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Dressler kritisiert Linke

Posted By Alfons Pieper On 2. Juli 2010 @ 15:47 In Unsere Themen | 9 Comments

Rudolf Dressler

Rudolf Dressler

Enttäuscht hat sich der frühere stellvertretende SPD-Fraktionschef und Ex-Botschafter in Israel, Rudolf Dressler, über das Verhalten der Linkspartei bei der Bundesversammlung geäußert. In einem Gespräch mit Wir-In-NRW betonte der einstige Sozialpolitiker der Partei, dem eine gewisse Nähe zu Oskar Lafontaine nachgesagt wird, die Linken hätten das alles nicht bedacht und überlegt und vor allem einen alten Lehrsatz von Helmut Kohl missachtet: Entscheidend ist, was hinten rauskommt.

Ihnen sei es gar nicht um die Wahl von Joachim Gauck und das damit verbundene bundespolitische Signal gegangen. Sie hätten sich vielmehr nur mit sich selbst beschäftigt und ihrer Sorge, dass der ganze Laden ihnen um die Ohren fliegen, die Partei also auseinanderbrechen könne. Dressler, der in Berlin Wahlmann der NRW-SPD war und der während der Abstimmung mehrfach Kontakte mit Links-Politikern hatte, zeigte sich auch irritiert über Äußerungen Lafontaines. Der hatte scharfe Kritik an Gauck verbunden mit dessen Äußerungen zu sozialen Fragen und zu Afghanistan. Wörtlich hatte Lafontaine, früher mal SPD-Parteichef, dann Chef der Linken, die Enthaltung des gesamten Linken-Stimmen-Blocks mit den Worten begründet: “Mir ist ein berechenbarer Konservative lieber als ein unberechenbarer Reaktionär.”

Lafontaine hatte darüber hinaus mit seinem Auftreten für Aufregung im Reichstag gesorgt. So war beobachtet worden, dass er vor der dritten Abstimmung zum Trio Angela Merkel, Christian Wulff und Horst Seehofer gegangen war, um den drei Unions-Politikern offensichtlich eine Botschaft zu überbringen. Welche, blieb unklar, vermutet wurde folgende Version: Lafontaine habe den Unionisten mitgeteilt, die Linke werde sich bei der abschließenden Wahl enthalten. Eine Bestätigung für diese Vermutung fand sich wie gesagt nicht. Aber dass sie für möglich gehalten wird, spricht Bände für den Hass, den der einstige SPD-Chef gegenüber seiner früheren Partei hegt.

Rudolf Dressler ist auch nicht entgangen, was einige Linke selbst zum Umgang mit Gauck und ihrer eigenen DDR-Geschichte geäußert hatten. So hatte der Berliner Linken-Realo Stefan Liebich die Abneigung seiner Leute zu Gauck mit den Worten begründet: “Da geht es um seinen Umgang mit der DDR. Das ist das Thema, das viele unserer Wähler und Parteimitglieder berührt.” Hartz-IV- sowie Afghanistan-Argumente sind also nur vorgeschoben, um das Nein zum rot-grünen Kandidaten Gauck anders zu verkleiden. Ähnlich hatte sich Andre Brie, der frühere Europa-Abgeordnete der Linken, eingelassen. Die Linken-Basis sei weitgehend nicht bereit, die Kritik Gaucks am untergegangenen Sozialismus in der DDR mitzutragen.

Fazit von Rudolf Dressler an die Adresse von Gregor Gysi: “Ihr habt ab heute ein großes Problem und das wird noch Monate anhalten”


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