Er galt als ein Mann mit sicherem Instinkt. Jürgen Rüttgers wusste in den vergangenen Jahren meist sehr genau die Stimmungen in der Bevölkerung zu nutzen, um eigene politische Themen und Ansichten öffentlich zu verkaufen. Er kritisierte Hartz IV-Regeln, wollte das Volkslied retten, erschuf erst „Kinder statt Inder“, um dann ein Integrationsministerium zu installieren. Der Mann hatte keine Scheu vor populären Schlagzeilen, eine Peinlichkeitsgrenze war dabei für Beobachter nicht wahrzunehmen. Diese Begabung scheint verschwunden, anders kann der Beschluss der letzten Kabinettssitzung auf Antrag von Rüttgers selbst, sechs Mitarbeitern in die gut bezahlte Daueranstellung beim Land zu verhelfen nicht bewertet werden. Dieser Vorgang ist derart obszön, dass selbst die regierungspatriotische “Rheinische Post” nicht anders konnte und heute titelte: „Rüttgers versorgt engsten Vertrauten“.
In den Augen des abgewählten Ministerpräsidenten hat Boris Berger, nun Abteilungsleiter in der Besoldungsstufe B 7 bis zum Rentenalter, die Beförderung wohl verdient. Jedenfalls aus dessen getrübter Sicht. Denn würde Jürgen Rüttgers klar sehen, wüsste er inzwischen, dass genau dieser Berger mit seinen schmutzigen Tricks im Regierungsgeschäft ihn das Amt gekostet hat. Doch die beiden verbindet wohl mehr - ein derart unverschämtes Geschenk an den Vertrauten verschlägt gar Regierungsinsidern den Atem. Rüttgers Handeln muss aus der Not heraus geboren sein, so die Vermutung. Der Mann fürs Grobe hat wohl zuviel internes Wissen, als dass man ihn hätte fallen lassen können.
Der Versuch ihn woanders unterzubringen, ist kläglich gescheitert. Die Führung der Kohlestiftung soll – nach anfänglicher Bereitschaft – dankend abgewunken haben, als der „Wir in NRW Blog“ von der pikanten Personalie berichtete. Einen unflätigen Polit-Berater mit zweifelhafter Vergangenheit im Umgang mit Mitarbeitern wie Öffentlichkeit ist wohl niemand anderem zuzumuten, als dem öffentlichen Dienst. Der Steuerzahler kann es ja tragen.
Da wundert sich der Blogger dann doch über die angebliche Steuerentlastungspartei FDP. Denn die Liberalen haben dem Personalversorgungspaket offensichtlich zugestimmt. Bei der entscheidenden Kabinettssitzung haben sie dann aber doch lieber entschuldigend gefehlt und machten sich aus dem Staub richtig Berlin. Und so realisiert sich ganz schnell wieder das Bild, welches immer mehr Bürger von der Politik haben: Der Staat wird zur Beute erklärt, das eigene Klientel wird bedient ohne Rücksicht auf Verluste. Wen wundert’s, dass das schon keinen mehr wundert.











7 Antworten bis jetzt ↓
1 Von-der-Biegung-des Flusses // Jun 30, 2010 at 23:03
Der Staat als Beute? Nein… das wundert in der Tat nicht mehr. Es wundert aber am Ende des “System Rüttgers”, dass alle still gehalten haben: die NRW CDU, die FDP, die Fraktionen. Keiner hat diesen Berger ausgebremst. Die ganze CDU NRW kannte das Problem Berger. Und alle haben still gehalten. Den Preis zahlt jetzt die ganze Partei. Pardon, aber das haben sie nicht anders verdient… jetzt Opposition. Wenn es eine ganze Partei inclusive eines Kabinetts nicht schafft, so einen Soziopathen kalt zu stellen, dann zeugt das von erbärmlicher Angst vor Machtverlust. Warum ist keiner aufgestanden und hat Rüttgers vor die Wahl vor der Wahl gestellt? Man hatte fünf Jahre Zeit, diesen Typen zu entfernen, der zum Brutalsten und Intrigantesten gehört, was einem im Berufsleben begegnen kann. Alle haben das gewusst. Kaum einer hat sich getraut, sich zu wehren. Die, die sich gewehrt haben, sind geflogen oder kalt gestellt worden. Aber sie haben nichts vergessen.
Dass dieser menschliche Totalausfall, der im übrigen auch noch die falsche Strategie mit der Rau-Kopie für Rüttgers entwickelt hat, jetzt mit B 7 -Besoldung in der Besenkammer der SPD sitzen wird und Zeitung lesen darf, ist wirklich ein skandalöses Versagen der NRW-Politiker
2 Wähler // Jul 1, 2010 at 01:48
Stur geradeaus blicken, was haben Blogger auch zu sagen.. ich bin von der cDU, ich habe immer Recht..
Gruss
3 Guten Morgen | Too much information :: toomuchinformation.de // Jul 1, 2010 at 08:44
[...] Jürgen Rüttgers hat es sich kurz vor Ende seiner Amtszeit nicht nehmen lassen, noch 7 Mitarbeiter gut dotierte Rentenbezüge zu verschaffen. [...]
4 persi // Jul 1, 2010 at 18:33
Wer hat etwas anderes erwartet. Und jetzt will Rüttgers auch noch für die volle Legislaturperiode ein besonders schönes Büro mit Rheinblick, einen Dienstwagen, einen Fahrer und Personal!!!
Offenbar muss es gar nicht weh tun, wenn man abgewählt wurde. Also bei der Fussball-WM entspräche das etwa dem: Man verliert im Viertelfinale und bekommt trotzdem den Siegerpokal!!
Bei den Griechen der antike gab es ein Instrument, das hieß Scherbengericht. Wer den Bürgern so wie Rüttgers z.B. auf den Senkel ging, wurde des Landes verwiesen.
So was brauchen wir dringend!!!
5 Dickschaedel // Jul 1, 2010 at 20:11
Ich hab da ein paar Probleme: Herr Rüttgers hat doch eigentlich “seinen Arbeitsplatz” verloren… Welcher Arbeitgeber zahlt mir (normaler Arbeitnehmer) dann trotzdem noch Jahre meinen Lohn/Gehalt??
Wenn doch zu Steinbrückschen Zeiten schon ein Jahr geregelt war (auch schon unverständlich), mit welcher Begründung der Wunsch um Verlängerung auf 5 Jahre? Ich muss unbedingt einen längeren Schal für meinen dicken Hals besorgen…
6 ROLAND SCHMIDT // Jul 4, 2010 at 16:41
Mir ist nur den ganzen Tag schlecht. Diese Versorgung versuche ich seit einigen Tagen meinen
- Gottseidank- noch in Arbeit stehenden Kindern zu erklären. Nach sage und schreibe 49 Jahren und 10 Monaten Arbeit bekomme ich knapp 1900,- € Rente. Immer in leitender Position und an der sogenannten ” Bemessungsgrenze”. Wahrscheinlich bin ich zu “intelligent”, die Bekloppten gehen sofort nach der Schule in die Politik und halten sich mit ordentlicher Arbeit garnicht auf .
Bei aller Fußball – Euphorie sollten die Public – Viewing – Besucher einmal darüber Nachdenken was in in unserem Staat nicht in Ordnung ist. In der Halbzeitpause – Viertelstunde schafft Ihr, vielleicht sogar unser Superfan Angela – die natürlich auf Staatskosten. Eingangs war mir nur schlecht-
jetzt kann ich nur noch kotzen.
Einen schönen Sonntag und ab Montag dann auf die Barrikaden, schafft Ihr nie – wetten ?
7 Dirk Winthuis // Jul 23, 2010 at 20:59
Die Tendenz ist richtig, allerdings etwas scheinheilig, wenn man an die sozialdemokratische Versorgungsorgie des Jahres 2005 zurückdenkt! Wie war das vorher? Musste nicht jeder Pförtner früher ein rotes Parteibuch haben?
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