisten in puncto Kosten mit motorisierten Polizisten zu vergleichen, zeigt lediglich dass hier keinesfalls krittisch hinterfragt oder nachgedacht wird, sondern vielmehr nachgeplappert, was damals SPD-Gut war. Die Realität sieht doch vielmehr so aus, dass berittene Polizisten bei Großveranstaltungen insbesondere gegenüber gewaltbereiten Fans oder randalierenden Demonstranten eine große Menge an nicht berittenen Polizisten ersetzt bzw. eine immense Drohkulisse aufbaut. Fast jeder gewaltbereite Mensch hat gehörigen Respekt vor dem Pferd und neigt dazu zurückzuweichen. Meine Verbesserung der Ausstattung wäre allerdings zum Schutz des Pferdes die in London bewährten Kopfpanzer für Pferde einzuführen. Etwas besser recherchieren und ggf. mal kritisch auch auf der anderen Seite bohren könnte Ihnen nicht schaden.

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