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Die Telekom fördert Frauen im Konzern nach NRW-Vorbild – wo ist Guntram Schneider?

5. August 2010 · von Guenther Gepard

Geht im September auf Lehrlingstour: Arbeitsminister Guntram Schneider. Foto: NRW-Staatskanzlei

Geht im September auf Lehrlingstour: Arbeitsminister Guntram Schneider. Foto: NRW-Staatskanzlei

Der neue Arbeitsminister ist ein echter Arbeiterführer. Guntram Schneider geht im September wie vor mehr als zehn Jahren der Erfinder Wolfgang Clement (Ex-SPD) auf Lehrlingstour und will bei Unternehmen zusätzliche Ausbildungsplätze für junge Menschen einsammeln, die sonst ihr Berufsleben mit einer Langzeitarbeitslosigkeit starten müssten. Honorig, eine tolle Sache. Das gehört zum Programm dieses Ressortchefs, zumal wenn er, wie Schneider, zuvor DGB-Chef in NRW war. Doch der SPD-Mann könnte mehr, kann mehr, muss mehr zeigen. Die Arbeitswelt in den Unternehmen verändert sich dramatisch. Die Unternehmen verändern sich. Vorreiter in Deutschland ist ausgerechnet ein Konzern in Nordrhein-Westfalen, in Bonn.

Die Deutsche Telekom AG gibt sich gerade einen neuen Anstrich. Doch das ist keine Fassadenmalerei, das ganze Haus wird gestrichen, von innen und von unten nach oben, vom Keller bis in die Topetagen. Konzernchef René Obermann und sein Personalvorstand Thomas Sattelberger kehren um und geben dem Unternehmen ein arbeitnehmerfreundliches Image. Vorbei scheint die Zeit des imageschädigenden radikalen Personalabbaus, des Ausspähens von Mitarbeitern oder der Einführung von Dumpinglöhnen für die Telefonisten in Callcentern. Die neuen Botschaften lauten: unsere Mitarbeiter sind unser Kapital, wir passen unsere Arbeitswelt den Bedingungen von Morgen durch die Gestaltung von flexiblen Arbeitszeiten und Arbeitsorten an, wir halten und fördern unsere besten Kollegen. Zudem gibt sich die Telekom äußerst familienfreundlich, fördert Frauen im Konzern und junge Mütter. Über einen entsprechenden Vorstandsbeschluss vom 1. Juni informierte Sattelberger an diesem Mittwoch die Führungskräfte des Bonner Konzerns (siehe das Schreiben  in der Rubrik „Dokumente“).

Will mehr Frauen in Führungsetagen: NRW-Emanzipationsministerin Barbara Steffens. Foto: NRW-Staatskanzlei

Will mehr Frauen in Führungsetagen: NRW-Emanzipationsministerin Barbara Steffens. Foto: NRW-Staatskanzlei

Ein Konzept, das gut zur neuen rot-grünen Regierung in Düsseldorf passt. Dass Hannelore Kraft ihr Kabinett mit ebenso vielen Frauen wie Männern besetzte, sollte auch ein Signal an die Wirtschaft sein, die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz stärker zu forcieren. Die grüne Emanzipationsministerin Barbara Steffens machte sich das Thema in den ersten Tagen zu Eigen gemacht hat, doch auch Schneider könnte mit einer Initiative hier mächtig für sich punkten. Denn Steffens forderte nach alter Frauen-Rechtlerinnen-Manier gleich 40 Prozent weibliche Mitglieder in Aufsichtsräten. Da sind die Unternehmen längst enteilt in ihrem Denken. Sie bauen wie die Telekom ihr Management um, Frauen werden besonders nach individuellen Bedürfnissen gefördert, die Jobs sind bei Familiengründung und durch Elternzeit nicht gefährdet.

Personalvorstand Thomas Sattelberger fördert Managerinnen im Konzern. Foto: DTAG

Personalvorstand Thomas Sattelberger fördert Managerinnen im Konzern. Foto: DTAG

Sattelberger teilte nun seinen Topmanagerinnen mit, sie behielten auch während des Mutterschutzes und in der Elternzeit den Zugriff auf Emails und Intranet. „Wir schaffen Angebote, um den Kontakt zu den Mitarbeitern in der Elternzeit aufrechtzuerhalten und zeigen Perspektiven für die Zeit nach der Rückkehr auf,“ schrieb Sattelberger an seine Topmanager im Konzern. Es gehe ihm um „ein von Verantwortung und Respekt geprägtes Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben,“ so der Personalvorstand. Die Führungspositionen bei der Telekom sollen zu 30 Prozent mit Frauen besetzt werden. Der Vorstand unterstützt  deshalb besonders für seine leitenden Angestelltinnen Teilzeitjobs. Sattelberger: „Wir müssen unseren Führungskräften ermöglichen, Beruf und individuelle Lebenssituationen in Einklang zu bringen.“

Und wo ist Schneider, der sozialdemokratische Arbeiterführer? Wahrscheinlich bemüht er sich gerade um einen Termin in Bonn, bei Thomas Sattelberger. Denn wo anders, als bei diesem neuen Vorzeigeunternehmen der deutschen Wirtschaft, könnte der NRW-Arbeitsminister eine Initiative für mehr Frauen in den Topetagen der Unternehmen starten. Sicherlich wird gerade im Ministerium am Düsseldorfer Fürstenwall die Pistole für den Starschuss für eine Frauen-Förderkampagne in NRW-Unternehmen geladen. Schneider habe den Finger schon am Abzug wissen politische Beobachter. Wenn er denn auch durchzieht, könnte er seine Fehleinschätzung in der Kohle- und Zechenfrage vergessen machen. Und der grünen Kabinettskollegin ganz einfach ein Thema abspenstig machen.

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