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Stiller Zinswucher der Banken

10. Juli 2012 · von Friedhelm Ost

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat jüngst den Leitzins auf den historischen Tiefststand gesenkt: Banken können sich nun Geld zu einem Zinssatz von 0,75% beschaffen. Mit dieser Aktion will die EZB die schwache Konjunktur beleben, Investitionen ankurbeln, Arbeitsplätze sichern und neue schaffen. Das stärkste Antriebsaggregat unserer Volkwirtschaft ist der private Konsum. Deshalb gilt das seit Ludwig Erhards Zeiten wichtige Prinzip: In der Sozialen Marktwirtschaft ist der private Kunde König.

Nur bei den Banken ist das noch nicht Realität. Just zur Zinssenkung der EZB teilte etwa die Volksbank Bonn Rhein-Sieg eG, eines der großen Genossenschaftsinstitute, ihren braven Kunden Konditionsänderungen mit. Die Kontoinhaber dieser Volksbank rieben sich die Augen: „Der Zinssatz für Guthaben über EUR 2.500 wird von 0,300% auf 0,220% gesenkt.“, so hieß es da lapidar. Und der Kunde wunderte sich noch mehr über die aktuellen Schuldzinskonditionen dieser Bank: Der Sollzinssatz bis EUR 10.225,84 beträgt 8,5%, der Überziehungssatz sage und schreibe gar 13,25%.

Königliche Gefühle kommen bei dem genossenschaftlichen Bankkunden da gewiss nicht auf. Auch lässt es ihn kalt, wenn er von Zinsmanipulationen beim LIBOR im englischen Königreich erfährt. Viele deutsche Politiker gefallen sich als Verbraucherschützer, wenn es um ein paar Cents beim Benzinpreis geht. Beim Kreditzinswucher von Banken und Strafzinsaktionen gegen Einleger herrscht weitgehend Ruhe in politischen Gefilden, obwohl deutliche Ansagen seitens der Politik, des Bundeskartellamtes und der Bundesbank durchaus ein breites öffentliches Echo finden würden. Auch in den Medien ist kaum etwas zum deutschen Zinsskandal zu vernehmen. Fast mutet ein solches Geschäftsgebaren der Banken wie eine Verschwörung gegen die Kunden an.

Über den Autor:
Friedhelm Ost(CDU)ist studierter Volkswirt. Er war Wirtschafts-Redakteur beim ZDF, Regierungssprecher des Bundeskanzlers Helmut Kohl. Nach dem Ausscheiden aus dem Bundespresseamt war Ost viele Jahre Mitglied des Deutschen Bundestages und dort Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses. Ost arbeitet heute als Wirtschafts-, Politik- und Kommunikationsberater. Der 70jährige Ost, ein gebürtiger Castrop-Rauxeler, ist verheiratet und hat mit seiner Ehefrau Erika fünf Kinder. Er wohnt in Bad Honnef.

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