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Dressler kritisiert Linke

2. Juli 2010 · von Alfons Pieper

Rudolf Dressler

Rudolf Dressler

Enttäuscht hat sich der frühere stellvertretende SPD-Fraktionschef und Ex-Botschafter in Israel, Rudolf Dressler, über das Verhalten der Linkspartei bei der Bundesversammlung geäußert. In einem Gespräch mit Wir-In-NRW betonte der einstige Sozialpolitiker der Partei, dem eine gewisse Nähe zu Oskar Lafontaine nachgesagt wird, die Linken hätten das alles nicht bedacht und überlegt und vor allem einen alten Lehrsatz von Helmut Kohl missachtet: Entscheidend ist, was hinten rauskommt.

Ihnen sei es gar nicht um die Wahl von Joachim Gauck und das damit verbundene bundespolitische Signal gegangen. Sie hätten sich vielmehr nur mit sich selbst beschäftigt und ihrer Sorge, dass der ganze Laden ihnen um die Ohren fliegen, die Partei also auseinanderbrechen könne. Dressler, der in Berlin Wahlmann der NRW-SPD war und der während der Abstimmung mehrfach Kontakte mit Links-Politikern hatte, zeigte sich auch irritiert über Äußerungen Lafontaines. Der hatte scharfe Kritik an Gauck verbunden mit dessen Äußerungen zu sozialen Fragen und zu Afghanistan. Wörtlich hatte Lafontaine, früher mal SPD-Parteichef, dann Chef der Linken, die Enthaltung des gesamten Linken-Stimmen-Blocks mit den Worten begründet: “Mir ist ein berechenbarer Konservative lieber als ein unberechenbarer Reaktionär.”

Lafontaine hatte darüber hinaus mit seinem Auftreten für Aufregung im Reichstag gesorgt. So war beobachtet worden, dass er vor der dritten Abstimmung zum Trio Angela Merkel, Christian Wulff und Horst Seehofer gegangen war, um den drei Unions-Politikern offensichtlich eine Botschaft zu überbringen. Welche, blieb unklar, vermutet wurde folgende Version: Lafontaine habe den Unionisten mitgeteilt, die Linke werde sich bei der abschließenden Wahl enthalten. Eine Bestätigung für diese Vermutung fand sich wie gesagt nicht. Aber dass sie für möglich gehalten wird, spricht Bände für den Hass, den der einstige SPD-Chef gegenüber seiner früheren Partei hegt.

Rudolf Dressler ist auch nicht entgangen, was einige Linke selbst zum Umgang mit Gauck und ihrer eigenen DDR-Geschichte geäußert hatten. So hatte der Berliner Linken-Realo Stefan Liebich die Abneigung seiner Leute zu Gauck mit den Worten begründet: “Da geht es um seinen Umgang mit der DDR. Das ist das Thema, das viele unserer Wähler und Parteimitglieder berührt.” Hartz-IV- sowie Afghanistan-Argumente sind also nur vorgeschoben, um das Nein zum rot-grünen Kandidaten Gauck anders zu verkleiden. Ähnlich hatte sich Andre Brie, der frühere Europa-Abgeordnete der Linken, eingelassen. Die Linken-Basis sei weitgehend nicht bereit, die Kritik Gaucks am untergegangenen Sozialismus in der DDR mitzutragen.

Fazit von Rudolf Dressler an die Adresse von Gregor Gysi: “Ihr habt ab heute ein großes Problem und das wird noch Monate anhalten”

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9 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 klado59 // Jul 2, 2010 at 16:14

    http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Ruettgers-verzichtet-auf-Dienstwagen-Privileg_aid_876911.html

  • 2 Hoiho // Jul 2, 2010 at 17:41

    Dass die inhaltliche Komponente keine Rolle gespielt haette bei der Nicht- Wahl von Gauck ist absolut albern. Hier in einem westdeutschen Kreisverband der LINKE haette kaum jemand Gauck gewählt und zwar wegen seiner nahezu neoliberalen und kriegsbefuerwortenden Positionen. Seine Arbeit bei der Stasi-Unterlagenbehoerde spielte hier in der Diskussion dagegen kaum eine Rolle und wenn dann nur taktischer Natur. Der Vorwurf geht also ins Leere.

  • 3 Rhein Sieg // Jul 2, 2010 at 19:56

    Was wäre denn dabei “hinten rausgekommen” ?Würde die SPD die Bekämpfung des unliebsamen Konkurrenten über Nacht aufgeben ? Wohl kaum. Bereits die Aufstellung von Herrn Gauck war eine klare Absage gegen die Linke. Dann öffentlich gegen die Partei schießen, weil sie jemanden nicht wählt, bei dem die SPD eben von Anfang an kalkuliert, dass sie ihn nicht wählt … Ja, wie nennt man so ein Verhalten eigentlich ? Niederträchtig, scheinheilig, heuschlerisch ?

    Und noch was:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=6065

  • 4 wolfgang1951 // Jul 2, 2010 at 22:46

    Die Linke ist einfach noch nicht im “Jetzt” angekommen. Vor allem muss diese Partei lernen ein organisierter Aparat zu sein. Und Programme haben Parteien um ihre Linie zu beschreiben. Der Ernstfall besteht dann aber darin, Kompromisse einzugehen und auch mal was auf später verschieben. Beispiel Afghanistan, das steht die Limke allein auf weiter Flur. Alle Vorgaben, die diese Partei hinlegt, beweisen doch, daß sie weder Verantwortung übernehmen noch mitregieren will.

  • 5 Wähler // Jul 3, 2010 at 00:12

    Naja was Dressler sagt.. mir ist schon wichtig was aus dem Darm rauskommt.
    Schlimm ist nur das Dressler aktuelle Politik nicht mehr versteht, denn wenn eine Partei sich nicht einbinden kann in das politische Kalkül hat er damit Schwierigkeiten wie Herr Pieper. Mal nein sagen und die Politik machen die auch verkündet wird, ist für alte Ohrenhasen schwierig geworden. Aber Ihr lernt noch…

    Gruss

  • 6 Cialis // Jul 3, 2010 at 01:16

    Welche enthält sehr interessanter Artikel. Kaum zu warten, um etwas Neues zu schreiben. Herzlichen Glückwunsch.

  • 7 dissenter // Jul 3, 2010 at 19:16

    “Aber dass sie [die Vermutung] für möglich gehalten wird, spricht Bände für den Hass, den der einstige SPD-Chef gegenüber seiner früheren Partei hegt.”

    Ist es nicht eher umgekehrt: dass der unterstellte Hass dazu führt, dass die Vermutung für möglich gehalten wird?

  • 8 wolfgang1951 // Jul 3, 2010 at 23:14

    Rudolf Dressler versteht mehr von aktueller Politik als die meisten Politiker, die sich heute zu Wort melden. Die meisten machen so etwas um in die Presse zu kommen. So etwas hat der gestandene Sozialdemokrat Rudolf Dressler nicht mehr nötig! Oskar Lafontaime und manch anderer Linke können sich von diesem gradlinigen Ehrenvorsitzendem der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen eine gewaltige Scheibe abschneiden. Das Wasser können sie ihm eh nicht reichen!

  • 9 Michael 52 // Jul 12, 2010 at 15:41

    Hallo,

    auch als Linker muß man Dressler sagen, dass wir nicht alles essen müßen, was der Nachbar gekocht hat. Wenn man gemeinsam was erreichen will, ist es angeraten vorher miteinander zu reden, auch bei der Auswahl der Kandidaten für höchste Ämter in dieser Republik. Man kann keine Kandidaten mit Blick auf die CDU aussuchen und dann von der Linken verlangen, diesen mit zu tragen. Alle Äußerungen von Gauck sind deutschtümelnd und antisozial, und damit im Gegensatz zu vielen Menschen in den Kirchen.
    Der Bundeswulf hat in Niedersachsen harte CDU Politik betrieben und ist als Hardliner bekannt, ich finde es beschämend direkt aus der Parteilinie in das höchste Amt gewählt zu werden, aber vielleicht leben wir ja in einem CDU-Land und haben zu gehorchen . Auch bei den Wahlen zum Bundespräsident.

    Grüße aus Bielefeld

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