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Größenwahn von FDP-Lindner

18. März 2012 · von Josef Fuchs

NRW als Agrarland. Zumindest Lindner tönte, er wolle jetzt das Land umpflügen!   Bildquelle: christian-lindner.de

NRW als Agrarland. Zumindest Lindner tönte, er wolle jetzt das Land umpflügen! Bildquelle: christian-lindner.de

Die Wähler sind ihr in Scharen davon gelaufen. Nur gerade mal zwei Prozent bekennen sich in Umfragen noch zur FDP. Aber der Größenwahn ist geblieben. Er werde das Land „umpflügen“, erklärte der selbsternannte FDP-Retter, Christian Lindner, als er sich zum NRW-Landesvorsitzenden küren ließ.

Vor wenigen Wochen erst hatte er sich als Generalsekretär aus der ersten Reihe der Liberalen verabschiedet, jetzt kommt er wieder – in der Hoffnung, mit einem Erfolg in NRW den FDP-Bundesvorsitzenden, Philipp Rösler, aus der Kurve werfen zu können.

Was nach Neuanfang der FDP in NRW aussehen soll, ist in Wahrheit das alte Spiel um die Vorherrschaft in der „Boy Group“ der zur Parteiführung aufgestiegenen Nachwuchspolitiker. Statt seriöser Politikentwürfe coole Sprüche und Machtgezicke.
Die FDP hat sich in NRW kräftig verzockt. Die Arroganz, mit der der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Gerhard Papke, zu Beginn jedes Gespräch mit der Minderheitsregierung vom hohen Ross herab ablehnte, ist in bester Erinnerung. Eine Art der Gesprächs- und Politikverweigerung der besonderen Art. Hochmut und Dummheit kommt vor dem Fall.

Erst als er sah, dass selbst die CDU beim Thema „Schulfrieden“ die Gesprächsbereitschaft mit der rot-grünen Minderheitsregierung nicht scheute, schwante Papke, dass er sich ins Abseits manövriert hatte, hatte aber nicht genug Arsch in der Hose, diesen Fehler einzugestehen und spielte auf Zeit. Zu lange, zu ungeschickt, sodass Neuwahlen unumgänglich wurden.

Mit dieser Verweigerung hat er die FDP an den Rand des Absturzes gebracht. Verpasst sie den Einzug in das Landesparlament von NRW wieder einmal, dann ist die FDP der Lächerlichkeit preis gegeben. Als möglicher Koalitionspartner wird sie im Bund von der CDU nicht mehr wahrgenommen. Die negativen Urteile der Christdemokraten über die Röslers und Bahrs sind in Berlin an Eindeutigkeit nicht zu übertreffen.

Statt das Land umpflügen zu wollen, müsste einer her, der die Partei mal wieder auf ernstzunehmenden Politikmodus umpflügt. Eine Partei, die gerade mal noch zwei Prozent der Wähler hinter sich weiß und sich Rettung durch die Ausrufung eines Spitzenkandidaten verspricht, ist nicht richtig bei Trost. Sie kennt nur noch Machtgebalze, das mit den Realitäten nichts mehr zu tun hat.

Es stimmt, dieses Land braucht liberale Denker und Positionen. Aber die gibt es gerade bei den handelnden Personen der FDP seit langem nicht mehr.

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8 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Pottblog // Mrz 19, 2012 at 07:27

    Links anne Ruhr (19.03.2012)…

    Duisburg: Traumzeit-Festival 2012 abgesagt (RP ONLINE) – Datteln: Demonstration gegen E.ON: 400 Fackeln leuchten vorm Kraftwerk (Recklinghäuser Zeitung) – Siehe auch: DerWesten. Bochum: Lou Reed war nicht beim Steiger-Award (Ruhrbarone…

  • 2 Manfred // Mrz 19, 2012 at 09:20

    Ja, die FDP hat in der Vergangenheit oft wankelmütig agiert und sich mit der Steuerpolitik vergaloppiert. Aber erinnern wir uns: 2000 schaffte sie aus dem Nichts den Einzug in den Landtag mit 9,8%. Der Kopf hieß Möllemann. Heute ist es Lindner, der das Wunder vollbringen soll – und dieses wird ihm in der Medienlandschaft immerhin zugetraut. Das allein dürfte der FDP schon helfen.

  • 3 Bobo // Mrz 20, 2012 at 15:16

    Lindner war als Generalsekretär massgeblich am FDP-Pfusch (z.b. Steuersenkungsorgien, Privat vor Staat ) beteiligt die uns in die Geldklammheit der Kommunen geritten hat.
    Dann hat er den Kram hingeworfen – was soll man dann hier erwarten?

    Die FDP gehört auf die Müllhalde der Parteigeschichte.

  • 4 Christian // Mrz 21, 2012 at 13:31

    Tja dass ist ja mal wieder ein äußerst gut recherchierter Artikel. Was sagt uns das jetzt eigentlich zu dem inzwischen nicht mehr unumstrittetenen Gutachten der Landtagsverwaltung? Warum hatte die Union schon das erste Wahlplakat vor der entscheidenden Abstimmung im Landtag fertig? Und wann erscheint hier eigentlich mal ein kritischer Artikel zur abgedankten Rot-Grünen Landesregierung? Der Blog der bei den letzten Landtagswahlen so viel Aufmerksamkeit mit Internas der CDU bekommen hat, entlarvt sich immer mehr als das as er schon damals war eine unverholene Wahlkampfhilfe für die SPD. Die heren Ziele,die in der Selbstdarstellung unter “Wer wir sind” genannt werden und die Wirklichkeit klaffen dann doch weit aussernander. Kritischer Journalismus im Netz sollte deutlich weniger tendenziös daherkommen. Sie sollten Ihren Blog am besten direkt mit einem Werbebanner für die SPD ausstatten. Dann sieht jeder direkt wo er drann ist. Ich bin mal gespannt wie lange mein Kommentar hier online steht.

  • 5 Maria // Mrz 29, 2012 at 20:58

    Hallo – ich glaube es nicht.
    Linder will das Land umpflügen.
    Am besten pflügt man bei der Wahl die FDP mal gleich mit unter. Wer heute die Nachrichten gehört oder morgen liest – findet jeden Grund dafür.
    An der Zustimmungverweigerung der drei FDP Wirtschaftsminister der Länder (Sachsen, Bayern und Niedersachsen) liegt es, das es mit den Schlecker-Frauer erst mal bergab geht. Hier zeigt sich mal für wen die FDP steht – fürs Hotelgewerbe Steuergeschenke zur Wahl – aber für gewerbliche Mitarbeiter ist bereits nur eine
    Bürgschaft von einigen Tausend Euro zuviel. Aber wenn es um Milliarden geht ist man dabei egal wie Risikoreich. Ich hoffe nur das alle Frauen wissen was sie wählen müssen, das sowas in Zukunft nicht mehr vorkommt.
    Wir in NRW haben eine gute Chance diesen Schritt vorzubereiten. Und ich hoffe, das auch in Schleswig-Holstein sich auch alle Fraunen solidarisch zeigen und der FDP die Quitung geben.

  • 6 Wolfgang Sunderbrink // Mrz 30, 2012 at 09:37

    Ich wünsche mir, daß Piraten, Linke und FPD nicht in en Landtag kommen und eine deutliche Mehrheit für SPD und Grüne.

  • 7 Ralf Wolff // Apr 12, 2012 at 14:26

    Ich wünsche mir , daß die CDU, FDP und Grüne nicht in den Landtag einziehen.

  • 8 Didier // Mai 7, 2012 at 10:34

    Noch mal zurück zu Lindners seinerzeitigem Rücktritt. Ist man Verschwörungstheoretiker, wenn man mal ein anderes Szenario entwickelt:

    Lindner weg, spontan und ohne jedwede Begründung. Dann plötzlich (warum?) kippt die NRW-FDP die Regierung, es kommt zu zeitnahen Wahlen NRW und Schleswig-Holstein / respektive Kubicki. Plötzlich taucht Lindner wieder aus der Versenkung auf und wird NRW-Spitzenkandidat. Und dann die FDP-Propaganda in NRW: “Das ist meine FDP”. Als nächstes tritt Bahr zurück als FDP-Landesvorsitzender in NRW zugunsten von Lindner (eine Woche vor der Wahl). Was klar war: Kubicki kommt über die 5 Prozent. Lindner schließt sich dem Trend gerne an bzw kann gut davon profitieren. Insgesamt – und übergeordnet: So kann man auch die eigene Parteiführung im Bund aushebeln. Und sich selbst wieder ins rechte Licht rücken.

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