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Kein weiser Vorschlag

20. Mai 2011 · von Alfons Pieper

Demnächst auf Wunsch der Wirtschaftsweisen und CDU/FDP : Vorsicht alte Menschen auf dem Weg zur Arbeit!

Demnächst auf Wunsch der Wirtschaftsweisen und CDU/FDP : Vorsicht alte Menschen auf dem Weg zur Arbeit!

Das ist kein weiser Vorschlag, den die so genannten Wirtschaftsweisen auf den Tisch gelegt haben. Schon bald, etwa kurz hinter der Jahrhundertmitte, müssten die Deutschen bis zum zarten Alter von 69 Jahren arbeiten. Erst dann könnten sie ohne finanzielle Abschläge in die Rente gehen. Man fragt sich, was diese Prognose soll? Etwa noch mehr Menschen im Lande verärgern und die Diskussion, die Rente lohne sich ohnehin nicht mehr, anheizen?

Und wie war das noch vor ein paar Jahren, als die Bundesbank einen ähnlichen Vorschlag präsentierte? Der dümmste Vorschlag, Unsinn und so weiter, lauteten die Reaktionen aus politischen Parteien. Jetzt fühlt sich ausgerechnet Dr. Philipp Rösler, der Wirtschaftsminister, bestätigt und die FDP, der er ja vorsteht, auch. Also dann ran an den Speck und die Politik-Verdrossenheit wird noch steigen. Wir könnten hier auch mal wieder die Neid-Debatte anheizen. Wie sieht das eigentlich mit den Pensionen unserer Politiker aus?

Wir haben noch nicht den Streit über die Rente mit 67 verarbeitet. Ab dem Jahre 2027 soll es so weit sein. Die SPD würde diese Idee, die sie ja in der Regierung umsetzte, am liebsten wieder vergessen. Hat sie doch auch dafür gesorgt, dass die Linke Stimmen aus dem Lager der SPD bekam. So etwas passiert, wenn eine Partei ihren Kern, die Arbeitnehmer und die soziale Gerechtigkeit, aus den Augen verliert.

Warum das alles so kommen soll? Weil die Deutschen gesünder leben und immer älter werden, ist das alte System nicht mehr finanzierbar. 1960 betrug die Rentenbezugsdauer gerade mal zehn Jahre. Heute genießen Rentner 18,2 Jahre ihre Altersversorgung. Prima.

Die Zahlen sind nicht anzuzweifeln. Und dass daraus irgendwann Konsequenzen zu ziehen sind, liegt auch auf der Hand. Aber zunächst müsste doch erst mal gesichert sein, dass ältere Menschen in nennenswerter Größenordnung beschäftigt werden. Und ist es nicht so, dass die Unternehmer im Falle von Umstrukturierungen zunächst die Älteren entlassen, weil die teurer sind? Darüber täuscht auch nicht hinweg, dass in Sonntagsreden gern von der Erfahrung und Zuverlässigkeit der älteren Arbeitnehmer geschwärmt wird. Wenn es eng wird, fliegt zuerst der 60jährige. Wir können ihn auch durch einen 55jährigen ersetzen.

Wo bitte sind denn die Arbeitsplätze für die Älteren? Und wenn es welche gibt, sind die Älteren auch wirklich in der Lage, bis 67 oder 69 zu arbeiten? So lange diese Fragen nicht schlüssig beantwortet werden, verbietet sich eine solche Debatte. Vielmehr haben die Leute draußen das dumme Gefühl, dass sich dahinter lediglich eine gigantische Renten-Kürzung verbirgt. Denn wer nicht bis 67 arbeitet oder bis 69, muss mit Abschlägen rechnen. Abschläge von einer ohnehin schmalen Rente, versteht sich. Denn der normale Rentenbezieher lebt auf kleinstem Fuß. Ob die Wirtschaftsweisen mit ihrer üppigen Pension davon eine Ahnung haben
Nein. Der frühere Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm(CDU) hat in unserem Internet-Blog kürzlich vor einer Entwicklung gewarnt, dass Hungerlöhne am Ende des Arbeitslebens in Hungerrenten enden. Blüm meinte jene sieben Millionen Mini-, Zeit- und Leiharbeiter, die beim monatlichen Jubel über den tollen Aufschwung vergessen werden. Denen zu helfen, ist ein Thema, das sich lohnen würde. Für die Wirtschaftsweisen, für Dr. Rösler und die FDP und für alle jene, die immer wieder fordern, die Menschen müssten den Gürtel enger schnallen, selber aber den Bauch darüber tragen.

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2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 zoom » Umleitung: WAZ verplappert sich und viele weitere Hinweise. « // Mai 20, 2011 at 22:10

    [...] Rente mit 69 II: Kein weiser Vorschlag … WirInNRW [...]

  • 2 Bielefelder // Mai 24, 2011 at 07:02

    Wie wäre es wenn man die Rentner in einem Lager unterbringt dort verpflegt und für stupide, möglichst harte Arbeiten verleiht? Das wäre eine billige Unterbringung, wer richtig knechtet lebt auch nicht so unnütz lange und die ” Alten” wären endlich von der Strasse.
    Dann bräuchte man gar keine Rente mehr bezahlen! Man könnte sich die ganzen Studien und Demographischen Untersuchungen sparen.

    Natürlich müssten Bonzen und Politiker den Rentnern dann die Toiletten putzen, mit der Zahnbürste.

    Rainer (62)

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