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Wahlkrampf im Schlussspurt

11. Mai 2012 · von Oskar Pfaffenhausen

Da ist ja gewaltiger Dampf abgelassen worden: heiße Luft im Wahlkampfendspurt, der noch einmal auf Touren gebracht werden soll. Nur, was der Stern und seine Abschreiber mit dieser Geschichte wirklich zur Show stellen, ist das Trauerspiel eines verloderten Journalismus. Unterstellungen statt Fakten, Mutmaßungen statt Recherchen, Durchstechereien zweitklassiger Hinterhofschreiber, die In Ihrem Leben noch keinen Skandal aufdeckten, sondern sich selbst zum Skandalon machen.

Was sind die Tatsachen? Im Wahlkampf 2010 hat der Blog mit mehreren Exklusivgeschichten vor allem aus der Trickkiste der CDU-Walkampfstrategen erst Öffentlichkeit hergestellt. Eine Öffentlichkeit, die der Union natürlich nicht gefallen hat und einigen der tief eingeschlafenen Berichterstatter auch nicht. Der CDU und Ihrem wahlkämpfenden Spitzenkandidaten Rüttgers haben die Geschichten über die Video-Überwachungen Hannelore Krafts, Selbstbedienungen/Grabenkämpfe in der CDU-Zentrale etc. natürlich geschadet. Ebenso wenig passte dies Journalisten, die von Ihren Zentralen nach der Blogberichterstattung wach gerüttelt wurden.

Das ist aber vorwiegend das Problem der Täter und nicht der Enthüller. Wenn es ähnliches in anderen Parteien gegeben hätte, dann wäre vom Blog auch darüber berichtet worden . Im Übrigen spricht es für die Selbstreinigungskraft der CDU, wenn sich einige Ihrer Mitglieder an den Blog wenden und die Sauereien kund tun. Genau hier sollten die heutigen Blog-Kritiker in den Spiegel schauen und sich fragen, warum sie selbst nicht entsprechende Skandale aufdeckten und aufdecken,
sich erst aus der zweiten Reihe aufs Zitieren von „Kollegen“ verlassen. Um es deutlich zu machen: Der Spiegel hat übrigens die Finger von dieser Geschichte gelassen nachdem WAZ-Rechercheure Vergeblich mit Großinquisitorischen Fragenkatalogen ausgeholt hatten. Recherche-Chef Schraven , Bodo Hombach-Zögling, fand trotz seiner massiven Rundumschläge bei Blog-Mitarbeitern im eigenen Haus keinen Abnehmer für seine Geschichte von den finsteren SPD-Blog-Finanziers. Seine Fragen allerdings wurden dann fast wortgleich vom Spiegel und Stern gestellt. Hat da „jemand“ über sein Netzwerk Recherche durchgesteckt. Welch ein Vertrauensverhältniss muss da bei der WAZ herrschen!! Der Spiegel bekam umfassende Antworten, auch Hintergründe genannt und verzichtete auf die dünne Suppe, auslöffeln wollte sie wohl der Stern, als Nachtisch sozusagen zur Gewissensberuhigung für die blumige Home-Story über Hannelore Kraft in dieser Woche. Nun ergötzt sich die CDU und die sie begleitende Rheinische Post (heute sogar mit einem Fünf-Spalter) von Neuem um Aufträge des SPD-geführten Familienministeriums an die Agentur Steinkühler. Dieser hat nach Angaben des Ministeriums für rund 300 000 EUR Aufträge bekommen.

Das geschah nach der Wahl und ist eine Sache zwischen Steinkühler und seinen Auftraggebern. Das hat mit dem Blog nichts zu schaffen, der sich immer selbst finanzierte und nie Geld von Außen annahm . Wenn jetzt in der Schlußkurve des Wahlkampfs die CDU von einem „in den letzten Jahren beispiellosen Vorgang „spricht, dann hat sie recht: Sie hat nichts dazu gelernt.

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9 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 bee // Mai 11, 2012 at 10:46

    uiuiui, geht’s vielleicht noch ‘nen tick ein bisschen überheblicher?

    vermutlich ist es ihnen nicht aufgefallen, aber sie behaupten hier auch eine menge dinge ohne sie zu belegen. liegen ihnen gesprächsprotokolle aus den redaktionen vor, ja?

    achja, es ging übrigens nie darum, dass der blog selbst geld bekommen hat, sondern um herrn steinkühler. aber es kommt ja immer gut an, wenn man was dementiert – auch wenn das dementierte so gar nicht zur debatte stand, ne?

  • 2 Iwernarrisch // Mai 11, 2012 at 11:19

    Wie wenig gerade die RP Schreiber gelernt haben sieht man an der heutigen Berichterstattung. selbstverständlich wird den angeblichen Fragen der CDU breiten Raum eingeräumt und nicht der Entscheidung des Landgerichts die dem Stern die bisherige Berichterstattung um die Ohren haute . würde man das Ernst nehmen wären ja auch die CDU Fragen gegenstandslos, und das will man ja nicht, oder?
    Warum sollte man auch seine Jahrzehnte bemühte Schwarzschreiberei plötzlich einstellen? Warum seine Auftraggeber verprellen. Gottseidank wird das alles ohne Wirkung bleiben, das plumpe durchschaubare Spiel der CDU wird den Wähler nicht beeinflussen.

  • 3 Detlev Funk (svennii) // Mai 11, 2012 at 13:47

    Alles halb so wild. Wenn es da keinen Zusammenhang gibt braucht niemand etwas zu befürchten und die CDU blamiert sich ein erneutes Mal.
    Allerdings erwarte ich aber auch, dass zu diesen Vorwürfen Stellung genommen wird, von mir aus nach der Wahl. Und mir geht es nur um die angeblichen finanziellen Vorteile.

    Wäre die Situation anders herum, ja du liebe Güte! Die SPD würde abgehen wie ein Zäpfchen!

    Also: Warten wir es ab. Vielleicht ist ja diesmal jemand erwischt worden, denn Lobby-Kuscheln ist ja eh und je schon “Parteisport”, und das gilt für alle!

  • 4 Wähler // Mai 11, 2012 at 14:30

    och den Schraven von den http://www.ruhrbarone.de/ und jetzt WAZ würde ich nicht ernst nehmen, wer so einseitig gegen Sauerland hetzt und nicht die jeweiligen Situationen hinterfragt ist ein Popo ähm ein Lautschreijornalist oder so…

  • 5 Mustang // Mai 11, 2012 at 19:52

    Die Rheinische Post, (bekannt als Nachschreiberblatt und CDU-Hauspostille), hat selbstverständlich die Vorwürfe des Sterns auch abgedruckt.

    Was will man auch von einer Zeitung anderes erwarten, die die CDU finanziell unterstützt:

    2009: Mediengruppe Rheinische Post Rheinische-Bergische Verlagsgesellschaft mbH Zülpicher Str. 10
    40196 Düsseldorf 12.846,90 Euro an die CDU

    http://taz.de/Parteispenden-Watch/!t200/#parteispenden-recherche

  • 6 aerothba // Mai 12, 2012 at 10:26

    Es ist doch kein großes Geheimnis, dass besonders
    hier in Nrw viele Journalisten gibt, die der Spd
    besonders nahe stehen. Warum verweigert
    man eine dringend notwendige Aufklärung zu den
    im Raum stehenden Vorwürfen. Das ist kein fairer Umgang wie die Spd mit den politischen Gegner umgeht.

  • 7 Peter Riemann // Mai 12, 2012 at 11:36

    Vor lauter Rechtfertigungskrampf hat Herr Oskar Pfaffenhausen (so es ihn geben sollte) scheinbar einen Rechtschreibkrampf bekommen. Mit “verlodertem” Journalismus ist wahrscheinlich “verlotterter” gemeint.

    Auch “Iwernarrisch” liegt völlig daneben: Mit der “Einstweiligen Verfügung” (d.i. ein “vorläufiger” Rechtsschutz) ist überhaupt nichts entschieden.
    Die Stern-Beiträge blieben im Netz http://www.stern.de/investigativ/projekte/nordrhein-westfalen-wirbel-um-gefaelligkeits-vorwuerfe-1825527.html
    und man kann nur hoffen, das Frau Kraft die Kraft besitzt noch vor der Wahl Substanz in die Diskussion zu transportieren.
    Sollten sich die Vorwürfe auch nur halbwegs bewahrheiten, dann riecht es nach “Wahlbetrug” und es droht sogar Schadensersatz: http://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__945.html

    P.S. Bitte nach Möglichkeit kritische Kommentare nicht löschen, das hatte ich schon auf Ihrem Blog erlebt, Herr Pieper

  • 8 Winfried Sobottka // Mai 12, 2012 at 21:04

    Natürlich ist der Erlass einer einstweiligen Verfügung noch keine Entscheidung in der Sache, darum heißt sie ja auch e i n s t w e i l i g e Verfügung. Bis zur Wahl wäre eine Entscheidung in der Sache selbst aber terminlich unmöglich gewesen, so dass schon das passende Rechtsinstrument zum Zuge kam.

    Appetitlich wirkt es allerdings nicht, wenn erstens Richter über Anträge einer Regierung entscheiden, die sie jederzeit dienstlich versetzen kann und über deren Beförderung/Nichtbeförderung bestimmt. Das liegt aber an einem Grunddefekt unseres Staatssystems, wir haben eben keine vom Volk legitimierten Richter und auch keine Gewaltenteilung.

    Das die SPD die einstweilige Verfügung als Beweis dafür verkaufen wollte, dass sie in der Sache Recht habe, war ein Taschenspielertrick, die SPD ist keine Anstalt der Moral.

    Dass Alfons Pieper wütend reagiert, ist verständlich, denn eindeutig stand er samt seines Blogs am öffentlichen Pranger, und es darf angenommen werden, dass das aus dem Kreise derer, die über seine Veröffentlichungen im Falle Rüttgers-Gate nicht glücklich waren, auch gewollt war.

    In einem Punkte können sich aber alle freuen: Die Sachpolitik tritt völlig in den Hintergrund, sie spielt ja auch sowieso überhaupt keine Rolle mehr.

  • 9 Peter Riemann // Mai 14, 2012 at 11:23

    Lieber Herr Pieper + friends,
    ich vermisse einen Kommentar auf Ihrem Blog, der war so schön ironisch, nu isser weg. Tja, wenn man nötig hat zu zensieren, dann steht es schlecht um den seriösen Journalismus…

    Anmerkung der Redaktion:

    Zensiert wird HIER nicht! Ihr Kommentar steht doch noch da. http://www.wir-in-nrw-blog.de/2012/05/nichts-dazu-gelernt/ Es ist der Kommentar Nr. 7, eingereicht am 12.05.2012 um 11:36.

    Was wir uns natürlich vorbehalten müssen: Kommentare mit schwer beleidigendem Inhalt oder gar strafrechtlich relevanten Aussagen können wir nicht freischalten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihre Redaktion

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