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Netter Versuch, Herr Krautscheid!

3. März 2010 · von Kaspar Hauser

„Reiner Tisch“ soll die Aktion heißen, die sich der neue CDU-General Andreas Krautscheid ausgedacht hat, um nun endlich aus dem PR-Schlamassel zu kommen. Gleich 150 interne E-Mails wurden gestern handverlesenen Journalisten vorgelegt, die nur eins belegen sollten: dass Boris Berger aus der Staatskanzlei und Matthias Heidmeier aus der Parteizentrale nur ihren Job gemacht haben. Alles ganz harmlos und völlig legal.

Man fragt sich, für wie blöd der neue CDU-Aufräumer Journalisten hält, wenn er glaubt, mit so einer Aktion irgendwas anderes zu bewirken, als die eigene Hilflosigkeit zu dokumentieren? Welcher Prozentsatz der E-Mails wird wohl vorgelegt worden sein? Und welche wurden ausgewählt? Durchschaubarer kann ein Manöver gar nicht sein. Gleichzeitig verkündet dieser frühere Regierungssprecher mit ernster Mine, man habe die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wegen Datendiebstahls. Der einstmals freundliche Medienminister will investigativen Journalismus kriminalisieren! Haben wir da nicht noch in Erinnerung, dass vor gerade mal zwei Wochen jener Herr Krautscheid auf die großen Chancen von Qualitätsjournalismus im Internet und neuen Beschäftigungschancen von guten Reportern verwiesen hat? Ach so, da haben wir wohl was verwechselt. Mit dem Job ändert sich auch die durchaus mal kluge Sichtweise des Jobhoppers Krautscheid.

Man könnte fast Mitleid haben mit den CDU-Kampanieros, wenn es nicht so bodentief durchschaubar wäre.

Denn in Wirklichkeit verdecken sie ein Dilemma, dass in der Vergangenheit angelegt wurde und heute nicht mehr zu heilen ist. Spätestens mit dem E-Mail-Verkehr zur Kraft-Überwachungsaffäre wurde deutlich, dass Boris Berger, im vergangenen Sommer noch Rüttgers´Planungschef,  in die Aktionen der Parteizentrale aktiv involviert war. Wenn nun weitere Belege dafür auftauchten, bestätigt sich nur der Eindruck, den man in Düsseldorf sowieso schon längst hatte. Dass Berger  wieder in der Wasserstraße anheuert, ist ein Formalakt zur Gesichtswahrung,  eigentlich hätte er die Parteizentrale nie verlassen dürfen, wenn man die im Grundgesetz festgeschriebene Trennung von Parteiarbeit und Amtsauftrag ernst genommen hätte.

Das wird selbst den CDU- freundlichsten Journalisten nicht beizubiegen sein. Darum macht die Aktion wohl eher Sinn, wenn es darum geht, mögliche zukünftige Veröffentlichungen aus der Partei vorsorglich zu desavouieren. Es soll wohl abgelenkt werden von den entlarvenden Inhalten. So nach dem Motto:  Diese Information ist illegal herausgekommen, darum darf man sie auch nicht verwenden.

Aber auch das wird nicht funktionieren. Journalisten sind zu allererst der Wahrheit verpflichtet. Und wenn ein frustrierter oder brüskierter CDU-Mitarbeiter darauf hinwirken will, seine Partei vom ungesetzlichen oder unmoralischen Handeln abzubringen, ohne seine Existenz zu gefährden, werden Journalisten diesen Hinweisen nachgehen, egal ob sie für eine Zeitung, einen Fernsehsender oder den Wir-in-NRW-Blog schreiben. Das sollte einem noch amtierenden Medienminister klar sein.

Gehen wir mal davon aus, dass es das ist! Was bleibt dann noch über von der gestrigen Aktion? Letztlich nur die interne Wirkung. Der Druck auf die Mitarbeiter soll weiter zunehmen, dass auch ja keinerlei Information aus der Parteizentrale unkontrolliert das Haus verlässt. Wahrscheinlich hat Herr Krautscheid bei der Sichtung des E-Mail-Verkehrs erkannt, wie viele Tellerminen (samt Orthografiefehlern) noch schlummern. Zugegeben, das ist reine Spekulation, aber sollte sie sich bewahrheiten und entsprechende Dokumente in unserem Briefkasten landen, werden wir sie der Öffentlichkeit zur Kenntnis geben und journalistisch kommentieren. So haben wir es gemacht, machen es aktuell und werden es auch in Zukunft nicht lassen. Darum: Netter Versuch, Herr Krautscheid!

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16 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 paijas // Mrz 3, 2010 at 14:35

    Danke!

    Bitte drann bleiben.

  • 2 68er // Mrz 3, 2010 at 15:39

    Herr Krautscheid hat jetzt auch ein lustiges Video auf dem CDU-Blog veröffentlicht, in dem er versucht sich bei den Bloggern einzuschmeicheln. Der Marketingprofi scheint er nicht zu sein, denn er hampelt die ganze Zeit vor dem CDU-Logo rum.

    Interssant ist, dass zu den ganzen letzten Blogs keine Kommentare existieren. Vielleiht interessieren sich zu wenige Leute dafür, was die
    CDU zu sagen hat, oder die haben zu wenige “Volunteers” oder was ich nicht ausschließen kann, werden da die Kommentare der lieben Blogger einfach zensiert. Ich habe mal versucht 2 Kommentare zu folgenden “Artikeln” abzugeben, die aber bisher noch nicht freigeschaltet wurden:

    http://blog.cdu-nordrhein-westfalen.de/index.php/2010/02/rot-rote-chaostage-nach-plan/

    und

    http://blog.cdu-nordrhein-westfalen.de/index.php/2010/03/andreas-krautscheid-zu-der-aktuellen-debattte-um-das-ausspahen-von-e-mails-bei-der-cdu-nordrhein-westfalen/

    Mein Kommentar zum letzten Artikel lautete:

    “Wenn Sie wirklich an Bloggern interessiert sind, sollten Sie sich überlegen, ob Sie hier wirklich selbst die harmlosesten Kommentare zensieren.

    Das könnte eine ganz lustige Internet-Welle nach sich ziehen, wenn man das in den richtigen Foren publik macht.

    Na dann mal viel Spaß!”

  • 3 Ulrich Gelsen // Mrz 3, 2010 at 15:41

    Der designierte Generalsekretär der CDU Nordrhein-Westfalen Andreas Krautscheid hat sich bei uns im Blog zu den Vorwürfen geäußert.

    Wörtlich sagte Herr Krautscheid in dem Video:

    “Wir haben Anzeige gegen unbekannt erstattet, weil wir mit Hilfe der Staatsanwaltschaft herausfinden möchten, wer unsere persönlichen Daten ausgespäht hat oder auch weitergegeben haben könnte. Diese Aktion richtet sich ausdrücklich nicht gegen Blogs und Blogger. Wir wissen gerade in der politischen Auseinandersetzung Beiträge und Kommentare in Blogs sehr zu schätzen, freuen uns über die Vielfalt im Netz und deswegen wollen wir mit Hilfe der Staatsanwaltschaft lediglich verhindern, dass illegal ausgespähte Daten zum Gegenstand von Wahlkampfauseinandersetzungen zwischen Parteien werden. Deswegen fordern wir die anderen Parteien auf, davon keinen Gebrauch zu machen, aber wir haben keine Kritik und keine Veranlassung an den Diskussionen in den Blogs, auf die wir uns weiterhin freuen.”

    Das Video findet man unter:

    http://blog.cdu-nordrhein-westfalen.de/index.php/2010/03/andreas-krautscheid-zu-der-aktuellen-debattte-um-das-ausspahen-von-e-mails-bei-der-cdu-nordrhein-westfalen/

    Mit freundlichen Grüßen

    Ulrich Gelsen

  • 4 NRW-Bürger // Mrz 3, 2010 at 15:42

    Kaspar , wer Sie vor vielen , vielen Jahren mit
    dem Bade ausgeschüttet, der konnte nicht ahnen
    was damals angerichtet. Einen solchen Journalis-
    mus, so einfach gestrickt und immer nur das
    gleiche Ziel. Doch wer sollte Ihnen böse sein,Sie
    geben ja Ihr Bestes.

  • 5 Wähler // Mrz 3, 2010 at 20:12

    So und nicht anders.

  • 6 CDU NRW und das Web 2.0: Oder wie man sich in Blogs unbeliebt macht… » Pottblog // Mrz 3, 2010 at 20:43

    [...] war es für für Offenheit zu sorgen: So präsentierte er im Rahmen der Aktion Reiner Tisch eine vermutlich handverlesene Auswahl an eMails zwischen der CDU-Landesgeschäftsstelle und der [...]

  • 7 Kaspar Hauser // Mrz 3, 2010 at 21:40

    NRW Bürger, merkst du noch was? Oder mußt du Blogbeobachtung im CDU-Keller machen und bist deswegen so derb drauf? Könntest dich vielleicht mal inhaltlich äußern statt nur rum zu ätzen.

  • 8 Immer diese Ruhrbarone | Planet VaoVaoWeb // Mrz 3, 2010 at 23:22

    [...] Blog Wir in NRW warf den ersten Stein zurück und warf Krautscheid vor, er wolle “investigativen [...]

  • 9 Willy // Mrz 4, 2010 at 10:22

    Oh, oh, da brennt aber der Dachstuhl lichterloh, wenn der arme Krautscheid den Staatsanwalt losschicken muss. Wegen “Datendiebstahl”! Mal angenommen, Krautscheids Begründung wäre logisch: Hat sich dann sein Ex-Ministerkollege Finanzminister auch strafbar gemacht, weil der geklaute Steuerdaten gekauft hat? Oh, Oh!

  • 10 vera // Mrz 4, 2010 at 16:11

    Wie kommt es nur, daß ich Blogs mehr vertraue als Zeitungen? Klasse.
    Bin allerdings etwas enttäuscht, daß nicht auch der bekannte Journalist Ignaz Wrobel für Euch arbeitet.

  • 11 Kaspar Hauser // Mrz 4, 2010 at 21:35

    Hallo Vera, danke für das Vertrauen.
    Ignaz Wrobel ist übrigens auch einer von uns, er recherchiert nur gerade ziemlich intensiv.
    Also dranbleiben, er kommt bestimmt wieder.

  • 12 Auge // Mrz 6, 2010 at 08:39

    Diese “Mail-Säuberungsaktion” ist absolut durchschaubar. Hier soll Journalisten Transparenz vorgegaukelt werden, indem ein paar ausgewählte Mails auf den Tisch kommen. Bei der Aktion dürfte die CDU nun alle Berger-Mails checken, um weitere Zeitbomben zu entsorgen, die einerseits auf Vermischung von Regierungs- und Parteiarbeit schliessen lassen und andererseits die Umgangs- und Denk-Kultur der Rüttgers-Leute entlarven. Jeder, der den Vertrauten von Rüttgers und dessen Auftreten näher erleben durfte/darf, weiss, welch rüder Charakter sich da ausdrückt. Mails dieser “Omme-Art” gehören zur Standard-Schreibe und zum Standard-Sprech dieses Rüttgers-Manns. Die CDU tut also gut daran, jetzt schnellstens die Korrespondenz von Berger zu filtern.
    Und apropos durchschaubar: Nichts ist so durchschaubar, wie der Reue-Kurs, den Berger mit Hand geschriebenen Entschuldigungen oder Rüttgers auf dem Zukunftskongress einschlagen. Das war klar, dass jetzt die Sühne-Inszenierung auf den Spielplan gehoben wurde. Stern und Spiegel geben mit ihren “Schuld und Sühne-Themen” wie gerufen den “Duktus” vor, der jetzt schnellstens betrieben werden muss.
    Er habe abgenommen wg. der “aktuell schlechten Umfragedaten”, kann man jetzt über Rüttgers lesen. Jetzt sollem einem auch noch die Tränen kommen, weil der Ministerpräsident so ahnungslos von seiner Partei in die Sponsoring-Falle geschubst wurde. Diesem Herrn geht ein ganz anderer “Gewichtsverlust” unter die Haut. Mit Eingestehen von Fehlern hat das nichts zu tun. Hier ist eiskaltes Kalkül am Werk.

  • 13 juhu32 // Mrz 6, 2010 at 16:17

    Auge, du spricht mir aus dem Herzen. Interessant wie konservative Presse mal wieder wunderbar mitspielt. Die Rheinische Post schickt heute kriminelle Ausländer nach Hause und Frau Merkel darf Herrn Rüttgers helfen, beides auf dem Titel. Umfragen hin oder her, das Imperium ist noch nicht am Ende! Dass sie diesen sündhaft teuren Wahlkampftypen anheuern läßt allerdings tief blicken.

  • 14 mediaclinique | ralf schwartz // Mrz 8, 2010 at 09:24

    Rüttgers legt sich mit Bloggern an – Schäuble soll ihnen 2 Millionen zahlen…

    In NRW erstattet die CDU “Anzeige wegen “Ausspähens von Daten”, strafbar nach § 202a StGB”, wie Telepolis schreibt. Soso, das Ausspähen von Daten ist also strafbar – auch für die CDU. Beim angetäuschten Erwerb der Daten-CD voller Steuerhinterzieher…

  • 15 Politiker und das Internet « Agadius - Das Sammelsurium // Mrz 8, 2010 at 10:37

    [...] im Handelsblatt “eine neue Qualität, dass ein Blog mit geklauten E-Mails arbeite”. Wir in NRW, das von einem ehemaligen Stellvertretenden Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung [...]

  • 16 incognitoMW // Mrz 25, 2010 at 15:36

    Der Krautscheid-Artikel ist bei rp-online.de schon rausgenommen. Offensichtlich ist der Redaktion jetzt klargeworden, was da abläuft!

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