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Lesenswertes Buch: „Knast“

Posted By Alfons Pieper On 27. Juni 2012 @ 12:29 In Unsere Themen | No Comments

Das Buch mit dem Titel „Knast“ rangiert nicht von ungefähr seit Wochen unter den Top Ten der Spiegel-Rangliste. Der Gefängnisarzt der Justizvollzugsanstalt im westfälischen Werl, Joe Bausch, der während seines Urlaubs im Nebenberuf als Schauspieler den Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth im sonntäglichen „Tatort“ spielt, beschreibt in seinem Werk das Leben im Gefängnis, den Alltag eines Hausarztes von Mördern, Totschlägern, Vergewaltigern, Kinderschändern, Erpressern, Betrügern und Dieben. Gerade so hat Bausch es selber gesagt. Und so liest sich auch das Buch. Spannend, weil es von den Fällen lebt, den Menschen, die gestrauchelt, auf der schiefen Bahn gelandet sind, weil es die Realität im Knast schildert ohne reißerische Übertreibungen, die hat der Gefängnisarzt nicht nötig. Das Leben hinter Gittern ist spannend genug. Seit 25 Jahren arbeitet Joe Bausch in Werl und zog damit das Leben mit Kriminellen der möglichen ruhigeren Arbeit eines Landarztes vor.

Er spricht im „Knast“ über die Hackordnung hinter Gefängnismauern, darüber also, wer die Beliebtheitsskala dort anführt. Es seien, wie er es in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ jüngst noch einmal betont hat, die Bankräuber, Geiselnehmer, jene, die viel Geld geraubt haben. Kinderschänder dagegen genössen selbst unter Knackis nicht den besten Ruf. Die geschilderten Fälle geben nicht die Lebensläufe von lebenden oder toten Personen wieder. Aber Bausch beschreibt die Dinge so, wie sie nach seinen Erfahrungen hätten passiert sein können. Es gibt, folgt man dem Buch, im Knast eine eigene Währung, Handel mit Drogen und Tabak. Drogen- und Nikotinabhängige machten gut die Hälfte der Insassen in Werl aus. Bausch schreibt auch über Rechtsradikale im Knast, über Züchtigungen, über den Telefonterror, dem sich seine Familie eine Weile ausgesetzt war, darüber, was einen Menschen dazu bringt, zum Verbrecher zu werden.

Am Ende plädiert Bausch für einen humaneren Strafvollzug, um zu verhindern, dass die Täter von einst nach Rückkehr ins freie Leben wieder rückfällig werden. Den Häftlingen müsse eine Perspektive für das Leben draußen gegeben werden. Er selber, bekennt der Autor, beziehe aus seiner Arbeit im Knast eine große Befriedigung.

Joe Bausch: Knast. Ullstein Buchverlage GmbH Berlin. 2012. 19.99 Euro


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