Die neue Nummer eins der CDU hat es nicht leicht. Eine schwere Bürde lastet auf Andreas Krautscheid. Mit neunundneunzigkomaX Prozent wählte der Münsteraner Parteitag vor wenigen Wochen den neuen Generalsekretär in der Hoffnung, dass die in die Defensive geratene Regierungspartei nun neuen Schwung erhält. Er sei „der Beste“ hatte der Parteivorsitzende Jürgen Rüttgers den 180 000 Mitgliedern an Rhein und Ruhr versprochen. Und stellte ihm zur Sicherheit noch seinen „Vertrautesten“ an die Seite: Boris Berger musste aus der Staatskanzlei in die Parteizentrale wechseln. Der Wahlkampf sollte neue Ideen bekommen, positive Nachrichten sollten nach dem Chaosregiment des skandalproduzierenden Krautscheid-Vorgängers Hendrik Wüst das Image der CDU verbessern. Doch die Hoffnung trügt. Krautscheids erste große Bewährungsprobe, der CDU-Wahlkampfauftakt am kommenden Samstag in der Oberhausener Arena, gerät zum Desaster. Die Partei will ihren Ministerpräsidenten nicht sehen, lässt ihn im Stich.
Die CDU hat ein massives Mobilisierungsproblem in den eigenen Reihen. Liegt es am letzten Ferienwochenende, dass die Christdemokraten nicht nach Oberhausen pilgern wollen? Oder an der Stimmung in den eigenen Reihen? Haben die Abzocker-Affären um Wüst und Landtagspräsidentin Regina van Dinther innerhalb der Partei ihre Spuren hinterlassen?
Krautscheid gelingt es jedenfalls nicht, die Partei zu mobilisieren. In permanenten Sitzungen mit Funktionären aus den Bezirken und Kreisverbänden sucht man in der Düsseldorfer Wasserstraße nach Strategien – und ist dennoch ratlos. Am Freitag vor Ostern lagen für den Wahlkampfauftakt nur 2000 Anmeldungen vor. Mitte dieser Woche rechnete man nur mit einer halbvollen Arena – also höchstens 5000 Rüttgers-Jublern. Vor fünf Jahren überraschte der damalige Herausforderer mit einer „ausverkauften“ Halle und 10 000 begeisterten Christdemokraten. Eine Aufbruchstimmung, die die CDU-Wahlkämpfer mit ins Land nahmen und für den grandiosen Wahlerfolg des Jürgen Rüttgers über die 39 Jahre regierende und ausgezerrte SPD sorgten.
Nun müssen Krautscheids Parteiarbeiter kräftig ackern, um die von den Kreisverbänden bereitgestellten Busse nach Oberhausen voll zu bekommen. Mit einer Muster-Pressemitteilung, die CDU-Sprecher Matthias Heidmeier an die Parteigliederungen verschickte, lädt die CDU auch „alle Bürgerinnen und Bürger“ über die Lokalpresse erstmals zum kostenlosen Trip nach Oberhausen ein. Eine einmalige Maßnahme, die die große Angst vor einer halbleeren Halle zeigt. Nun soll Barde Roger Cicero, der seine Liedchen trällert, bevor der CDU-Chef an der Seite von CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen das Wort ans Parteivolk richtet, für Massen auf den Rängen sorgen. Die NRW-CDU hat die Cicero-Fanclubs angeschrieben, die Fans könnten ihren Liebling in Oberhausen kostenlos auf der Bühne in Oberhausen bewundern. Ob´s hilft?
Auch draußen im Land ist Jürgen Rüttgers nicht in allen seinen Kreisverbänden willkommen, die er auf seiner Wahlkampftour besuchen will. Der Kreisverband Kleve von Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und Finanzminister Helmut Linssen verzichtet auf den Besuch des Ministerpräsidenten. Am Niederrhein wollte der CDU-Chef am 30. April um 17 Uhr eine Veranstaltung durchführen, doch die selbstbewussten Klever hatten zuvor schon Bundesfamilienministerin Kristina Schröder für den gleichen Tag um 19 Uhr gebucht. Kristina Wer statt Jürgen Rüttgers? Ist auch eine Wahl.
Auf die Unterstützung ihres Ministerpräsidenten will Regina van Dinther vor Ort freilich nicht verzichten. Die skandalumwitterte Landtagspräsidentin zeigt sich am 16. April im Hattinger Feuerwehrmuseum an der Seite des Wahlkämpfers Nummer 1 ihrem Volk. Das ist dann wohl der erste und einzige gemeinsame Auftritt der beiden CDU-Spitzenleute seit Bekanntwerden der Affäre um nicht gezahlte CDU-Mitgliedsbeiträge von van Dinther. Rüttgers hatte zuletzt bewusst den Kontakt zur Präsidentin gemieden, die nach der Wahl wohl so oder so nicht in ihr Amt zurückkehren wird.
Die Zweifel, ob man es wieder in die Regierung schafft, werden auch in den Ministerien immer größer. Das zeigt eine jetzt einsetzende Versorgungsaktion für verdiente Partei- und Regierungsmitarbeiter. Schnell werden befristete Arbeitsverträge verlängert oder Mitarbeiter – wie im Ministerium von Armin Laschet – sogar verbeamtet. Das ist allerdings nichts Neues. Die zuvor regierenden Sozialdemokraten waren Spezialisten in Sachen Aktion Abendsonne.











23 Antworten bis jetzt ↓
1 Tweets die CDU kann ihre Mitglieder nicht mobilisieren – nur wenige wollen zum Wahlkampftauftakt erwähnt -- Topsy.com // Apr 8, 2010 at 07:33
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Wir in NRW Blog und NRW Newsdesk, Aus dem Rat erwähnt. Aus dem Rat sagte: #ltw CDU kann ihre Mitglieder nicht mobilisieren nur wenige wollen zum Wahlkampftauftakt http://ow.ly/170Kyk [...]
2 Dominik // Apr 8, 2010 at 08:37
Ist ja nett.
Das will ich sehen: Eine halb volle Arena. Herrlich.
Und das bei den christlichen Spinnern.
Bei der SPD wirds in Düsseldorf sicherlich voll.
3 emden09 // Apr 8, 2010 at 10:39
“die von den Kreisverbänden bereitgestellten Busse nach Oberhausen voll zu bekommen”
Kaffeefahrt zum Mietnisterpräsidenten – herrlich.
Wenn ihm schon keiner 6.000 Euro gibt, um sich hernach (zur Strafe auch) noch von Rütti vollabern zu lassen, dann kaufen ihm die senilen CDU-Rentner vielleicht wenigstens ein paar Heizdecken ab….
4 Walter // Apr 8, 2010 at 11:04
Großes Kino Dominik.
Na in der Keimzelle der Sozialdemokratie ist ja auch nichts mehr los, da geht man dann nach Düsseldorf…
5 David // Apr 8, 2010 at 11:40
Ach, aber die SPD mobilisiert ihre Wähler wie verrückt, oder wie? Die Lämmer werden so oder so zur Schlachtbank getragen. Ob die Schlachtbank nun rot oder schwarz aussieht, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Als ob die SPD ernsthaft daran interessiert wäre sich den etablierten NRW Eliten in den Weg zu stellen ist lächerlich, da die SPD selber Teil des Problems ist, und dieses noch weiter ausbauen wird. Wieviel bezahlt die SPD eigentlich für diesen lustigen Blog im Monat?
6 Hagen Kruska // Apr 8, 2010 at 12:21
Ich denke nicht, dass es nur ein Problem der CDU ist. Der amerikanische Wahlkampfstil hat sich in Deutschland noch nicht etabliert. Mir scheint es deshalb recht mutig derartige Wahlkampfauftaktveranstaltungen in Hallen wie der Arena in Oberhausen oder auch in der Düsseldorfer Philippshalle (NRW SPD) zu veranstalten. Allerdings finde ich, dass 5000 Teilnehmer (wie vom Autor mal wieder ohne jede Quellenangabe behauptet) auch schon eine Hausnummer ist, mit der die CDU zufrieden sein kann. Schauen wir mal wie viele es wirklich werden und die SPD wird die Philippshalle bestimmt nicht füllen, wer möchte denn auch schon diesen sozialdemokratischen Volkssturm betrachten?
7 Andreas Helsper » Blog Archive » Können und nicht können // Apr 8, 2010 at 16:36
[...] Wahlkampf alt aussieht. Nicht anders ist der neue Wahlkampfsong zu verstehen. Verbunden mit der Forderung, auch Volksmusik in Schulen unterrichten zu lassen, macht die die CDU nicht den Eindruck, dass sie [...]
8 Kaspar Hauser // Apr 8, 2010 at 16:40
Ob die CDU oder SPD ihre Hallen gefüllt kriegt ist schon ein Stimmungsbarometer fürs wahlkämpfende Parteivolk. Ein Aufruf an alle R.Cicero Fanclubs spricht für echte Not, normalerweise hilft ja die Seniorenunion bei solchen Gelegenheiten, nur hat Rüttgers den NRW Chef derart brüskiert, dass wohl von der Seite keine Hilfe mehr zu erwarten ist.
9 David Schraven // Apr 8, 2010 at 22:18
Schöner Text, der den Nerv trifft.
10 NRW: Wahlkampflieder für SPD und Grüne… sowie die CDU » Pottblog // Apr 8, 2010 at 23:51
[...] Lied namens Frauen regier’n die Welt hören will, sei mal dahingestellt. Aber wenn man Wir in NRW glauben darf, dann kommen sowieso viel weniger als erwartet zum CDU-Wahlkampfauftakt, so dass [...]
11 Hagen Kruska // Apr 9, 2010 at 06:46
“nur hat Rüttgers den NRW Chef derart brüskiert, dass wohl von der Seite keine Hilfe mehr zu erwarten ist” , schon wieder eine dieser Behauptungen, die sich nirgendswo durch Quellenangaben belegen lassen.
12 Der Ruhrpilot | Ruhrbarone // Apr 9, 2010 at 07:37
[...] NRW IV: Schwieriger Auftakt. CDU sucht Wahlkämpfer…Wir in NRW Blog [...]
13 subjektiv objektiv » LSD in hessischem Trinkwasser? // Apr 9, 2010 at 18:12
[...] Das das unbedingt notwendig ist, sieht man unter anderem daran, dass die hiesige CDU enorme Mobilisierungsprobleme hat. Und so, wie sie dasteht, ist sie natürlich das Opfer von Satire, Hohn und Spott aller [...]
14 Die heiße Phase beginnt! « Maik Babenhauserheide // Apr 9, 2010 at 19:48
[...] CDU in Oberhausen eine Obama-Show für Arme plant, für die sie aber leider noch nicht genügend Zuschauer zusammengekratzt bekommt, veranstalten die Grünen ein entspanntes Frühstück mit den WahlkampfhelferInnen in [...]
15 Klarseher // Apr 10, 2010 at 11:18
Der Verfasser des Artikels ist entweder blind oder ein linker Ideologe. Die Arena ist voll. Es gibt keine freien Plätze. Ihr linken Looser habt’s nicht drauf!!!
16 Theobald Tiger // Apr 10, 2010 at 13:14
@Klarseher! Weder blind noch linker Ideologe – nur genauer Beobachter. Wer so argumentiert und an den Realitäten vorbeisieht, sich im Vokabular zu wüsten Beschimpfungen hinreißen lässt, kann nicht klar sehen. Der sieht wohl eher schwarz und steht mit dem Rücken zur Wand.
17 kaspar hauser // Apr 10, 2010 at 19:28
@hagen kruska
na dann lies mal:
http://nachrichten.rp-online.de/article/politik/Senioren-Union-Chef-soll-gehen/11265
18 kaspar hauser // Apr 10, 2010 at 19:38
Und dieser Artikel ist auch ganz aufschlussreich:
http://www.welt.de/wams_print/article2502968/Ruettgers-Kandidat-gescheitert.html
19 Dominik // Apr 10, 2010 at 19:54
Na?
Ich hatte doch wohl recht. Unsere Halle war voll (SPD).
Die CDU musste die Bühne nach vorne ziehen, weil die Halle nur halb voll war
20 Hans Meister // Apr 10, 2010 at 20:16
@Dominik
CDU 6000 Teilnehmer
SPD 3000 Teilnehmer
Mit einer kleinen Halle kann man sich natürlich auch stark reden. Aber ich wette Kaspar Hauser wird auch hier die SPD schön reden.
21 rebe21 // Apr 11, 2010 at 00:04
@Hans Meister
CDU: Quelle Krautscheid!
SPD: Quelle RP
“Oh die Wahrheit schmerzt
Und Lügen verschlimmern.”
(Nelly Furtado)
Sorry hab aber kein passendes Volkslied auf die schnelle gefunden. Aber vielleicht klappt die Kommunikation ja auch so.
22 Hans Meister // Apr 11, 2010 at 19:59
@rebe21
die SPD spricht auf ihrer Internetseite von 4000 Teilnehmern ( also mit Übertreibung waren es bestenfalls 3500 ). ALLE journalistische Quellen sprechen bei der CDU von etwa 6000 Teilnehmern. Es ist deshalb schon merkwürdig, wenn man von Lüge spricht, nur weil es nicht ins linke Weltbild passt.
Ist es denn wirklich so schlimm, wenn die CDU besser mobilisiert hat als die SPD ??
23 NRW-Bürger // Apr 13, 2010 at 09:59
Wie schon gesagt , der Anziehungspunkt war
natürlich Frau Kraft. Die 2.500 Leute mehr in
Oberhausen bei der CDU, geschenkt. Diese selbstbewusste Frau , den geschönten Lebenslauf
sehen wir ihr nach. 13 Worte waren es und es muss ja auch nicht jeder wissen, dass sie 12 Jahre
bei der ZENIT war. Ja bei dieser Zenit mit dem
grössten Förderskandal in NRW. Millionen im
höchsten 2-stelligen Bereich wurden versenkt.
Als mitzuständige Wissenschaftsministerin macht sich das überhaupt nicht gut im Wahlkampf. Dann noch dieser Knaller, die Vorstellung des 1.Schattenministers. Bundestagswahlkampf kann er zwar nicht aber Minister? Gegen solch
geballte Kompetenz ist es sehr, sehr schwer
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