Wenn eidgenössische Bonbon-Macher – in Urheberrechtsfragen etwa – zornig werden, dann schütteln sie ihr Gegenüber und fragen aufgebracht: „Wer hat’s erfunden?“ Spielt der Fernseh-Spot, den der eine oder andere von uns schon mal gesehen hat, in der Sauna, reißen Sie dem Angegriffenen auch noch das Handtuch weg. So bloß gestellt wollen wir uns Sigmar Gabriel gar nicht vorstellen – aber warum fällt mir das jetzt überhaupt ein?
„Gabriel bringt ‚Ampel‘ für NRW ins Spiel“ meldete die Westfälische Rundschau Anfang der Woche, die Westfalenpost hatte beobachtet „Gabriel fasst Ampelkoalition für NRW ins Auge“, auch ddp hielt mit: „Gabriel offen für Ampel in NRW“. Zwar hatte Gabriels NRW-Parteichefin Hannelore Kraft noch Tags zuvor in Die Welt vor dem „Gequatsche über Koalitionen“ gewarnt, aber unabhängig davon müssen wir – glaube ich – doch etwas richtig stellen: Es war der „Wir-in-NRW-Blog“, der Richtung Ende vergangener Woche in einer Analyse der aktuellen Umfragewerte die Option eines Rot-Gelb-Grünen-Bündnisses nach der Landtagswahl ins Gespräch gebracht hat. Hat Gabriel etwa Blog gelesen?
Unter dem Eindruck der Pattsituation zwischen den vermeintlichen Lagern einer bis zum 9. Mai regierenden CDU-FDP-Koalition und der Rot-Grünen Opposition im Düsseldorfer Landtag, danken wir der Westdeutschen Allgemeine Zeitung, die unsere Augen noch einmal auf ganz andere Wege richtet, wie NRW doch noch an „Satte Mehrheiten“ kommt: So würde es die Sigmar Gabriel zugesprochene „Ampel-Idee“ aktuell zwar auf 53 Prozent der Stimmen bringen, doch eine Große Koalition käme gar auf 72 Prozent, ein Jamaika-Bündnis auf satte 57 und eine Schwarz-Grüne Regierungsmannschaft hätte immerhin noch 50 Prozent der Wähler hinter sich. Gleichwohl sei das alles, so der abschließende Hinweis des WAZ-Kollegen, indes doch nicht mehr, „als Additionsübungen, die selbst Grundschüler nicht überfordern dürften“.
Wie wahr! – Und deshalb lassen wir das jetzt. Abgesehen von Zahlen, Umfragewerten und Prozentpunkten hat ja nahezu jedes Tun und Lassen unserer Politstrategen zwischen Hoffen & Bangen das Potenzial für Interpretationen und dafür, Signale auszusenden. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang erscheint mir ein Hinweis des Kölner Stadtanzeigers. Der in der Beobachtung von Zersetzungserscheinungen – wie sie in Endphasen von Legislaturperioden auch unter früheren NRW-Landesregierungen völlig normal waren – erfahrene Kollege richtet unser Augenmerk dankenswerter Weise auf Verhaltensmuster in Jürgen Rüttgers‘ Staatskanzlei, die mit „Aktion Abendsonne“ doch treffend beschrieben sind. Welches Signal soll uns der Wechsel nicht weniger Mitarbeiter im CDU-geführten Regierungsapparat aus befristeten Verträgen in ein unkündbares Beamtenverhältnis wohl senden? –
Dass sich manchmal erst aus der Ferne womöglich richtungsweisende Blickwinkel einnehmen lassen, zeigt uns dieser Tage übrigens die Bayerische Rundschau. „Wird NRW zum Polit-Labor“ fragen die Kollegen mit Blick auf Schwarz-Grüne-Blaupausenaufgaben in Düsseldorf – und erinnern daran, dass schon „Sozial-Liberal und Rot-Grün“ erst „in NRW ausprobiert wurden, ehe es im Bund soweit war“.
Wie sagte Hannelore Kraft doch gleich? „Alles Gequatsche!“










9 Antworten bis jetzt ↓
1 David // Apr 15, 2010 at 13:39
In der Tat ist es Gequatsche, der Dicke sollte sich mal lieber raushalten. Der hat doch nur Schiss, das die Hannelore sich doch noch mit den Roten zusammentut. Sie sollte sich schonmal mit dem Gedanken anfreunden, dass diesmal die Linke reinkommt, und wahrschienlich mehr Stimmen als die FDP bekommt. Kann man auch gut hier erkennen: http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/nrw.htm
2 Das wache Auge // Apr 15, 2010 at 14:13
langweiliger blogg
3 die wilde dreizehn // Apr 15, 2010 at 15:08
Die Linke kommt nur rein wenn rechte Vögel nicht aufhören die rote Gefahr an die Wand zu malen! Ausser Rüttgers hat niemand Interesse daran, die Genossen aus Absurdistan im Landtag wieder zu finden. Nur seinen Optionen spielt ein 5 parteien Parlament in die Hände. Forsa hat Die Linke bei 5 %, die CDU Wahlspots werden es aber bestimmt noch richten. Die Ampel ist darum die richtige Alternative, wenn es denn so kommt. Rüttgers spielt ja das Spiel, wer nicht für mich ist gegen mich – die Einsamkeit sollte ihm nicht erspart bleiben.
4 dr.friedrich schreyer // Apr 15, 2010 at 16:05
Nein, Gabriel will allen noch einmal vor Augen führen, dass FDP mit SPD nicht koalieren will. Will noch mal ein paar Sprüche dazu aus dem FDP-Lager, damit etwaig unsichere Menschen das noch einmal begreifen. Rüttgers abwählen heißt: weder FDP noch CDU wählen! Oder??
Ich mache mir Sorgen um Karl Korte, der arme!!
5 Volkmar // Apr 15, 2010 at 18:10
Die SPD will die Wahl wohl nicht gewinnen ???
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http://www.derwesten.de/wp/region/Deutsch-Tuerkin-soll-Laschet-aus-dem-Amt-draengen-id2858780.html
Deutsch-Türkin soll Laschet aus dem Amt drängen
SPD-Landeschefin Hannelore Kraft hat die Deutsch-Türkin Zülfiye Kaykin als Integrationsexpertin für ihr Schattenkabinett aufgestellt. Als Gegenspielerin von Minister Armin Laschet (CDU) will sich die 41-jährige Duisburgerin für mehr Chancengleichheit der Migranten in NRW einsetzen.
Kaykin ist Geschäftsführerin der DITIB Bildungsstätte in der Duisburger Merkez Moschee.
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Zur Erinnerung:
http://www.derwesten.de/nachrichten/im-westen/Liberale-und-Konservative-streiten-um-Merkez-Moschee-id2532021.html
Der staatlich-türkische Religionsverein Ditib strebt nach Einfluss in der Duisburger Großmoschee. Sie will sich die mit EU-Geldern finanzierte, unabhängige Begegnungsstätte einverleiben – den Garanten für Offenheit und Transparenz.
Denn die Einverleibung in den Ditib-Verband würde bedeuten, dass die Begegnungsstätte vom staatlichen Präsidium für religiöse Angelegenheiten in Ankara gelenkt werden könnte, das direkt dem türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan untersteht. Für die Beiratsmitglieder bedeutet das den Verlust der Unabhängigkeit einer Einrichtung, deren Bau mit insgesamt 3,2 Millionen Euro von der Europäischen Union und vom NRW-Bauministerium gefördert wurde.
6 WerHatNochNichtWerWillNochmal // Apr 15, 2010 at 19:00
Stimmt, Ihr wart das, die zuerst was von Ampel erzählt haben. Wie kann man nur! Und dann den Pinkwart so über den Klee loben. Der sei ja ein vernünftiger Mann.
Das einzige, was diesen Politiker profiliert, ist sein übermotivierter Einsatz für ein Stipendien-System, das die potentiellen Empfänger gar nicht wollen und zwar zu Recht nicht:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,688665,00.html
Alle Experten, die man fragt, halten Herrn Pinkwarts und Frau Schavans Stipendiensystem für Unsinn. Aber die FDP und besonders Herr Pinkwart setzen das durch! Herr Pinkwart ist ja ein sooo besonnener und vernünftiger Politiker.
Hat der Euch mal warm die Hand geschüttelt oder wie kommt ein Journalist zu so einer Einschätzung. Euer Sympathie-Artikel für Herrn Pinkwart war jetzt nicht gerade eine Sternstunde diese Blogs, dessen Konzept und Inhalt ich aber ansonsten ganz toll finde!
7 zoom » Umleitung: Dauerwerbesendung DerWesten, Linke mit Schlüsselrolle, Sigmar Gabriel und dann noch etwas über die Bertelsmänner « // Apr 15, 2010 at 19:49
[...] Medien und Sigmar Gabriel: Wenn eidgenössische Bonbon-Macher – in Urheberrechtsfragen etwa – zornig werden, dann schütteln sie ihr Gegenüber und fragen aufgebracht: „Wer hat’s erfunden?“ Spielt der Fernseh-Spot, den der eine oder andere von uns schon mal gesehen hat, in der Sauna, reißen Sie dem Angegriffenen auch noch das Handtuch weg. So bloß gestellt wollen wir uns Sigmar Gabriel gar nicht vorstellen – aber warum fällt mir das jetzt überhaupt ein? … WirInNRW [...]
8 Tweets die Blattkritik: “Wer hat´s erfunden?” erwähnt -- Topsy.com // Apr 15, 2010 at 21:18
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Wir in NRW Blog, Aus dem Rat, NRW Newsdesk, Landtagswahl NRW, Weserstadt Minden und anderen erwähnt. Weserstadt Minden sagte: Blattkritik: “Wer hat´s erfunden?”: Wenn eidgenössische Bonbon-Macher – in Urheberrechtsfragen… http://bit.ly/akkZ7k #NRW #WirInNRW #Blog [...]
9 Karl Klartext // Apr 15, 2010 at 22:27
“Wer hat’s erfunden?” fragte der Selbstmordattentäter, zündete den Sprengstoffgürtel und glaubte an Jungfrauen als Himmelslohn…
Der Mann war geradezu Realist im Verhältnis zu denen, die an ein Überleben der SPD und der Grünen in einer Ampel glauben. Das wäre ein Wiederbelebungsprogramm erster Güte für eine gerade erhebliche Bindungskraft verlierende CDU. Und die FDP? Die freut sich ein Loch in den Steuerbauch über die Debatte mit der sie durch solche Debatten öffentlich resozialisiert wird, sie wird sich kurz vor der Wahl wieder gegen das Koalitions-Stalking wehren und der CDU zwecks Zweitstimmenwerbung ewige Treue schwören. Toll, ihr Selbstmordattentäter.
Übrigens: Wenn an einer Ampel drei Lichter gleichzeitig brennen, gibt’s schwere Unfälle!
Aber macht ruhig weiter so – ihr bekommt die Grünen schon noch zur CDU gequatscht. Möglicherweise wollt ihr das ja auch… dann stimmt wenigstens das Feindbild wieder, denn die Gaga-FDP ist es ja hier anscheinend nicht!
Oh Herr, lass Hirn regnen vom Himmel!
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