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Blattkritik: „Die Suche nach dem Souverän“

1. Mai 2010 · von Peter Panter

lupeNur noch eine Woche!  Dann endlich wissen wir unterm Strich – vermutlich auch nicht viel mehr, als heute. „Grüne Attacken gegen schwarzen Regierungschef“ beobachteten aktuell die Stuttgarter Nachrichten. Gleichzeitig erwischte die taz die Grünen beim „Kuscheln mit Rüttgers“. So weit, so übersichtlich. Aber in einem Punkt sind sich alle Auguren und Tendenzometer einig: Egal wie sich die jeweiligen Lager unserer Medienlandschaft ins Zeug gelegt haben – weder die regierungstreuen noch die regierungskritischen Kollegen werden so viele Leser am 9. Mai an die Wahlurnen treiben, dass am Ende des Tages unser Landeswahlleiter sagen könnte: „NRW hat gewählt, und die Nordrhein-Westfalen haben entschieden, dass ….“.

Vielleicht hätten Bild, Rheinische Post und WAZ, aber auch Blätter wie die Süddeutsche Zeitung, die Neue Westfälische und nicht zuletzt die taz – also eigentlich wir alle – mehr Aufmerksamkeit folgender Prognose widmen sollen: Von 13,3 Millionen NRW-Stimmberechtigten werden mindestens fünf Millionen den Muttertag sonst wo verbringen, aber nicht im Wahllokal. Das ist zu bedauern, zumal auf das Datum des übernächsten Sonntags der „Europatag“ fällt. Vielleicht bedarf die sonntägliche Prioritätenliste Mütter, Wahlen, Europa am 9. Mai einer kleinen Korrektur. – Ob bzw. dass die Wahl in NRW – mit Blick auf die Größe des Landes, seine Wirtschaftskraft, seine Probleme und Potenziale auch eine kontinentale Bedeutung hat, erschließt sich zugegebenermaßen nicht auf den ersten Blick. Doch dass Europa für uns in Nordrhein-Westfalen große Konsequenzen hat, erkennen die Menschen schlagartig, nachdem die Folgen eines jahrzehntelangen Laisser-faire in Sachen Haushaltsdisziplin nicht nur in Griechenland viele Fragen aufwerfen.

Natürlich haben wir gerade erst eine Krise mehr oder weniger schwer lädiert überstanden. Wozu führte, dass Arbeitsplätze und Sparguthaben, Vermögen und Unternehmen vielfach per Federstrich ausgelöscht wurden, brachte diese Woche das Magazin Cicero auf den Punkt: „Wer nur an die nächste Mahlzeit denkt, wer gezwungen ist, sich ein Dach über dem Kopf zusammenzunageln, dem fehlen gewöhnlich Lust und Energie dazu, sich zum wohlinformierten Zeitgenossen zu etablieren“. Der Autor spricht von „eigentümlicher Ignoranz, … Verengung des Horizonts und extremen Lebensbedingungen“.  Bemerkenswert an der aktuellen Veröffentlichung ist  folgendes: Geschrieben wurde der Beitrag vor 20 Jahren, mit Blick auf eine völlig andere Zeitrechnung, aber – so das Magazin: „Seine Gültigkeit ist ungebrochen“.

Und an der damals wie heute oft eindimensionalen Sichtweise von Wählern hat sich wenig geändert. Das ist zwar nachzuvollziehen – aber es definiert auch eine Aufgabe, der sich Medien stellen müssen.  Um Ignoranz und beschränkte Horizonte zu knacken und die Wahlbeteiligung nicht auf Dauer unweit der 50- Prozentmarke dümpeln zu lassen.

Aber da wir im Hier-und-Jetzt leben, auch noch Bemerkenswertes aus unserem täglichen Klein-Klein. Beispielhaft sei der Kölner Stadtanzeiger zitiert, der dem MP-Kandidaten Jürgen Rüttgers mit Blick auf seine Wahlkampfführung und die suboptimale Unterstützung aus Richtung Berlin schon mal folgende Abrechnung in Aussicht stellt: „… wenn die CDU in NRW nicht weiter regieren kann – dann ist der Mann, der sie alleine retten sollte, vielleicht auch alleine schuld“.  Das hat gesessen!

Die Süddeutsche Zeitung kritisiert noch mal, dass Hannelore Kraft (SPD) immer irgendwie vom „Irgendwie“ lebt und die ihr „schon 100mal gestellte Frage (deshalb wiederholen wir sie auch nicht) ebenso oft ganz eindeutig und undeutlich zugleich beantwortet“.  – „Deutlicher geht nicht“, so das Blatt, „aus strategischen Gründen“.

 Gefallen hat uns die Stimme eines Wählers aus Mülheim an der Ruhr, den die Neue Westfälische zu Wort kommen lässt. Die Kollegen aus dem Osten des Landes hatten in ganz NRW Menschen gefragt, „was sie eine Woche vor der Landtagswahl bewegt“.  Dazu lassen die Blattmacher u.a. einen gewissen – auf seine örtliche SPD-Spitze zweifellos stocksauren  - Siegfried Janssen aus der Geburtsstadt von Hannelore Kraft antworten: „Wenn die SPD gewinnt, bekommt unsere Oberbürgermeisterin vielleicht einen Posten als Ministerin ihrer Freundin Frau Kraft. Dann wären wir sie los, und ganz NRW müsste unter ihrer Unfähigkeit leiden“, sagt Janssen, der am 9. Mai „mit Sicherheit nicht die SPD“ wählt. „Wenn es Attac als Partei gäbe, würde ich denen meine Stimme geben“.  Das ist doch mal ein Beispiel für „S/souverän“.  

Bis nächste Woche!

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8 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 nefes // Mai 1, 2010 at 14:33

    Schade, aber wenn Peter Panter eine Woche vor der Wahl wirklich nicht mehr zu sagen hat, als das hier aufgeschriebene, belanglose Dahinplätschern, dann hat er sich überflüssig gemacht. Wirklich schade!

  • 2 Knudud_Knudsen // Mai 1, 2010 at 16:19

    Der Wähler,das unbekannte Wesen,und das ist auch gut so,denn sonst wäre er das,als was er ohnehin bei den Politikern angesehen wird,Stimmvieh..

    Koalitionsschwüre,vor der Wahl,sind spätestens seit dem Jahr Ypsilanti,Makulatur..

    Knud

  • 3 Toller // Mai 1, 2010 at 20:06

    Was für eine Wahl hat denn der Wähler überhaupt? Sie alle wollen doch nur eins ins Parlament um abzukassieren. Sie wissen doch alle es gibt kein Geld mehr. NRW ist pleite. Da wir jetzt noch andere Pleitegeier unterstützen, wird es auch nicht besser. Die Politiker wissen dies und wollen noch mal groß absahnen. Kein Politiker hat den Mut dies zu sagen oder kostenlos für NRW zu arbeiten. Also Pest oder Cholera. Was wünscht sich der Wähler? Keine Abgeordnete

  • 4 Tweets die Blattkritik: „Die Suche nach dem Souverän“: Nur noch eine Woche!  Dann endlich wissen wir unterm Strich – vermutli... erwähnt -- Topsy.com // Mai 1, 2010 at 20:10

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Wir in NRW Blog, Landtagswahl NRW und Weserstadt Minden, NRW Newsdesk erwähnt. NRW Newsdesk sagte: Blattkritik: „Die Suche nach dem Souverän“: Nur noch eine Woche!  Dann endlich wissen wir unterm Strich – vermutli… http://bit.ly/aY2jPP [...]

  • 5 zoom » Umleitung: Joseph Heller, Heimatliebe, Ritsch-Ratsch-Bier, Schrewe stellt Kämmerer kalt und mehr … « // Mai 1, 2010 at 22:39

    [...] Grüne kuscheln mit Rüttgers: Blattkritik bei … WirInNRW [...]

  • 6 PvC // Mai 3, 2010 at 16:22

    Wenn es 5 Mio. NRWlern egal ist, wer die nächsen 5 Jahre das Land regiert, dann sollen diese 5 Mio. doch bitte einfach wählen gehen! Egal ob SPD oder CDU; meinetwegen jeder die Hälfte!

    Aber nach der Wahlrechtsmathematik kämen die LINKEN dann auf ca. 4 % — und das ist genug!

  • 7 Spider9999 // Mai 3, 2010 at 23:23

    @ Knudud:
    “Koalitionsschwüre,vor der Wahl,sind spätestens seit dem Jahr Ypsilanti,Makulatur..”

    Soweit ich informiert bin hat doch bis auf den “Anti-Jamaika-Schwur” der Grünen und neuerdings die FDP-Ampel-Absage niemand ein anderes Bündnis kategorisch ausgeschlossen …
    Auch wenn sich das wohl hinsichtlich schwarz-tiefrot ganz unabhängig vom Wahlausgang erübrigt ;-)

  • 8 besser nicht // Mai 5, 2010 at 00:42

    @PvC

    Wenn diese 5 Millionen zur Wahl gehen würden, dann erziehlte die Linke wohl mehr als 20%.

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