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Das Fernsehduell. Eingeschaltet von Oskar Pfaffenhausen.

Posted By Oskar Pfaffenhausen On 30. April 2012 @ 23:40 In Unsere Themen | 1 Comment

Wie immer: Nur Sieger. Je nachdem, wen man fragt. Bildquelle: www.wdr.de

Wie immer: Nur Sieger. Je nachdem, wen man fragt. Bildquelle: www.wdr.de

Kraft gegen Röttgen. Wer Krawall und Krach erwartet hat, der wird enttäuscht. Beide kämpfen mehr mit dem verbalen Florett als dem polemischen Säbel. Der Herausforderer mehr in der Vorwärtsbewegung und die Amtsinhaberin naturgemäß öfter in der Verteidigungshaltung. Alle großen Themen werden gestreift, mit Schlagworten versehen, Hannelore Kraft mit dem Hauch mehr Menschlichkeit, den Hinweisen auf den kleinen Mann, der vorsorgenden Politik, während der Angreifer oft mit ungeduldiger Schärfe zulangt, auch dazwischen plappert, mehr Sendezeit für sich in Anspruch nimmt und mit viel Zahlen argumentiert. Jeder sieht dieses Land aus seiner Brille. Ob das beim Streit um die Kita-Pflicht, um den Haushalt, die Verschuldung ,Leiharbeit oder die Energiewende ist, diese Auseinandersetzung leidet unter dem rigiden Sendekonzept, in dem sich der wohltemperierte Schlagabtausch meist in politischen Allgemeinplätzen erschöpft. Röttgens Aggressivität , mit der er Kraft vorwirft, mit ihrem Haushalt beim Landesverfassungsgericht gescheitert zu sein, kontert sie milde-mütterlich, gleiches sei ja schon der Vorgängerregierung Rüttgers passiert, läuft dann ins Leere. Sein Hinweis auf die Neuverschuldung des Landes kontert sie mit dem Schuldenberg der Bundesregierung. Welcher Zuschauer kann hier schon unterscheiden, ob hier nicht Äpfel mit faulen Eiern verglichen werden.

Es ist die Regie des alten Fernsehspiels für ein politisches Schaugefecht, in dem natürlich keiner einen Fehler machen will und es mehr auf die Wirkung als die Differenzierung ankommt. Röttgen versucht Unterschiede beispielsweise bei der Frage einer Kita-Pflicht deutlich zu machen, hier wirft er Kraft vor, sie wolle den Kitabesuch zur Pflicht machen, während sie ihre Argumente in diesem Zusammenhang auf das auch in der Union umstrittene Betreuungsgeld lenkt. Bei solchen Themen und widersprüchlichen Aussagen könnten die Fernsehmacher es den Zuschauern erleichtern, wenn sie sich ein wenig anstrengen und entsprechende Aussagen aus dem Wahlkampf einblenden würden. Originalzitate aus den Fernseh-Archiven sind immer glaubwürdiger als ermüdende Vorwürfe und endloses Zitieren aus Statistiken.

Es bleibt auch beim politisch Interessierten nach solchen Fernsehabenden ein ganzer Fragenkatalog übrig. Zu vieles ist nebulös, verborgen im politischen Wortdurchfall, der die Auseinandersetzung im Ungefähren lässt, weil natürlich die Argumente und Vorwürfe nicht erst seit diesem Wahlkampf ausgetauscht werden. Und es bleibt auch die Frage offen, nach welchem Menschenbild, nach welchen Zukunftsentwürfen für Natur, Wirtschaft oder sozialem Gemeinwesen sich Politiker und Parteien richten. Wenn in dieser Diskussion zwar die Leiharbeit gestreift wird, aber die Themen strukturelle Arbeitslosigkeit, prekäre Arbeitsverhältnisse oder Chancen des qualitativen Wachstums auch und gerade für das tradierte Industrieland Nordrhein-Westfalen keine Rolle spielen, dann heißt es in der Schlusswertung: Thema verfehlt!!!
Auch beim Leib und Magenthema Röttgens „Energiewende“ nichts als alte Floskeln. Sie ist, in politischen Zeiträumen gedacht, vorgestern erst von der Bundesregierung beschlossen, für den CDU-Spitzenkandidaten von der Landesregierung aber jetzt schon verschlafen worden. Der unabhängige Beobachter erinnert sich an andere Zusammenhänge, auch wenn Hannelore Kraft hier dem Vorgänger Rüttgers die Schuld an energiepolitischen Fehlentscheidungen gibt .Die Milliardenruine Kraftwerk Datteln sei aufgrund der Planungsfehler der Rüttgers-Regierung entstanden. Alles bleibt beim bekannten Schwarzen Peter-Spiel.

Zum Schluss bleibt auch die Frage offen: Bleibt Röttgen bei einer Wahlniederlage in NRW ?
Keine Antwort hierzu, nur politisches Filibustern und schon war eine Stunde vorbei.


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