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Die Medien und die K-Frage der SPD

Posted By Josef Fuchs On 15. August 2012 @ 23:39 In Unsere Themen | 2 Comments

Der politische Journalismus hat seit Tagen ein brennendes Problem. Seit letzter Woche scheint innenpolitisch nichts so wichtig wie eine Lösung der K-Frage bei der SPD. Die Medien überschlagen sich mit Spekulationen, wer denn nun Kanzlerkandidat wird. Noch mehr aber mit Ratschlägen, wann die Frage geklärt sein muss. Die meisten möchten rütteln am von SPD-Chef Gabriel gesetzten Fahrplan, die Sache erst nach den Wahlen in Niedersachsen zu klären.

Man kann getrost darüber streiten, ob dieser Zeitplan wirklich klug ist, aber inzwischen ist er zu einer Autoritätsfrage des SPD-Vorsitzenden geworden. Wenn er es nicht schafft, ihn einzuhalten, werden ihm die gleichen Medien, die jetzt eine frühere Entscheidung fordern, das als Niederlage ans Revier kleben.
Ein Teil der Medien versteht das Treiben in der Kandidatenfrage als Machtkampf, in dem sie der SPD ihre Meinung aufzwingen will.

Wer dieses Spielchen in der SPD nicht erkennt, ist reichlich naiv. Und selbst ein Ministerpräsidentenamt schützt nicht vor dieser Naivität. Wie anders ist zu verstehen, dass Thorsten Albig, Regierungschef in Schleswig-Holstein, am vergangenen Wochenende eine Entscheidung für Frank Walter Steinmeier forderte. Wie klug kann der vermeintliche Vertraute von Peer Steinbrück sein, der bei spiegelonline in der letzten Woche eine Herbstoffensive Steinbrücks für die eigene Bewerbung ankündigte? Oder wie naiv muss der neu gewählte Berliner SPD-Landesvorsitzende – wie heißt er doch gleich? – sein, dass er jetzt wieder Hannelore Kraft als Kandidatin ins Gespräch brachte, obwohl sie über 2013 hinaus definitiv das Festhalten an Düsseldorf als ihrem Arbeitsplatz versprochen hat? Ah ja, Nils Schmid, der SPD-Großpolitiker aus dem Südwesten, hat sich auch noch eingemischt mit einem Votum zugunsten Steinbrücks. Irgendwie muss man ja von sich reden machen, wenn man landespolitisch das Feld dem grünen Ministerpräsidenten überlassen muss.

Mit einer Mischung aus Naivität und Wichtigtuerei befeuern einige in der SPD der Journalisten liebstes Spiel, Schwung ins Personalkarussell zu bringen. Das mag für den Parteivorsitzenden ärgerlich sein, ein Drama ist es nicht. Dass die Medien die Debatte am Ende der Sommerpause in Fahrt bringen würden, war so sicher wie das Amen in der Kirche.

Es gilt einfach die Nerven zu behalten. Denn in den nächsten Wochen wird es Wichtigeres geben als die K-Frage frühzeitig zu entscheiden. Der Kampf um den Euro wird in die entscheidende Phase gehen, das Bundesverfassungsgericht könnte mit der Forderung nach einer Volksbefragung zur Europapolitik für Aufregung sorgen, die von Gabriel zu recht angezettelte Auseinandersetzung mit der Macht der Banken wird spannend werden.
Alles wichtiger jetzt als die Kandidatenfrage.


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