Es scheint ein ungleiches Duell zu werden zwischen den Kandidaten für den CDU-Vorsitz in NRW, Norbert Röttgen und Armin Laschet. Was sich schon beim ersten Aufeinandertreffen vor 700 CDU-Mitgliedern im schwarzen Münster gezeigt hatte, setzte sich jetzt in der Godesberger Stadthalle fort. Röttgen, der Bundesumweltminister, bestimmt den Ton und den Takt. Modern, präsent, redegewandt, Muttis klügster. Dagegen Laschet, provinziell, bieder, Typ Leiter einer Sparkassen-Filiale.
Die Stadthalle Godesberg ist ein altes Schätzchen, nicht gerade schmuck, aber sie ist ein historischer Ort. Hier gab sich die SPD 1959 das Godesberger Programm, wodurch aus einer Klassen- eine Volkspartei wurde, was sie am Ende regierungsfähig machte. Jürgen Rüttgers, der amtierende CDU-Chef und schwer geschlagene Wahlverlierer der letzten Landtagswahl, wies in seiner Moderation des Duells auf diesen Umstand hin. Es sei wie im Fußball. Wer absteige, müsse ganz schnell wieder aufsteigen. Das war es auch schon. Mehr wollten die rund 1000 Mitglieder von ihm nicht wissen. Der Mann ist Vergangenheit, die ihm vom Wähler aufgezwungen wurde. Darüber täuschen auch seine Versuche nicht hinweg, den Eindruck zu erwecken, als habe er freiwillig auf den Vorsitz verzichtet.
Landeslösung oder Berlin-Import, das war der Tenor in Münster,das war er auch am Rhein. Wobei Röttgen ein Heimspiel hatte. Er wohnt auf der anderen Rheinseite, nicht weit entfernt von der Stadthalle Godesberg. Aber das allein war es nicht, was seinen Vorteil ausmachte. Laschet durfte in Münster als erster reden, jetzt war es an Röttgen, seine Sicht der zukünftigen CDU aufzuzeigen.
Röttgen spielte sein rhetorisches Talent aus. Seine Zukunftsidee von einer CDU an Rhein und Ruhr, zwischen Sauer-, Sieger- und Münsterland, zwischen Ostwestfalen und der Eifel, brachte er auf die Formel: Politik aus den Augen unserer Kinder zu machen. Das gefiel den Menschen in der Halle. Kinder, das heißt an Morgen und Übermorgen zu denken und darauf die ganze Politik auszurichten. Dabei vergaß der Mann aus Berlin nicht, der SPD pflichtgemäß ein paar Hiebe zu versetzen.
Röttgen, der auch mit den Grünen gut kann, sprach von einem glaubwürdigen Neuanfang, davon, Vertrauen und Zustimmung zurückzugewinnen, was ein Stich gegen die alte Regierung Rüttgers war, der ja auch Laschet angehörte. Denn wenn man etwas wieder gewinnen will, hat man es zuvor verloren. Es gelte, geistige Orientierung zu geben. Die CDU müsse wieder politisch werden, diskutieren über Inhalte und sich nicht in rituellen Beifallsbekundungen verlieren.
Dann schnitt er kurz, aber scharf die Wahlniederlage Anfang Mai an. “Der Machtverlust kam nicht von ungefähr”, betonte er. Sie rühte daher, dass Politik nicht mehr erklärt werden konnte. Rüttgers musste sich den Rüffel anhören. Die Zuhörer waren sichtlich damit einverstanden.
Hier machte sich der große Unterschied zu Laschet deutlich. Fünf Jahre hat Rüttgers in NRW regiert. Folgt man Laschet, so waren das gute Jahre für NRW und das ließen sie sich auch von den Linken nicht kaputtreden. Also war der Wähler schuld, oder Herr Laschet? Man sollte das Volk abwählen. Als Schuldige für die Niederlage machte Laschet Leute aus der eigenen Partei aus, die die Öffentlichkeit, er meinte die Medien, ohne einzelne beim Namen zu nennen, mit Internas aus dem Innenleben der Parteizentrale in Düsseldorf gefüttert hatten. Sie seien “uns in den Rücken gefallen”. Kein Wort von der Sponsoring-Affäre, die die Glaubwürdigkeit von Rüttgers erschüttert hatte. Als zweiten Schuldigen nannte er die Berliner Bundesregierung. Ein Stich gegen Röttgen, Minister im Kabinett Merkel.
Die neue CDU-Führung- Laschet meinte damit sich selbst- sei nun als starke Opposition im Landtag gefragt. Dort müsste Hannelore Kraft jeden Tag gestellt werden. Wörtlich: “Ich will Frau Kraft jede Woche im Landtag stellen und in den 54 Kreisverbänden präsent sein- nicht nur in großen Konferenzen.” Das kann Röttgen natürlich nicht, er sitzt schließlich im Berliner Reichstag.
Die CDU müsse verhindern, dass rechts neben ihr eine neue Partei entstehe, sagt Laschet. Das zielte wohl auf Röttgen ab, der zwar auch das Konservative als Teil des CDU-Programms heraushob, der aber als der Modernere von beiden gilt. Laschet listete die Fehler der Regierung Merkel auf, erwähnte die Milliarden, die man für die Bewältigung der Finanzkrise und schließlich zur Rettung von Griechenland bereitgestellt hatte, ohne den Bürgern das erklären zu können.
Beide Kandidaten gehen mit dem Duell ein hohes Risiko ein. Wenn Laschet verliert, es wäre nach der Niederlage um den Posten des Fraktionschefs der CDU im Landtag die zweite Klatsche binnen weniger Wochen. Laschet wird im übrigen unterstützt vom neuen Fraktionschef Laumann und Generalsekretär Andreas Krautscheid. Alle drei waren Teil des Systems Rüttgers, alle drei sind Wahlverlierer. Unterliegt Röttgen, wäre das eine böse Schlappe für ein prominentes Mitglied der Bundesregierung, auch für Angela Merkel. Seine Karrierepläne hätten einen schweren Dämpfer bekommen. Röttgens Freunde trauen ihm viel zu, auch die Nachfolge von Merkel. Als Chef des größten Landesverbandes würde er seine Machtbasis im Falle eines Sieges erheblich ausbauen.
Das Duell wird auf weiteren Regionalkonferenzen fortgesetzt. Am Ende entscheidet eine Mitgliederbefragung über den neuen Vorsitzenden. Laschet und Röttgen wollen sich dem Entscheid der 160000 Christdemokraten im Lande beugen. Am 6. November findet ein Landesparteitag der CDU wiederum in Bonn statt.










2 Antworten bis jetzt ↓
1 Rheinsprotte // Sep 5, 2010 at 08:59
Mal sehen, ob sich die CDU Mitglieder weiter vom Rüttgers Club verar…..en lässt. Röttgen hat zumindest einen Vorteil: Er ist nicht Fleisch vom Fleische Rüttgers. Vieleicht der Mann für den Neuanfang.
2 karlos dallos // Sep 8, 2010 at 22:49
Und Roettgens Sieg ist nur
sein Versagen und
seine Misachtung durch die Regierung
seiner Partei
seine wenigstens noch realitätsnahen Einschätzungen der Atompolitik gegenüber.
Muss das ihm wehtun.
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