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Dumm gelaufen

20. März 2012 · von Josef Fuchs

Röttgen: Das Profil wird immer unschärfer. Und dass, obwohl der Wahlkampf noch nicht einmal begonnen hat.rd immer unschärfer!

Röttgen: Das Profil wird immer unschärfer. Und dass, obwohl der Wahlkampf noch nicht einmal begonnen hat.rd immer unschärfer!

Wenn er nicht bald die Kurve kriegt, droht Norbert Röttgen am 13. Mai nicht nur die Landtagswahlen zu verlieren, sondern auch seine politische Zukunft zu verspielen. Für den Mann, dem alle so große Klugheit attestieren, sind die letzten Tage dumm gelaufen. Dabei hätte er wissen müssen, dass Herumeierei in Sachen Oppositionsführer nicht gut ankommt. Und er hätte wissen müssen, dass „Durchreisende“ als MP-Herausforderer nichts reißen können.

Wenn sich „Muttis Klügster“ einmal schlau gemacht hätte, dann hätte er gesehen, dass die Ablösung einer Regierung fast immer nur der Lohn für vorherige Oppositionsarbeit gewesen ist. Gerhard Schröder ging Mitte der achtziger aus der Bundespolitik, um in Niedersachsen die Ablösung Ernst Albrechts vorzubereiten. Zwei Anläufe brauchte er dazu. Björn Engholm kämpfte sich in Schleswig-Holstein über Jahre der Opposition an die Regierung.
Und umgekehrt haben andere den angenehmen Posten als Ministerpräsident aufgegeben, um im Bund über Oppositionsarbeit an die Macht zu kommen. Das kann klappen wie bei Helmut Kohl, der aus Mainz nach Bonn kam und dort lange eher Gespött der Leute war, ehe er 1982 am Ziel Kanzleramt angelangt war.

Muss aber nicht klappen wie bei Rudolf Scharping, der ebenfalls in Mainz das Amt als Ministerpräsident aufgab und in Bonn als Parteivorsitzender und Oppositionsführer scheiterte. Für Röttgen hätte Norbert Blüm ein warnendes Beispiel sein müssen. Er probierte in den Neunzigern den Spagat zwischen Bundes- und Landespolitik und bekam in dieser Doppelrolle in NRW keinen Fuß auf den Boden.

Es war von Röttgen ein wenig naiv, darauf zu hoffen, für ihn würden politische Erfahrungswerte außer Kraft gesetzt, zumal er gleich nach seiner Wahl zum Landesvorsitzenden doch schon einmal einen Schritt weiter war und den Seinen versprach, im guten wie im schlechten Fall, also auch als Oppositionsführer, zur Verfügung zu stehen. Den Landesverband NRW als Hausmacht in der CDU zu haben, ist eine schöne Sache. Aber der fordert jetzt für diese schöne Sache die Einhaltung des damaligen Versprechens von Röttgen, in guten wie in schlechten Zeiten… Siehe oben.

Der Druck in der eigenen Partei, aber auch seitens der politischen Konkurrenz ist so stark, dass Röttgen gar nichts anderes übrig bleibt, in den nächsten Tagen beizudrehen. Doch wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben: Wer nimmt ihm noch ab, dass er voller Überzeugung nach Düsseldorf kommt, wenn die Wähler ihn statt in die Staatskanzlei auf die Oppositionsbänke schicken.

Norbert Röttgen hat sich in den letzten Tagen einen Ruf als knallharter Machtpolitiker kaputt gemacht, weil er von einem kleinen Stückchen Macht in Berlin neben Angela Merkel nicht lassen wollte. Im Schlafwagen ist aber noch niemand dorthin gekommen, wo es den NRW-Landesvorsitzenden der CDU hinzieht: Ins Kanzleramt.

Vermutlich wird es im Mai nicht einmal für die Düsseldorfer Staatskanzlei reichen. Und dann sind die Züge für ihn auf Jahre abgefahren.

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