Der Respekt vor dem Amt verbietet jede Spekulation! Genau, deshalb spekulieren wir ja auch nicht, sondern halten uns an die Fakten. Das haben nordrhein-westfälische Journalisten schon zur Jahrtausendwende so gemacht, als sie jeglichen Respekt beiseite räumten und sich mit der Flugtauglichkeit des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau beschäftigten. Damals waren die Fakten so erdrückend, dass das Staatsoberhaupt nur noch heiser ein „ich bin bitter“ räuspern konnte, bevor er sich hinter den dicken Mauern des Bellevue verschanzte. Johannes Rau blieb im Amt, trotz nachgewiesenen Sponsorings durch die WestLB auf privaten Flugreisen.
Horst Köhler tritt zurück! Respekt! Auch er ist bitter, auch ihm treten die Tränen in die Augen. Auch er ist traurig und verletzt. Köhler war missverstanden worden, hatte es so nicht gemeint. Ein politischer Fehler, aber er war nicht reif für einen Rücktritt. Doch der Präsident hatte schon längst keine Lobby mehr. Keine Medienlobby wie einst Rau. Und keine Unterstützung aus den eigenen Reihen.
Und nun? 30 Tage haben wir Zeit, nach einem neuen Präsidenten Ausschau zu halten. Wer könnte es sein? Noch ein Problem, eine Personalie, die Merkels Angela, unsere Kanzlerin, lösen muss. Das kann die Chefin mit den immer tiefer hängenden Mundwinkeln doch im Moment überhaupt nicht gebrauchen. Hat sie nicht schon Ärger genug? Mit Westerwelles Guido, der ihr immer quer kommt und die wunderbarste Regierung aller Zeiten vom ersten Tag an den Rand des Untergangs manövriert. Dann der Finanzminister, der bewundernswert mit Elan gegen seine schwindende Gesundheit, gegen Schulden, gegen Spekulanten, Banker, Koalitionspartner und eigentlich gegen alle kämpft, um am Ende die paar Euro mehr in der leeren Kasse zu haben, die auch nur den Boden bedecken.
Und dann Roland, der Koch! Der wollte eigentlich mit seinen politischen Ideen diese Republik revolutionieren, verändern, umdrehen. Weniger sozial, dafür mehr Leistung. Genau, die will er jetzt bringen – für viel Geld und weniger Politik. Erst Koch, dann Köhler. Beide große Ks sind weg. Und Merkel, der CDU, geht das Personal aus.
Wäre da nicht noch JR. Genau, der selbsternannte, nein nicht Arbeiterführer, Johannes Rau-Nach-Nachfolger. Jürgen Rüttgers – sogar die Anfangsbuchstaben stimmen überein: Jürgen Rüttgers wie Johannes Rau. Wieder ein Nordrhein-Westfale. Darauf hat er ja fünf Jahre lang hingearbeitet. Hat seinem Volk immer wieder erzählt, wie toll es 20 Jahre lang von dem unvergesslichen Sozialdemokraten regiert worden sei. Und dass er es genauso tun wolle. Hat zwar nicht ganz geklappt. Wurden nur fünf Jahre. Aber die Zeit ist reif. Jetzt.
Vielleicht war alles eine fein ausgedachte Strategie des rheinischen Politwunders, des gelernten Stehaufmännchens. 2010 wie 1998. Damals war die Zukunft des Zukunftsministers in Bonn plötzlich nicht mehr gefragt – abgewählt. Machte dem Pfeifenraucher gar nichts. Also auf von Bonn nach Düsseldorf. Dort zwei Konkurrenten aus dem Feld geräumt, und schon saß man(n) wieder auf dem Thron. Erst als CDU-Chef, dann als Ministerpräsident.
Doch das sollte es noch nicht gewesen sein. Kanzler wollte er gerne, geht aber nicht. Angela ist zu jung. Also stand der Präsident im Fokus des Karriereplans. Was tun, um ins Amt zu kommen? Zunächst einmal lässt man(n) sich abwählen, wie damals in Bonn. Mit zehn Prozent Minus hat man(n) den Job als Ministerpräsident verspielt. Das ist auch gut so. Denn dann erspart man(n) – also Jürgen R. – das leidige und mühsame Prozedere wie einst bei Johannes R., aus dem Amt getragen zu werden. Also den Rücktritt. Die Nordrhein-Westfalen haben Jürgen Rüttgers schon am 9. Mai die Rote Karte gezeigt. Die hatte er erst akzeptiert, dann in der Verlängerung aber wieder das Spielfeld betreten. Er hatte ja noch was vor, da wäre es ungeschickt gewesen einfach so im Kabinengang zu verschwinden. Nun ist er wieder da. Und gibt vor, bleiben zu wollen. Aber nicht wirklich. Denn jetzt ist ja der Traumjob frei.
JR ist so frei.
Er amtiert noch. Aber nun könnte er denen nachgeben, die ihn loswerden wollen. In der eigenen Partei, in der SPD, bei den Grünen, Linken, und bei der FDP bestimmt auch. Und er täte seiner Partei, der CDU, wohl den größten Gefallen, wenn er nun schnell mit Angela M. vereinbaren könnte, dass er gerne, also nicht unbedingt, aber doch ganz bestimmt, ins Schloss einziehen dürfte, könnte. JR auf den Spuren seines Vorbilds. Vom Rhein an den Spreebogen.
JR for president. Ob CDU und FDP, die in der Bundesversammlung noch immer über eine satte Mehrheit verfügen, darauf kommen werden? Für die Union wäre es nicht nur ein geschickter Schachzug, sondern auch eine Erlösung. Morgen wird in Nordrhein-Westfalen weiter sondiert zwischen SPD und CDU. Wenn Rüttgers geht, geht mit ihm vielleicht auch noch das System R. (Berger, Krautscheid & Co), hätten es die Sozialdemokraten ungleich schwerer, die Gespräche zu beenden und nach anderen politischen Lösungen und Koalitionen Ausschau zu halten.
Angela und Guido werden wohl schnell entscheiden, wen sie als neues Staatsoberhaupt präsentieren. Dass der FDP-Chef sich für einen seiner Getreuen stark macht, ist nicht anzunehmen; das verbietet der Respekt vor dem Amt. Brüderle, Homburger, Niebel & Co sind außerdem kaum zu ersetzen, dort wo sie jetzt sind. Genscher ist zu alt.
Bleibt nur noch Jürgen R. Oder Norbert Lammert. Der ist schon Präsident, Präsident des Bundestages. Der könnte es, käme auch aus NRW, und würde das Amt bestimmt gern ausüben. Aber reicht es, belesen, kulturinteressiert und integer zu sein? Kann man da einfach einen so an die Seite räumen, der schon die richtigen Anfangsbuchstaben hat, der schon Denkmale eingeweiht hat, wie das von Johannes Rau in Düsseldorf auf dem Johannes-Rau-Platz? Der schon so viele Urkunden, Medaillen und Preise verliehen hat?
Und der seine Affären schon (fast) alle hinter sich hat. Eine, die Parteispendenaffäre der NRW-CDU, wird gerade noch untersucht. Von Norbert Lammert. Eine interessante Konstellation. Ein Machtspiel? Denn auch Lammert hat seine kleine Bochumer Affäre, die sein Vize Wolfgang Thierse untersucht. Da kommt sicherlich nichts bei raus. Aber weiß man das schon in den nächsten 30 Tagen?
Wir haben Respekt! Vor dem Amt. Und vor der Untersuchung der Bundestagspräsiden.










13 Antworten bis jetzt ↓
1 Rheinsprotte // Mai 31, 2010 at 20:05
Jau, soweit kommt es noch, der Lispler aus Pulheim ins Bellvue. Wie tief will uns die Union noch bringen. Nordrhein Westfälische Mittelmäßigkeit für Berlin? Loser for President? Nein Danke! Die Politik wäre gut beraten wenn es kein Politiker werden würde. Ich schlage Margot Käßmann vor. Die hat Zeit, einen kritischen Geist und kann einen Fahrer gut gebrauchen.
2 Tapir // Mai 31, 2010 at 20:57
Jetzt wollt Ihr uns aber richtig Angst machen!
Das wäre ja das allerschlimmste, was man sich vorstellen kann. JHR als “Aushängeschild” Deutschlands!!!! Die schmeiußen uns aus der UNO, EU, NATO und wo wir noch überall drin sind.
3 wolfgang1951 // Mai 31, 2010 at 21:13
Jürgen Rüttgers beschädigt das Amt des Bundespräsidenten ja schon mit seiner Kandidatur. Der gehört einfach nur noch in Rente.
Es sollte auch nicht nur die Sache von Frau Merkel sein eine(n) Kandidaten(tin) aufzustellen. Besser wäre es doch, wenn alle Parteien gemeinsam eine Person suchen. Und außer Angela Merkel darf es dann gern auch mal eine Frau sein.
4 Carlos // Mai 31, 2010 at 21:13
Mir ist übel…
5 rooster // Mai 31, 2010 at 21:42
Ich hab keine Hoffnung. Stoiber wollte doch auch mal.
6 Wähler // Mai 31, 2010 at 23:22
Es reicht doch wohl wenn uns Westerwelle im Ausland blamiert. Auch stellt sich immer mehr die Frage ob man das Amt überhaupt braucht, Querschläger waren sie alle 9 bisher…
Gruss
7 ROLAND SCHMIDT // Jun 1, 2010 at 11:41
Die sechs Beiträge vor mir haben alle recht.
Dann lieber wieder eine erbliche Monarchie.
Die bunten Blätter brauchten dann nicht mehr
ins Ausland neidisch schielen, sondern wir hätten
selbst einen König oder sogar Kaiser mit
niedlichen Prinzen etc. Das Berliner Schloß
wird ja wieder aufgebaut
8 Otto // Jun 1, 2010 at 12:47
Der Brackheim Tomas ist ein Fuchs. Wenn unser Mann aus Pulheim mit seiner Angelika von der Erftaue an den Spreebogen zieht, in der NRW-CDU seinen Platz frei macht für den Dampfplauderer aus Aachen, den Laschet Armin, die Kraft Hannelore mit dem Schreckensruf “Nicht unter dem” lieber die Ampel mit dem Papke Gerhard macht, der Pinkwart Andreas gar nichts mehr versteht und halb Nordrhein-Westfalen verzweifelt ruft: “Horst, komm zurück” – dann, ja dann ist es wirklich Zeit für Neuwahlen.
9 1ng0 // Jun 1, 2010 at 14:28
der schmollwinkeladvokat geht von bord
vor bellevue da wächst die rose
frühling zieht sein buntes hemd an
innen drin schmollt die mimose
tritt zurück von allen ämtern
wer es wagt kritik zu üben
an der bundesmajestät
geht am besten gleich nach drüben
und das lieber früh als spät!
wer folgt nach? es laufen wetten:
rüttgers? stoiber? koch? gar wehner?
doch uns kann nur eine retten:
bundespräsidentin lena!
10 ingeborg // Jun 1, 2010 at 15:48
Wir brauchen jemanden der sich gut ausdrücken kann, das politische Geschehen gut analysieren kann, unparteiisch und skandaltechnisch nicht vorbelastet ist. Mein Vorschlag wäre – Urban Priol.
gruss i.
11 hassemanemark // Jun 2, 2010 at 14:41
Nein… Ingeborg ! Nett gemeint, aber…….
Ironie des Schiksals ;o)
Das Volk ruft : ” LENA for Präsident ”
und was bekommt es ?
Tra raa !!!!!
Merkel favorisiert ” von der Leyen ”
Wie verzweifelt ist diese Regierung eigentlich ?
bis neulich
12 Peter Riemann // Jun 2, 2010 at 19:38
Dieses selbstverliebte Gesülze (”…das haben nordrhein- westfälischer Journalisten schon zur Jahrtausendwende so gemacht”) ist unerträglich und reichlich verlogen. Ein kleiner Seitenhieb nach der SPD, ein großer in Richtung CDU (”Strategie des rheinischen Politwunders, des gelernten Stehaufmännchens”..) .
Keiner muss Herrn Rüttgers, oder einen anderen Politiker lieben. Kann man alles kritisieren aber dieser anonyme Dauer-Demagogie-Auflauf ist weder professionell noch besonders appetitlich.
Wann hat der Rentnerjournalist Pieper im Bonner Dachstübchen denn genug von diesem gekünstelten und egomanischen Gruppen – Echauffement?
13 Carlos // Jun 3, 2010 at 13:54
Von der Laien?
Not my President!
Hinterlasse einen Kommentar