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Anmerkungen zu David Schraven

13. Mai 2012 · von Gabriele Gans

Zu den Hintergründen und Motiven der Stern- bzw. CDU-Kampagne haben wir eigentlich alles gesagt. Da die Debatte weiter tobt und wir insbesondere auf und von den Ruhrbaronen & „Friends“ unter Feuer genommen werden, wollen wir doch noch einmal zu dem Vorwurf Stellung nehmen, wir wollten einen aufrechten Journalisten „platt machen“ . Das wollen wir ganz sicher nicht. „Journalisten gegen Journalisten“ ist ein Szenario, dass eigentlich niemanden gefallen kann. Aber wer so rüde gegen journalistische Grundsätze verstößt, wie die Autoren der kontrafaktischen Sterngeschichte und des offensichtlichen Initiators, David Schraven, muss sich gefallen lassen, dass man ihn an die Wirklichkeit und an die Wahrheit erinnert.

Hier ein paar Fakten:

1. David Schraven hat seit spätestens Anfang April an dem Thema „SPD finanziert Blogger“ gearbeitet.
2. Grundlage seiner Recherchen sind, wie mehrere unabhängige Quellen bekundet haben, Dossiers der CDU NRW über mutmaßliche Autoren und Akteure des Wir-in-NRW-Blog.
3. David Schraven hat aus den „Ergebnissen“ seiner Recherchen eine abenteuerliche Geschichte „gestrickt“, die in der Redaktion der WAZ aber nicht akzeptiert wurde.
4. Danach soll David Schraven diese Materialien dem Spiegel angeboten haben, wie von zwei unabhängigen Quellen berichtet wird. Dieser lehnte eine Veröffentlichung offenbar ab.
5. Danach wurden diese Materialien dem Stern zugespielt. Auf welchem Weg wissen wir nicht in den Details, aber:
6. Der Hauptautor der Sterngeschichte Oliver Schröm ist nicht nur Leiter des Teams „Investigative Recherche“ beim Stern sondern auch Vorsitzender des Netzwerks Recherche e.V. Sein Schatzmeister ist David Schraven (also doch eher ein „buddygate“?).
7. Schröm behauptet nun, die Informationen seien anonym dem Stern „zugeliefert“ worden! David Schraven hat unserer Behauptung, er sei der „Lieferant“ ,allerdings nicht widersprochen!
8. Die Aussagen des Artikels im Handelsblatt, „CDU-U-Boote schreiben einen Skandal herbei“ , sind nicht nur gut recherchiert sondern auch sehr plausibel. Denn was auffällt: David Schraven fährt u.a. auch auf dem Ticket der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Kaderschmiede der CDU. Wer sich über ihn informieren will, findet z.B. unter http://www.kas.de/upload/dokumente/cv/cv_schraven_d.pdf seine Vita! Dass er das Handwerk vor allem beim Springer-Verlag gelernt hat, kann sein Arbeitsstil, den er bei seinem Vorgehen gegen unseren Blog an den Tag gelegt hat, nicht verleugnen.
9. David Schraven hat den CDU-Kadidaten für das Amt des Oberbürgermeisters in Mülheim/Ruhr, Stefan Zowislo (damals Marketingleiter bei der WAZ!!!!!) , im Wahlkampf 2009 auf vielfältige Weise aktiv unterstützt. Man lese dazu einmal mit Genuss seine Lobhudeleien auf ruhrbarone.de. Und dass, obwohl der Kandidat tief im Sumpf des „Geld und Liebe“-Skandals der CDU in Mülheim steckte. An Schraven ging das merkwürdigerweise völlig vorbei! Nach der Landtagswahl wurde Schraven dann ja von der WAZ angeheuert. Jetzt ist Zovislo Geschäftsführer beim Klartext-Verlag. Dort werden viele gute und wirklich schöne Bücher über NRW produziert. Und die Printausgabe der Ruhrbarone! Nebenbei bemerkt: Dass in der WAZ viele Schlüsselpositionen mit Springer-Leuten besetzt wurden, kann man z.B. hier nachlesen.
10. David Schraven ist vielfältig vernetzt. Mit Mächtigen bei der WAZ, der KAS, in der CDU, bei Springer und in der Blogszene (schade, dass uns der Stern hierzu keine Filz-Grafik geliefert hat). Wer sich mit ihm anlegt, muss sich warm anziehen. Dann greift er zu Mitteln, die unwürdig sind. Da geraten dann auch schon mal Angehörige ins Fadenkreuz. Entlarvend auch hier seine Masche: Behauptungen, Vermutungen, Mutmaßungen mit vielen Fragezeichen. Klar: Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. David Schraven ist leider oft ein Hobler. Ethische Prinzipien sind da halt Ballast. Entsprechend dieser Linie hat er zum Beispiel in der aktuellen Geschichte, wie uns mehrfach und unabhängig voneinander versichert wurde, nahezu allen Mitarbeitern zumindest bei einer der Agenturen, die er „befragt“ hat, die Fragen und Informationen aus dem CDU-Dossier zugespielt. Ein presserechtlich unglaublicher Vorgang. Und Mobbing zugleich.

David Schraven hat auch viele gute Artikel geschrieben. Gar keine Frage. Er hat für eine außerordentlich gute Recherche auch vor einigen Jahren mit dem Wächterpreis einen der wichtigsten Journalistenpreise erhalten. In der Regel sind solche Preise ein Antrieb, noch besser zu werden und die Erwartungen, die nachfolgend in einen gesetzt werden, zu übertreffen. Daran gemessen ist er leider doch recht oft statt über die Latte einfach drunter her gesprungen. Vor allem, wenn es politisch opportun war und seiner Karriere zu nutzen schien. Dass kann und muss man ihm auch bei seinem blinden Kreuzzug gegen den Wir-in-NRW-Blog vorwerfen.

Dass im Hintergrund noch ganz andere Fäden gezogen werden, lässt sich leicht auch an anderen Merkwürdigkeiten erkennen: Der Stern-Autor Oliver Schröm ist ausgewiesen durch spektakuläre Projekte: CIA, deutsche Geheimdienste, den Liechtensteiner Datendiebstahl und vieles mehr. Als Buchautor ist er uns bekannt durch die Enthüllungen über braune Netzwerke, über den Wegbereiter des internationalen Terrors, über das Netzwerk der Al Qaida oder auch über die Arbeit deutsche Terrorfahnder. Ähnlich ausgewiesen sind die Projekte seiner Mitautoren Elmer, Plonka und Liedtke. Und jetzt wurde von diesem Dream-Team unser kleiner Blog ins Visier genommen. Und in maximal 3 Tagen “Investigation” abgefrühstückt. Das ist der Ehre wirklich etwas zu viel. Bis Nordrhein-Westfalen waren die „Stern-Fahnde“ eigentlich noch nicht gekommen. Wer hat denn da an der „Uhr“ gedreht? Das, so mutmaßen wir einstweilen munter, sieht doch stark nach höherer Weisung aus. Auch hier wäre eine kleine Grafik des großen schwarzen Filzes hilfreich.

Alfons Pieper hat zu dem üblen Vorwürfen alles gesagt. An die CDU und ihre willigen Helfer fügen wir gerne noch an: Wir lassen uns nicht diffamieren, nicht kriminalisieren und auch nicht einschüchtern. Wir machen, ehrlich gesagt in ziemlich fröhlicher und gelassener Stimmung, munter weiter. Wir bedauern, dass Unbeteiligten durch Schraven, Stern und der Taskforce der CDU zur Liquidation von Wir-in-NRW echter Schaden entstanden ist. Das konnten wir nicht absehen, das hätten wir gerne verhindert. Besonders entschuldigen wir uns natürlich bei Trixi und den vielen üblen Zuschriften an den kleinen Hund, der angeblich Rüttgers gestürzt haben soll. Vorzuwerfen haben wir uns da aber nichts.

Wer den „Wir in NRW Blog“ wegen seiner Arbeit kritisiert, soll das gerne tun. Jeder ist auch herzlich eingeladen, das auf unserer Plattform auszutragen. Aber ein Mindestmaß an Anstand und Fairness erwarten wir von Seiten anderer Journalisten. Bei den Parteien sind wir da weniger anspruchsvoll. Da gehört das Werfen von Dreck ja leider oft zum Berufsbild. Trotzdem hätten wir von der CDU etwas mehr erwartet. Vielleicht kommt da die Demut nach der Wahl. Wir werden es bald sehen.

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11 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Winfried Sobottka // Mai 13, 2012 at 12:13

    Sehr geehrte Gabriele Gans, Sie schreiben:

    Das wollen wir ganz sicher nicht. „Journalisten
    gegen Journalisten“ ist ein Szenario, dass
    eigentlich niemanden gefallen kann.”

    Ich möchte Ihnen und allen von hier aus etwas
    sehr Wichtiges sagen:

    Wir haben unerträgliche Probleme in unserem
    Lande und auf der ganzen Welt, die überwiegend
    schön geredet, verbrämt, verschwiegen werden.

    Einer der Gründe dafür ist, dass es irrigerweise
    als anständig erklärt wird, keine Kritik zu üben:

    - Rechtsanwälte haben Rechtsanwälte nicht zu
    kritisieren, Ärzte haben Ärzte nicht zu
    ritisieren, Journalisten haben Journalisten nicht
    zu kritisieren, Richter hat niemand zu kritisieren
    usw. usf.

    Merkt denn wirklich niemand, dass auf diesem
    Wege jedes Korrektiv von Fehlentwicklungen
    kalt gestellt wird? Dass Probleme so niemals
    beseitigt werden können, dass ihnen so vielmehr
    die Gelegenheit gegeben wird, wie Krebs-
    geschwüre zu wachsen?

    Die Natur hat uns ein wirksames Mittel gegeben,
    um Menschen, die den rechten Weg verlassen,
    wieder auf ihn zurück zu bringen: Er wird
    solange mit totaler sozialer Verachtung gestraft,
    bis er reumütig um Vergebung bittet und
    Besserung gelobt. So läuft das in Naturgesell-
    schaften – theoretisch. Denn die totale soziale
    Verachtung in einer kleinen Lebensgemeinschaft
    ist eine so harte Strafe, dass es niemand wagen
    würde, sie auf sich nehmen, auch wenn er sich
    ihrer durch wahre Reue wieder entledigen
    könnte. Aber es ist eben auch kein Vergnügen,
    auf die Knie zu gehen und solange um
    Vergebung zu betteln, bis man alle Herzen weich
    gerührt hat.

    Wir müssen alle Missstände kritisieren, wir
    müssen jede und jeden an den öffentlichen
    Pranger stellen, der an der Produktion oder
    Aufrechterhaltung von Missständen mitwirkt,
    solange,bis er reumütig Abkehr schwört und
    diese Haltung auch beweist.

    Ansonsten, sehr geehrte Gabriele Gans, werden wir alle untergehen.

  • 2 Klaus Jarchow // Mai 13, 2012 at 13:43

    Erstaunlich finde ich immer, dass diese Ursächler unverdrossen glauben, in Zeiten des Internet kämen sie mit Schwarzer PR im Old-School-Stil noch unbeschadet über den Parcours …

  • 3 Wähler // Mai 13, 2012 at 16:12

    ..nun David S, schiebt oft genug fadenscheinige Fakten an seinem Busenfreund Stefan Laurin und seine Kumpanen von den Ruhrbarönchen (http://www.ruhrbarone.de/impressum/) weiter, die dann zur einseitigen Meinungsbildung missbraucht werden!

    Klarer und unabhängiger Journalismus sieht anders aus!!!

  • 4 David Schraven // Mai 13, 2012 at 17:20

    Hallo Frau Ganz,

    Sie sollten weniger Kaffee trinken, das hilft.

    Grüße David Schraven

  • 5 admin // Mai 13, 2012 at 18:26

    Oh, Frau Gans steht unter direkter Beobachtung! Sehr aufschlußreich Ihr Kommentar.

  • 6 Ekkehard Knauff // Mai 14, 2012 at 04:50

    …und nun, liebe WAZ/RP and so on?
    Herr Schaven, Sie haben verloren, und niemanden freut das mehr als mich als Leser dieses Blogs.
    Ich hoffe, und vertraue darauf, dass dieser Blog ist, was er ist:
    ein kritischer Begleiter der NRW-Landespolitik und darüber hinaus.
    Danke für diesen Blog und dass es ihn gibt.

  • 7 nrwwatch // Mai 14, 2012 at 10:19

    Was mir fehlt, ist der Aspekt des käuflichen Journalisten. Nirgends ist das besser zu beobachten als am Recherchekönig Schraven. Oder wie war das Herr Hombach, als sie noch was zu sagen hatten und sie die Abwahl ihres Kumpels Rüttgers rächen wollten. Mit so einer Figur wie Schraven!

  • 8 David Schraven antwortet auf Vorwürfe von “Wir in NRW” | Ruhrbarone // Mai 18, 2012 at 09:10

    [...] Im Umfeld der Enthüllungen des Magazins Sterns rund um das Blog “Wir in NRW” und Auftragsvergaben der rot-grünen Landesregierung wurde der WAZ-Redakteur und Gründer dieses Blog, David Schraven, ebenso wie  wir  von “Wir in NRW” scharf angegriffen. [...]

  • 9 Erik Staake // Mai 18, 2012 at 20:00

    Auweia! Nicht noch so ein Alt-68er, der SPRINGER-Bashing betreibt. Sie sollten sich mal schlau machen, wer David Schraven damals zur WELT geholt hat und jahrelang sein Vorgesetzer war! Dann würden sich Ihre CDU-Verdächtigungen erübrigen. Derjenige ist heute einer der obersten Kommunikatoren von Rot-Grün in NRW….

  • 10 Campf David // Mai 19, 2012 at 08:23

    @Staake & friends

    “Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel” (Paul Watzlawick)

    Aha, also Springer steht für Qualitätsjournalismus und jeder, der das bezweifelt betreibt Bashing.

    Wie war noch mal die Definition von Fundamentalismus?

  • 11 Foner Dag. Dipl. Ing. // Apr 9, 2013 at 11:38

    Herr Journalist David Schraven ǁ wdr 5 ǁ 09.04.2013
    Sehr, sehr verehrter Herr Journalist David Schraven; wirklich interessant, was Sie da zum Besten geben. Wie dem auch sei; es kommt viel, viel schlimmer.
    Mit vielen Grüßen Dagobert R. Forner
    Dag. R. Forner Dipl. Ing. Zum Werhahn 2; 50169 Kerpen
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    Ein Buch: „Hitler was a British Agent“ ISBN |0-473-10453-9 |

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