Der frühere Regierungssprecher Friedhelm Ost, Kohls Verkäufer zwischen 1985 und 1989, also auch in stürmischen Zeiten, ging damals nach Bonn- ohne Rückfahrkarte. Gegenüber Wir-In-NRW betonte der CDU-Mann, der heute als Berater arbeitet und in Bad Honnef wohnt:” Die Journalisten hätten mich fertig gemacht, wenn ich eine Rückversicherung gehabt hätte. Es wäre auch ein schlechtes Zeichen für Helmut Kohls Chancen gewesen, doch noch den Weg aus der Krise zu finden.” Zur Erinnerung: Damals machten die Stories von der Kanzlerdämmerung die Runde, der Riese wankte, wurde die Lage des Kanzlers beschrieben, Kohl am Ende. Ost: “Ich habe nie mit dem ZDF-Chefredakteur über meine Rückkehr geredet. Ich suchte in Bonn ein Haus und stürzte mich in die Schlacht.”
Der CDU-Mann Ost betrachtet den Wechsel an die Spitze des Bundespresse- und Informationsamtes (von den Journalisten gelegentlich auch als Desinformationsamt verspottet) als “eine ehrenvolle Berufung, der man sich mit Haut und Haar stellen muss. Sonst geht das schief.” Das Amt ist eine sehr große Behörde mit Hunderten von Beschäftigten. Eine Rückversicherung mache die Journalisten nur noch skeptischer und kritischer und man mache sich selber verdächtig, dass man an den Erfolg nicht glaube. Aber ist das Risiko nicht auch groß? Ost, der auch einige Jahre Bundestagsabgeordneter war:”Was ist schon ohne Risiko? Helmut Schmidt zufolge ist nichts ohne Risiko, nicht mal die Liebe.” Das ganze Leben ist ein Risiko und endet immer tödlich. Der Erfolg des Regierungssprechers hänge nicht nur von seiner eigenen Qualität ab, sondern auch von seinem Apparat und davon, wie die Regierung ihn einbinde und informiere. Ost: “Im Grunde ist es so wie mit der Musik. Ohne Orchester ist der Dirigent machtlos.”











1 Antwort bis jetzt ↓
1 Rudolf Strauch // Aug 18, 2010 at 21:02
Der interessante Hinweis von Alfons Pieper auf den ehemaligen Regierungssprecher Friedhelm Ost (1985-89) verdeutlich, daß hier noch das persönliche Risiko im Einsatz war, also keine Rückfahrkarte nach Mainz. Wenn der neue Regierungssprecher Steffen Seibert sich aber hat versichern lassen, daß er jederzeit zum ZDF zurückkehren kann, ist das mehr als ein Schönheitsfehler. Es kratzt sogar am Image von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Doch so verkommen die guten Bonner Sitten in Berlin – und der Vorsprung der CDU/CSU vor der SPD.
Mit Bonner Gruß,
Rudolf Stauch
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