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Norbert Röttgen- ein Rückversicherer

19. März 2012 · von Alfons Pieper

Röttgen überzeugt 2010 die NRW CDU bei den Regionalkonferenzen. Heute will er lieber in Berlin bleiben. Bildquelle: cdunrw.de

Röttgen überzeugt 2010 die NRW CDU bei den Regionalkonferenzen. Heute will er lieber in Berlin bleiben. Bildquelle: cdunrw.de

Norbert Röttgen, der CDU-Spitzenkandidat für die vorgezogene Landtagswahl am 13. Mai, wird von vielen CDU-Politikern- Freunden kann man wohl nicht sagen- gedrängt, klipp und klar zu sagen, dass er in jedem Fall nach Düsseldorf wechseln werde. Auch als Oppositionschef. Das aber will Röttgen nicht. Er will lediglich als Ministerpräsident in die NRW-Metropole wechseln. Eine Kandidatur mit Rückfahrkarte. Rückversicherer nennt der Volksmund auch gern solche Personen, die das Risiko scheuen und sich lieber dagegen absichern. Die Menschen schätzen eine solche Haltung nicht.

Nach der Wahl werde man über weitere Schritte entscheiden, betont die NRW-CDU. Als wenn Röttgen nach einer Wahlniederlage erklären würde, sein Ministeramt samt seinem Bundestags-Mandat aufzugeben und in die Provinz zu wechseln, um im Landtag der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die Leviten zu lesen. Selten so gelacht, Herr Wittke. Der CDU-Generalsekretär versucht gerade die Linie seines Chefs zu verteidigen. Was seine Aufgabe ist. Schließlich ist der Generalsekretär zur Loyalität mit dem Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten verpflichtet. Nachvollziehbar wird die Argumentation dadurch nicht.

Sogar Angela Merkel soll ihm den Wechsel nahegelegt haben, wird in Berlin erzählt. Oder ist bekannt, dass sie ihn gedrängt habe, Bundesminister zu bleiben, weil Muttis Liebster ja die Energiewende umsetzen müsse? Horst Seehofers Forderung an Röttgen ist längst verbreitet. Auch Friedrich Merz, einer der Wahlkampfhelfer Röttgens, hat für den Wechsel nach NRW und die Aufgabe der Berliner Ämter plädiert. Röttgens Verhalten, so stand es in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung(FAS), irritiere die Uniion. Die FAS ist nicht irgendwelcher sozialistischer Neigungen verdächtig. Auch andere eher konservative Blätter sehen Röttgen in der selbst gestellten Falle und fordern Klarheit.

Andere Politiker haben an die Kandidatur von Norbert Blüm 1990 gegen Johannes Rau erinnert und an Blüms Weigerung, nach Düsseldorf zu gehen. Blüm verlor die Wahl und blieb Arbeitsminister im Kabinett Kohl. Oder nehmen wir Berlin: Renate Künast hatte in der Hauptstadt ebenfalls mit einer Rückfahrkarte gegen Klaus Wowereit kandidiert und verloren. Die Grünen-Politikerin war nicht bereit, ohne Wenn und Aber für das Berliner Abgeordnetenhaus anzutreten.

Nun also Norbert Röttgen, der smarte rheinische Politiker mit höheren Ambitionen, hin und wieder auch der Mann nach Merkel genannt. Der Mann, der sich nach dem Abgang von Jürgen Rüttgers als CDU-Landesvorsitzender gegen Armin Laschet durchsetzte. Der aber als Bundesumweltminister in Berlin geblieben ist, im Kabinett von Angela Merkel. Und der soll jetzt freiwillig nach Düsseldorf wechseln?

Im Klartext: Röttgen behält seine Berliner Pfründe, weil die aktuellen Meinungsumfragen für ihn nichts Gutes vorhersagen. Demnach liegt die SPD klar vor der CDU, rangieren die Grünen bei rund 15 Prozent, laufen die Liberalen und die Linken Gefahr, aus dem Landtag zu fliegen, entern die Piraten das Landtags-Schiff in Düsseldorf. So sieht es aus, Norbert Röttgen. Und nicht anders.

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5 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Spider // Mrz 19, 2012 at 21:16

    Normalerweise ist Ministerpräsident nur ein Job. Im NRW-Landtag muss man allerdings Abgeordneter sein, um Ministerpräsident zu werden.

    Das führt hier zu seltsamen Verstrickungen. Z.B. müsste sich Röttgen für ein Lanttagsmandat aufstellen lassen, obwohl er ja schon Abgeordneter im Bundestag ist.

    Und zwei Mandate sind in dem Umfang nicht zu bewältigen.

    Mit dem Wechsel vom Ministeramt zum Ministerpräsidenten hätte ich jetzt keine solche Probleme, weil das eben Jobs sind.

    Ein Tipp für die CDU in NRW. Ändert das mit dem Ministerpräsidenten nach der NRW-Wahl.

  • 2 Anonym // Mrz 20, 2012 at 06:52

    Da überschätzt jemand offensichtlich die eigene Unentbehrlichkeit.
    <Wer in Berlin als Minister gebraucht wird, der kann nicht in Düsseldorf Wahlkampf machen.
    Umgekehrt gilt natürlich auch, dass wer in Düsseldorf Wahlkampf machen kann, nicht so dringend in Berlin gebraucht werden kann…

    Ich will keinen Landesvater, der sich nur auf der Regierungsbank für NRW einsetzen will, wir haben Besseres verdient.
    Soweit kann es ja dann mit der Liebe zum Land, dass laut Wittke ja der Lebensmittelpunt des Hr. R. ist, auch nicht her sein.

  • 3 Links anne Ruhr – und am Rhein (Landtagswahl #nrw12) 20.03.2012 » Pottblog // Mrz 20, 2012 at 16:52

    [...] zweiten Platz" (RP ONLINE) – Siehe auch: Röttgen hält sich Opposition offen, Norbert Röttgen – ein Rückversicherer und Der [...]

  • 4 Jens // Mrz 21, 2012 at 01:12

    @Spider:
    Als MdL kandidiert er ja bereits. Das er beide Mandate nicht parallel ausüben kann ist an sich klar.

    Aber: Er muss ja erst mal überhaupt MdL werden – sonst hat er gar keine Chance auf MP, da ja nur MdLs MP werden können.

    Ich vermute, dass das der Grund ist, warum Röttgen sich scheut. Wenn er jetzt in Berlin zurücktritt (als Minister und MdB) hat er u.U. das Pech, das er gar nicht in den Landtag einzieht. Dann kann er Opposition von der Wasserstraße aus machen. Noch bitterer wäre es für ihn, wenn gar die CDU den nächsten MP stellen könnte (wovon ich nicht ausgehe) und Röttgen das Pech hat nicht im Landtag zu sitzen…

  • 5 Daro Gukima // Mrz 22, 2012 at 00:01

    Zur Sache selbst nur dieses: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,822212,00.html

    Zum diesem Blog aber noch folgendes: Pieper und Co. haben mal behauptet, unabhängig und vor allem neutral zu sein. Wenn dem so wäre, dann hätte man hier, nachdem auch von hier die Demontage von Jürgen Rüttgers erfolgreich betrieben wurde, mit der gleichen Intensität etwas über das Spiel mit der Angst vor angeblich verschwunden Brennelementekugeln stehen müssen, über die Missachtung von Pairingabkommen, über die die zwielichtige Finanzierung der TatKraft-Tour, über eine Staatsekretärin, die schwarzarbeiten lässt etc. Und was kam dazu? NICHTS! FEHLANZEIGE! Stattdessen wird sich jetzt wieder nur auf CDU und FDP eingeschossen. Unabhängig? Neutral? SELTEN SO GELACHT, HERR PIEPER!

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