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Wenn es menschelt in der Politik

26. August 2010 · von Josef Fuchs

Alphatiere sollen sie sein, Bastatypen oder wenigstens cool wie die Kanzlerin. So wollen die Wähler die Menschen, die über die Politik des Landes entscheiden. Aber mögen tun sie diese Macher nicht wirklich. Achtung, bei dem ein oder anderen vielleicht auch Hochachtung. Aber mögen? Nein.

Nah sind sie ihnen nur dann, wenn es menschelt. Die mit den Tränen kämpfende Hannelore Kraft bei der Trauerfeier in Duisburg hat unendlich vielen Menschen Eindruck gemacht. Mehr vielleicht als mit all ihren Auftritten, Reden und Gesten zuvor.

Wenn der hochtourige Motor des Funktionierens stockt, wenn die Fassade des Machens Risse zeigt, wenn der Mensch im Politiker erkennbar wird, dann hat das fürs Publikum befreiende Wirkung. Einer, eine wie wir. Oder vielleicht gar einer, eine, wie wir es gern sein möchten.

So wie in dieser Woche Frank Walter Steinmeier, nicht der Fraktionsvorsitzende, der ehemalige Kanzlerkandidat, der Ex-Außenminister. Nein so wie Frank Walter Steinmeier, der Ehemann, der um die Gesundheit seiner Frau besorgt ist – und deshalb ein Stück von sich selbst hergibt.

Eine Organspende, die in diesen Tagen Millionen gerührt hat, eine Geschichte, die nur im richtigen Leben nicht kitschig wirkt. Eine Geschichte, die die Medien, die seriösen wie die weniger seriösen, begierig aufgegriffen haben. Denn die Sehnsucht nach Menschlichkeit, nach Gefühlen in der politischen Welt des Funktionierens ist groß.

Frank Walter Steinmeier hat uns gezeigt, dass es hinter der Welt der Debatten, Fraktions- und Präsidiumssitzungen Privatheit, Sorgen und Liebe gibt, dass es neben der aufopfernden Arbeit für das Land noch wertvolleres gibt. Ein wenig hat er in dieser Woche an den Bundespräsidenten Gustav Heinemann erinnert. Als der einmal gefragt wurde, ob er das Vaterland liebe, hat er knapp gesagt: “Ich liebe meine Frau”. Dass das der SPD-Fraktionsvorsitzende wohl ähnlich sagen würde, hat er uns eindrucksvoll bewiesen.

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