In Amerika sei er gewesen, raunte man sich in den 80er Jahren zu. Er habe dort Wahlkampf gelernt. Er, der Unheimliche von der SPD, der damals von der Gewerkschaft kam, von der aufrührerischen GEW. Er sei nur gelernter Fernmeldetechniker, kokettierte der immer gewichtiger werdende Mann mit den feinen Ess- und Trinkgewohnheiten. Irgendwie war er schon damals mysteriös. Mysteriös wie heute. Doch er war auch erfolgreich. Jener Bodo Hombach behauptete fortan, er habe nach seinen US-Studien für drei absolute Mehrheiten des legendären Johannes Rau bei Landtagswahlen gesorgt. So, als sei dieser eine 10-Kilo-Box Persil, hat er ihn durch Land getrieben und auf Plakatwänden präsentiert. Hombach verkaufte Rau frisch verheiratet, mit Erstgeborenen im Arm, dann mit dem nächsten Kind auf den Schultern und die Frau umschlungen. Die Wahlen wurden gewonnen. Hombach siegte. Und Rau sagte: „Aber ich habe kandidiert.“ Das Duo zerbrach, der Diener fühlte sich mächtiger als der Herr. Sie gingen getrennte Wege.
20 Jahre liegt die letzte Erfolgsmeldung für die SPD unter dem von Hombach erfundenem Siegel „Wir in NRW“ zurück. Dann kümmerte er sich um die eigene Karriere, wurde Manager im Industriekonzern und nannte sich – wieder kokett – Stahlhändler. Die SPD verlor 1995 – und Johannes Rau jammerte. Er zerbrach an den Grünen und schaffte dennoch den Absprung ins Präsidentenamt. Weil Hombach zuvor wieder einmal geholfen hatte. Jenem Gerd Schröder - ins Kanzleramt. Mit den gleichen Rezepten wie zuvor Rau, mit der gleichen plumpen, aber eingängigen Waschmittelwerbung.
Nun versucht er sich wieder. 2010. Der Wahlkampf der CDU trägt die gleiche Handschrift wie einst die der SPD. Die gleichen Lettern, die gleichen Symbole. Auch der gleiche Strippenzieher im Hintergrund? Rüttgers wie Rau, Rüttgers ist Rau – das sind Erfindungen eines Mannes, der seine Nähe zum Amtierenden schon länger nicht mehr verstecken will. Hombach ist wieder da. Als Geschäftsführer der CDU-Wahlkampfpostille WAZ. Und als Berater. „Wir in Nordrhein-Westfalen“ hat die CDU über ihre Rüttgers-Plakate im ganzen Land gepinselt. Wem das wohl eingefallen ist? Wahlkampfauftakt in Oberhausen – Rüttgers kommt mit Frau Angelika auf die Bühne. Kinder haben sie schon, drei an der Zahl. Da war Jürgen R., der treusorgende Familienvater, morgens eben mal Brötchen holen. Die Handschrift kennen wir. Nun wird auch noch ein ehemaliger Wahlkampf-Fernsehspot aus der Rau-Ära neu aufgelegt. Rüttgers als Rau, oder ist es umgekehrt? Egal, die WAZ wusste es natürlich wieder exklusiv. Auch die Reden von Rüttgers sind neu, seit zwei, drei Jahren verändert in der Architektur. Kurze Sätze, prägnant. Der Betreute, Beratene, muss sie meistens vorlesen. Die Sprache ist ihm fremd. Aber sie hat sich bewährt.
Rüttgers wie Rau, wie Rau, wie Rau! 20 Jahre später. Ob die gleichen Rezepte noch taugen? Ob es reicht, einen Mann wie ein Waschmittel-Testimonial auf die Wahlkampfbühne zu schieben? 2010 ist nicht 1990. Es werden andere Antworten in einer anderen Zeit verlangt. Dass müsste Hombach doch wissen, der sich als Medien-Manager auf schwierigem Terrain bewegt. Oder ist er dort stehen geblieben, wo er sich einst verabschiedet hat? Man möchte es fast glauben. In der SPD ist er nämlich immer noch.
Und „Wir sind NRW“! „Wir-in-NRW“!










17 Antworten bis jetzt ↓
1 Tweets die Hombach für Rau für Rüttgers für Persil erwähnt -- Topsy.com // Apr 13, 2010 at 08:50
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von NRW Newsdesk erwähnt. NRW Newsdesk sagte: Hombach für Rau für Rüttgers für Persil: Wir in Nordrhein-Westfalen: Rüttgers und Hombach. Foto: Staatskanzlei NRW… http://bit.ly/90W8qX [...]
2 Dominik // Apr 13, 2010 at 10:13
Pervers und einfallslos.
Ist die CDU so verkommen, dass sie jetzt alles dem Rau-Wahlkampf und der Rau-Inszenierung nachmacht?
3 Paul Binder // Apr 13, 2010 at 12:09
Sehr geehrter Autor,
es ist schon interessant, wie Sie eine beratende Nähe Bodo Hombachs zu Ministerpräsident Jürgen Rüttgers herzustellen versuchen. Interessant deshalb, weil ihm andere genau das Gegenteil vorwerfen: die Nähe zur SPD. Kaum gibt Bodo Hombach der “Frankfurter Rundschau” ein Interview und verheimlicht nicht, dass eben noch SPD-Chef Sigmar Gabriel zum Überraschungsbesuch vorbeigekommen war, gibt es entsprechende Protestbriefe, die wir natürlich beantworten. So, wie ich nun Ihnen schreibe.
Müssen sich die Kritiker nicht langsam entscheiden, in welche parteipolitische Richtung ihre Kritiken gehen sollen?
Ein guter Hinweis dazu findet sich übrigens im Kopf einer jeden WAZ-Ausgabe. Da steht “Unabhängig – Überparteilich”. Daran hält sich dieses Haus auch, so einfach ist das.
Und bedenken Sie, sehr geehrter Autor, bitte noch eines: Dieses Blog verdankt doch Bodo Hombachs Wortschöpfung seinen Namen! Darauf hat schon, ganz zurecht, der “Spiegel” 11/2010 hingewiesen.
Mit freundlichen Grüßen
Paul Binder
Unternehmenssprecher WAZ Mediengruppe
4 Chat Atkins // Apr 13, 2010 at 12:35
@ Paul Binder: Warum diese abgehoben stellvertretende Verkündigung aus dem Ungefähr der Direktionsetagen? Warum stürzt sich der Bodo Hombach nicht selbst ins Getümmel und gibt seinen Senf dazu? Das Netz ist – anders als die gedruckte WAZ und andere Holzmedien – eine dialogische Veranstaltung; derartige Artikel würden durch direkte Diskussion erst rund …
5 Hannes // Apr 13, 2010 at 16:39
@Thomas Brackheim:
mir sind in dem Artikel zu viele nicht mit harten Fakten belegte Mutmaßungen. Dadurch fehlt der Polemik leider ein wenig Substanz. Gibt es einen Beleg dafür, das Hombach am Wahlkampf von Rüttgers beteiligt ist? Der Begriff “CDU-Wahlkampfpostille WAZ” ist mir zu unvermittelt. Ein paar interessante Belege würde ich mir wünschen.
@Chat Atkins:
Aus welchem Grund sollte sich Bodo Hombach hier ins Getümmel stürzen?
6 Simon // Apr 13, 2010 at 17:36
Also ich bin bestimmt kein Freund von Rüttgers. Als WAZ leser kann ich da eigentlich keine nähe sehen.
7 HolleSonnenberg // Apr 13, 2010 at 20:59
Sehr geehrter Herr Binder, ich habe mir heute nach dem lesen ihres Kommentars eine ganze Weile Gedanken darüber gemacht wie ich ihnen in dem begrenzten Rahmen meines Kommentares erklären kann das alle (zumindestens aber jeder Essener der in den letzten 30 Jahre zufällig einen klaren Blick auf die Medienlandschaft des Ruhrgebiets geworfen hat) wissen das die WAZ nie unparteiisch war. Mein Resume ist: Gar nicht. Dann habe ich darüber nachgedacht ob ich ihnen ein Angebot unterbreiten soll Sie diesbezüglich klüger zu machen, es gäbe da schon eine Menge Möglichkeiten. Aber ich habe einfach keine Lust. Eines aber gäbe es da meiner Meinung noch, die WAZ war, wie jeder hier weiß, bis vor ein paar Jahren noch ein SPD Blatt. Vor einigen Jahren, es muss um die Zeit gewesen sein in der die CDU wieder die Mehrheit im Rat hatte, änderte sich dies und die WAZ wurde sehr CDU freundlich (ich kann den Zeitpunkt nur ungefähr bestimmen da ich mich wenn möglich nicht mit so einen Unfung belaste). Ich finde beides nicht sehr professionell. Das sehe zum Glück nicht nur ich so. Das könnte ja auch ein Grund sein warum sich kaum noch jemand dafür begeistern kann ihre Zeitung zu lesen, oder nicht? Den Witz mit der vierten Macht im Staat kommt in jedem Fall in meine All Time Favourite Liste. Jetzt höre ich aber mal auf, denn anders als Sie Herr Binder kommentiere ich hier rein privat und nicht während meiner Arbeitszeit
8 zoom » Umleitung: « // Apr 13, 2010 at 21:49
[...] NRW Wahl: Rau, Rüttgers und Persil? … WirInNRW [...]
9 die wilde dreizehn // Apr 13, 2010 at 22:05
also Herrschaften, was ist das denn für eine Diskussion? Bodo Hombach erzählt doch jedem der es hören will, dass er total überkreuz mit der NRW SPD ist, weil die ihm die Villa Affäre eingebrockt haben soll. Seine Rache ist die Unterstützung für Rüttgers. Der Wechsel der WAZ ins Unionslager ist präzise auf den Start von Uli Reitz als Chefredakteur zu terminieren. Seine Stationen: gelb-schwarzer Focus, dann schwarz nationale Rheinischen Post. Der Mann hat Sendungsbewußtsein und das schöne Druckmittel, dass ja so viele Redakteursstellen abgebaut werden müssen, dass sich doch jeder dreimal überlegt, ob man nicht den sehr deutlich formulierten Direktiven des Chefredakteur lieber folgt statt auf die schwarze Liste zu geraten.
Nächstes Beispiel: Man schaue sich an, welche landespolitischen Artikel im Online Angebot der Westen zu finden sind. Schwarzfingerkorrespondent Winfried Goebels kommt gefühlt auf eine 100% Quote, andere werden selektiert.
Nee nee, eins ist mal sicher : Die Waz ist zahlendes Mitglied im Rüttgers Club
10 Chat Atkins // Apr 13, 2010 at 23:14
@ Hannes: Nun, weil der Herr Hombach – man soll ja niemanden unterschätzen – vielleicht intelligent genug ist, zu erkennen, wie Medien in Zukunft funktionieren und aussehen werden. Und dass man zukünftig als Person Hombach seinen Rüssel hinhalten muss, und nicht als Marke WAZ. Da wäre dies hier für ihn doch ein gutes Trainingscamp …
11 Wähler // Apr 14, 2010 at 00:05
Uihh “Als Geschäftsführer der CDU-Wahlkampfpostille WAZ. ”
Das sollte man sich mal erlauben als Kommentar im “DerWesten” zu posten!
was meinen sie @Paul Binder wie schnell das entfernt wird? “Unabhängig – Überparteilich” vllt, aber so sehr verkrampft, das es schon negativ auffällt.
Das geflügelte Wort heißt über den Medienkonzern nicht umsonst:
DerWesten Löscht und Zensiert am Besten!
Gruss
12 proundcontra // Apr 14, 2010 at 05:21
@Paul Binder
Na hoffentlich haben sie ihren Eintrag mit dem Big Boss angestimmt, das könnte sonst Ärger geben. Dünnhäutigkeit paart sich ja im großen Mülheimer mit einer Selbstüberschätzung grandiosen Ausmaßes. Da kann man nur Toi,toi,toi wünschen
13 Links anne Ruhr/Links zur Wahl (14.04.2010) » Pottblog // Apr 14, 2010 at 06:48
[...] Hombach für Rau für Rüttgers für Persil (Wir in NRW) – Ein spekulativer(?) Artikel auf den Paul Binder, der Sprecher der WAZ-Mediengruppe, via Kommentar reagierte. [...]
14 Carlos // Apr 15, 2010 at 10:09
Sehr geehrter Herr Paul Binder,
Ist es Möglich, das dem Herrn Hombach Nähe zur SPD unterstellt wird, weil er Mitglied der SPD ist?
Und insofern ist die “dicke Freundschaft” mit unserem Mietpräsidenten zumindest pikant.
Die auffällige Übereinstimmung mit damaligen SPD- Wahlkämpfen kann man natürlich auch für jeden nachvollziehbar mit dem Wetter erklären.
Das Sie an dieser Stelle glauben, Sie schreiben auf einen Protestbrief, das passt genau zu dem Intellekt, das ich Ihnen zutraue.
Zitat:
“Müssen sich die Kritiker nicht langsam entscheiden, in welche parteipolitische Richtung ihre Kritiken gehen sollen?”
Ist das nicht eher abhängig davon, aus welcher parteipolitischen Richtung die Kritik kommt?
Es wird Sie überraschen, aber in Deutschland leben über 80 Millionen Menschen. Und NOCH(!) sind wir nicht verpflichtet, alle dieselbe Meinung zu haben, denn dann würden wir vermutlich alle bei der WAZ arbeiten wollen!
Zitat:
Ein guter Hinweis dazu findet sich übrigens im Kopf einer jeden WAZ-Ausgabe. Da steht “Unabhängig – Überparteilich”. Daran hält sich dieses Haus auch, so einfach ist das.
Da darf ich Sie gleich der Lüge überführen.
Wenn ein Unternehmen Gewinnorientiert handelt, dann ist es ABHÄNGIG von einem angemessenen Umsatz, mit dem die Kosten getragen und ein Gewinn erwirtschaftet werden kann!
“Überparteilich” kann auch heißen:
Es ist egal welche Partei an der Macht ist, ich singe deren Loblied und darum geht es mir gut.
Ob Rot, ob Schwarz, ob Grün oder Braun,
ich singe das Loblied auf alle …!
Es war in jedem Fall zumindest für mich sehr Hilfreich, das Sie mich auf den Namen des Blogs gestoßen haben, der ja von Ihrem Chef quasi erfunden wurde.
Wenigstens ein Pluspunkt, wenn er denn hoffentlich bald zur Hölle fährt!
15 Rechercheur // Apr 15, 2010 at 12:30
Ach, Herr Binder, dass Sie es vom Volontär über die kurzzeitige Tätigkeit – es waren doch nur ein paar Monate – als WAZ-Medienredakteur in ruhmreicher Karriere direkt zum Konzernsprecher gebracht haben, spricht Bände.
Sprechen können Sie gerne für den Konzernchef. Aber nicht für die Redakteure der WAZ-Gruppen-Zeitungen (WAZ,NRZ, WP und WR). Die arbeiten in ihren Lokalredaktionen nach bestem Wissen und Gewissen, lassen sich nicht in eine politische Ecke drängen – und beteiligen sich schon gar nicht an in Hinterzimmer-Zirkeln von Chefredakteuren vereinbarten Wahlkampf-Unterstützungsstrategien.
Warten wir doch mal ab, Herr Binder, wer nach der Landtagswahl regiert… Und wie die WAZ-Chefredakteure ihre Position überdenken…. Ihr Hombach jedenfalls hält ist sich alle Optionen offen, ein Politiker eben.
16 Immo // Apr 30, 2010 at 17:16
Nach jahrelangem Aufenthalt in Bayern erschien mir anfänglich der Zeitungsmarkt in NRW recht unabhängig. Zwischenzeitlich stelle ich aber fest, dass die WAZ in ihrer Berichterstattung tendenziös wird. Kommentare ihres Chefred. Reitz haben mich bereits mehrfach zum Widerspruch gereitzt, zumal Sie Charakterzüge der Bildzeitung aufweisen. Dann kann ich auch gleich das Original lesen, dass ist wenigstens billiger.
17 Hans O. Haas // Jun 1, 2010 at 13:34
Herr Binder,
fein gemacht. So muss der Pressesprecher des WAZ Konzerns ja reagieren. Alles andere wäre originell und vermutlich auch näher an der Wahrheit. Hombach war zweifelsfrei mal der SPD nahe. Aber eigentlich eine Super Egomane, dem man das sogar ansah. Dann hat er – die fallenden Kurse der SPD an der politischen Börse richtig deutend, umgesattelt und hat sich mit Rüttgers gemein gemacht. Die Wahl des WAZ-Chefredakteurs (Reitz von rechtsaußen) war nicht zu übrsehen. Dass die WAZ an jounalistischer Qualität gewonnen hat, will ja wohl keiner behaupten…Stattdessen regierungserklärende und regierungsfreundliche Kommentare der WAZ-Redaktion. Ich kenne nur noch Leute, die laut über diese Figuren lachen. Jedenfalls kann man sie nicht ernst nehmen.
Und dass der “Gebruachtwagenhändler” Gabriel mit Hombach spricht, heißt ja nicht, dass Hombach auf einmal saubere Unterwäsche hat..
Feine Geschichten mitten aus dem Revier!!
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