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Während Rüttgers in Münster vom Hofe schleicht, feiert Berger in der Staatskanzlei

13. Juli 2010 · von Theobald Tiger

Nun will er auch noch Reden halten: Jürgen Rüttgers. Foto: CDU-NRW

Nun will er auch noch Reden halten: Jürgen Rüttgers. Foto: CDU-NRW

Der „Focus“ – oh Wunder – glänzte gestern Morgen mit einer Reihe von Exklusiv-Nachrichten. Während sich das konkurrierende Montagsmagazin „Der Spiegel“  auf mehreren Spalten ganz offensichtlich von Grünen-Pressesprecher Rudolf Schumacher die Feder führen ließ und Sylvia Löhrmann als die große und starke Dame von Rot-Grün glamourös porträtierte, durften die Münchner Polit-Rechercheure dem noch drei Tage amtierenden Ministerpräsidenten ganz nahe sein. Jürgen Rüttgers wehklagte dabei standesgemäß über die neue Schuldenpolitik der neuen Regierung Kraft, brauchte aber keine Frage zu seinem eigenen Verschulden am Niedergang der CDU an Rhein und Ruhr zu beantworten. Im Gegenteil, er bekam auf zwei Seiten noch einmal die Gelegenheit zum Jammern und Schimpfen; natürlich trugen nur Berlin und Angela Merkel die schwere Last an seinem eigenen Versagen. Vergessen, bei Seite geschoben. Viel wichtiger und schöner war die Nachricht, wie er sich seinen politischen Lebensabend vorstellt: „Eher wie Joschka Fischer“ durfte der Abgewählte den Reportern ins Aufnahmegerät diktieren. Ohne Nachfrage.

Jürgen Rüttgers, der neue Joschka? Wow! Da wird sich Angelika daheim aber über neue Küchengeräte freuen können, schließlich gab es vor fünf Jahren bei der Wahl zum Ministerpräsidenten schon eine Spülmaschine. Jetzt drohen ja richtige Turbulenzen auf dem heimischen Girokonto bei der Pulheimer Sparkasse. Mindestens 25 000 Euro kassiert nämlich ein Mann wie der ehemalige Außenminister, wenn er mehrmals im Monat vor erlesenem Kreis seine schneidende Stimme erhebt und meistens Kluges und Gelehrtes von sich gibt. Fischer, das ist anzunehmen, schreibt selbst. Rüttgers, das weiß man, lässt sich seine prägnanten Zweitwortsätze von einem Referenten aufschreiben. Jenem, den er gern auf Landeskosten fünf Jahre lang weiter beschäftigen wollte. Einen Schreiber; zwei Worte: Kirche, Israel. Europa, Fischer. Rüttgers, Sprachfehler.

Jürgen Rüttgers ist fertig, am Ende, er hat abgewirtschaftet. Die Schmach, als Vorsitzender der Seniorenunion zu landen, wollte er sich nicht antun. Nun platzierte er sich selbst als Redner, doch keiner wird ihn hören wollen. Denn was hat der nun bald ehemalige Ministerpräsident der Internationale, ob in Europa oder im Nahen Osten, zu sagen? Nichts! Er hat sich nirgends platziert mit einer gewissen Kompetenz. Rüttgers hat nur immer gestreift, nie ist er irgendwo hängen geblieben. Nicht in Europa, nicht in Israel, nicht in NRW.

Wer sich wie ein geprügelter Hund vom Hofe schleichen muss, kehrt nicht mehr zurück. Anstatt mit offenem Visier den ratlos fragenden Münchner Magazin-Kollegen seinen vorzeitigen Abschied vom CDU-Landesvorsitz zu vermelden, gab er sich, wie er immer war: verschlagen, misstrauisch, launisch. Die Nachricht des kompletten Rückzugs, des Absturzes in ungeahnte politische Tiefen, bekamen die intimen Aufschreiber der letzten Monate erst gestern Nachmittag in die Postfächer gelegt. Der 59-Jährige Rheinische verzog sich nach Münster in die westfälische Hochburg des Konservatismus, um seinen endgültigen Absturz zu verkünden. So, als könne er in diesen Stunden alles das reparieren, was er in den zurückliegenden Jahren falsch gemacht hatte. Rüttgers hatte in seiner Amtszeit Westfalen, diese sichere Bank für seine CDU, vernachlässigt und aufgegeben. So vernachlässigt, dass zur Landtagswahl sogar eine Westfalenpartei antrat und seit wenigen Tagen ein eigener Pressedienst mit dem Namen „Westfalen heute“ dem Acht-Millionen-Volk Gehör verschafft.

Rüttgers beginnt, seine schwersten Fehler zu entdecken. Während der Ministerpräsident für 48 Stunden den Parteigremien seinen übereilten Rückzug ins Private offenbarte und damit einem vom schwarzen Ruhrgebietschef Oliver Wittke vorbereiteten Putsch zuvorkam, feierte sein Mann fürs Grobe in der Düsseldorfer Staatskanzlei Abschied. Für 18 Uhr hatte Planungschef Boris Berger gestern Abend die Mitarbeiter der Abteilung III in die 11. Etage der Staatskanzlei zu Umtrunk und Schnittchen geladen. Dort, wo er fünf Jahre lang die kleineren Empfänge für seinen Ministerpräsidenten inszeniert hatte.

Und nun? Aufbruch und Abbruch. Rüttgers will Reden halten. Sein Sprecher Wichter bewirbt sich schon seit Monaten überall in Berlin. Berger soll nun richtig Geld verdienen. Wo? Noch sind es Gerüchte. Aber er selbst rennt schon seit Wochen durchs politische Düsseldorf, um kund zu tun, er werde in die Wirtschaft wechseln. Wirtschaft? Der Initiativkreis Ruhrgebiet, ein Verbund der Konzerne und Mittelständler im Revier, soll ihn beherbergen. Für 250 000 Euro im Jahr. Wie so etwas geht? „Focus“ lesen! Dort steht auf einer der hinteren Seiten, dass WAZ-Boss Bodo Hombach nun für zwei Jahre Sprecher des Gremiums und damit Nachfolger von Ex-E.on-Chef Wulf Bernotat werde.

Hombach und Berger, genau, da war was. Die beiden Strategen berieten und inszenierten Jürgen Rüttgers in den vergangenen fünf Jahren. Und führten ihn mit großer Kunst ins politische Niemandsland…

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3 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Esoxx // Jul 13, 2010 at 08:35

    Es kann einem schon übel werden, wie sich solche Lu…. mit Steuergeldern und Meinungsmache
    einen schönen Lebensabend schaffen und dann erklären, daß die” Anderen “gefälligst mehr arbeiten sollten und man müßte diese dann antreiben wie Pferde , mit der Peitsche,dann würden sie schon gehorchen.
    Leute in NRW passt gut auf , lasst euch nicht länger verarschen , sonst wirds noch schlimmer und ihr müßt für dieses Pa… bis 70 arbeiten.

  • 2 otto // Jul 13, 2010 at 10:27

    Sollte diese Fahne im Wind namens Bodo Hombach sich wirklich trauen, seinen Modaratorenjob beim Initiativkreis Ruhrgebiet zu missbrauchen, um ausgerechnet einem Schmierfinken dort ein Nest zu bauen? Und wenn: Sollten all die großen Namen im Initiativkreis dieses Schmierentheater mitspielen und den Namen einer honorigen Vereinigung in den Schmutz ziehen? Ich will es nicht glauben.

  • 3 zoom » Umleitung: Wird iPhone 4 zum Toyota, Frieda Kahlo, sparen, ein Blick nach rechts und mehr … « // Jul 13, 2010 at 21:02

    [...] Rüttgers: schleicht vom Hofe … WirInNRW [...]

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