SUCHEN:

Blattkritik: Ohne Inhalt und trotzdem gedruckt – Interviews mit Hannelore Kraft

7. April 2010 · von Peter Panter

lupeDass Interviews mit Politikern – je nachdem, welchem Tendenzschutz ein Verleger seine Redakteure unterstellt –  die gute Chance haben, hinterher von Kollegen als „Hofberichterstattung“ verhämt zu werden, erleben wir in der Einlaufkurve zum Wahlkampffinale immer wieder. Gern erinnern wir in diesem Zusammenhang an das zuletzt von der Neuen Westfälischen veröffentlichte Gespräch, das die Bielefelder Fifty-Fifty-Beteiligung der SPD mit Hannelore Kraft führte. Ist schon ein paar Tage her – Gott sei Dank – denn der Mantel der Zeit beginnt langsam, seinen gnädigen Schleier über dieses Armutszeugnis zu legen. Da bekommt die Formulierung „in den Block diktiert“ einen extrem faden Beigeschmack. Das geht auch anders – allerdings nicht so, wie die Bild am Sonntag es uns dieser Tage vormacht.  Mit der brutalstmöglichen Schlagzeile  „Lassen Sie sich auch von der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen, Frau Kraft?“ ködert das Wochenblatt geschickt seine Leser, aber nur – um die Frage im mit Spannung erwarteten Lauftext unbeantwortet zu lassen.

Auf die dezidierte Frage „Wenn die nötigen Prozente für Rot-Grün fehlen – machen Sie zur Not auch Rot-Rot-Grün?“ lassen sich die Kollegen abspeisen, indem die ambitionierte SPD-Chefin kurzerhand das Eingangsszenario ändern darf. Ihre Antwort beginnt mit „Wenn die SPD stärkste Kraft wird …“ – das ist allerdings etwas völlig Anderes und konterkariert sämtliche Umfragen, die in der Interviewpassage zuvor gerade zitiert worden waren.

Auch die folgende Frage nach einer nicht auszuschließenden – wenngleich dann wohl selbsterklärten –„Regierungsfähigkeit“ der Linken, lässt Hannelore Kraft abperlen mit dem Satz „Das ist nicht mit einem Federstrich zu machen“.  Liebe BamS-Kollegen: Warum habt Ihr Eure Gesprächspartnerin nicht gebeten „Frau Kraft, sagen Sie uns ‚Rot-Rot-Grün wird es mit mir nicht geben‘? – Damit hätte Euer Interview nachhaltig – über den 9. Mai hinaus – Euren Lesern Orientierungshilfe gegeben. So waren sie hinterher nicht schlauer als vorher. Und das hat wohl kaum mit Tendenzschutz zu tun, da ließ man sich wohl eher im geübten Politiker-Deutsch abspeisen…

Handwerkliche Schnitzer haben sich unlängst vermehrt auch Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU)%2

» drucken           » kommentieren          » verschicken


2 Antworten bis jetzt ↓