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Piraten entern erst Berlin, dann das Saarland und bald … Heiko Maas vielleicht nur noch ein Kandidat auf Zeit?

26. März 2012 · von Josef Fuchs

Unter dieser Flagge wird aktuell Angst und Schrecken auf den Meeren der etablierten Parteien verbreitet. Bildquelle: Piratenpartei

Unter dieser Flagge wird aktuell Angst und Schrecken auf den Meeren der etablierten Parteien verbreitet. Bildquelle: Piratenpartei

Für die politische Landkarte der Bundesrepublik ist das Wahlergebnis im Saarland nur bedingt aussagefähig. Nicht einmal 500.000 der rund 800.000 Wahlberechtigten haben dort am Sonntag ihr Kreuzchen gemacht. Eine zu vergessende Größe. Außerdem waren die Rahmenbedingungen, mit denen CDU und SPD um Wähler warben, ziemlich gewöhnungsbedürftig, versprachen sie doch als ziemlich sicheres Ergebnis der Wahl eine große Koalition.
Vor allem für die SPD war diese Festlegung ebenso unumgänglich wie demotivierend.

Sie war der Angst vor den zerstörerischen Spielchen Lafontaines geschuldet. Denn die graue Eminenz der Linken hatte im Saarland nichts anderes im Sinn, als der Sozialdemokratie zu demonstrieren, dass der SPD ohne ihn der Weg zur Macht verstellt ist. Auf seinem Rachefeldzug gegen die Partei, deren Vorsitzender und Kanzlerkandidat er mal war, ist Lafontaine nach dem Einbruch der Linken im westlichen Bundesgebiet nur noch das Miniländchen geblieben, um der Sozialdemokratie und seinem ehemaligen politischen Ziehsohn, Heiko Maas, seine zerstörerische Macht zu demonstrieren.

Selbst wenn die herben Verluste der Linken zeigten, dass auch an der Saar die Attraktivität Lafontaines ihren Höhepunkt überschritten hat, reichte es doch, um die SPD auf Platz zwei zu drücken. Saarländische Paradoxie: Annegret Kramp-Karrenbauer Ministerpräsidentin von Lafontaines Gnaden.

Was der Populist im Saarland treibt, hat nur noch wenig mit rationaler Politik, sondern fast ausschließlich mit persönlicher Obsession zu tun. Er braucht es offensichtlich für sein politisch nie erwachsen gewordenes Ego, seine destruktive Kraft unter Beweis zu stellen.

Opfer dieser Kraft ist nun zum dritten Mal Heiko Maas geworden. Der ewige Spitzenkandidat, eine inzwischen schon tragische Gestalt. An seiner Koalitionsaussage kommt die SPD nicht vorbei. Aber die Lust, diese einzuhalten, ist bei einem Teil der Partei so gering, dass die Koalitionsfrage über die gesamte Legislaturperiode köcheln dürfte.

Da wird sich für Maas die Frage stellen, ob er über die nächsten fünf Jahre noch der Richtige ist, um den Laden an der Saar zusammen zu halten.

Was das Abschneiden der Grünen und der FDP angeht, so ist es die Quittung für das Jamaica-Abenteuer. Die Liberalen haben bewiesen, dass man das bundesweite Meinungstief noch toppen kann, wenn man sich im Landtag den Luxus einer total zerstrittenen Fraktion gönnt. Im Ergebnis gerade einmal noch knappe dreihundert Stimmen mehr einzufahren als die rechtsradikale NPD ist ernüchternder Tiefpunkt in der liberalen Parteigeschichte. Dass da die mageren vier Prozent, die die Demoskopen der FDP in Kiel und Düsseldorf prognostizieren, schon als beinahe positive Signale gewertet werden, zeigt die wahre Verfasstheit der FDP.

Wenn es zu einem Teil auch die beschriebenen saarländische Eigentümlichkeiten waren, die den Piraten zum Blitzaufstieg verholfen waren, lässt sich ihr Ergebnis am ehesten auf die bundesrepublikanische Landkarte übertragen. Die Truppe, die fehlende Programmatik zum Programm gemacht hat, wirkt im Moment anziehend vor allem auf junge Wähler. Wie lange die Klientel das prickelnd findet, ist mehr als unberechenbar. Das schnelle Auf und Ab der westlichen Linken und der Westerwelle-FDP als Klientelparteien hat gezeigt, dass der Klientelschwarm keine verlässliche Bank ist.

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2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Udo // Mrz 26, 2012 at 16:32

    Maas hat es drei Mal versucht, und ist drei Mal gescheitert, wird also ohnehin Zeit für neues Personal und weniger (vor allem negative) Koalitionsaussagen vor der Wahl.

  • 2 Aufgelesen … Nr. 20/2012 | Post von Horn // Mrz 28, 2012 at 16:31

    [...] Prantl (Süddeutsche) meint, das Resultat spiegle bundesweite Trends wieder. Dagegen behauptet Josef Fuchs (Wir in NRW Blog), die Verhältnisse im Saarland ließen sich nur bedingt auf Deutschland übertragen. P A R T E I E [...]

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