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Eine Bilanz: Die Zeit war reif… 1000 Artikel und 4000 Kommentare bis heute

Posted By Alfons Pieper On 28. August 2012 @ 19:44 In Unsere Themen | 3 Comments

„Die Zeit ist reif für einen kritischen Journalismus im Netz.“ Mit diesem Satz begann der erste Artikel des Internet-Blogs „Wir-in-NRW“ am 7. Dezember 2009. Jetzt, Ende August 2012, haben wir 1000 Artikel und 4000 Kommentare in unserem Blog veröffentlicht. Eine Bilanz, die uns erfreut. Damals hatten wir betont, gerade in diesen Zeiten, „da die Auflagen von Zeitungen und damit die Erträge einbrechen, da hunderte von Journalistenstellend in den Redaktionen gestrichen werden und die Politik stärkeren Einfluss nimmt“, sei es „notwendig, unabhängig, klar und parteifern das aufzuschreiben, was wirklich passiert“. So haben wir angefangen und so halten wir es auch heute noch, auch wenn die Zahl der Beiträge abgenommen hat. Geblieben ist auch der Grundsatz: „ Wir betreiben diesen Blog in unserer Freizeit, ohne Honorar- aus Idealismus.“

Wir haben in den zurückliegenden Monaten viel Zustimmung erfahren, auch einiges an Kritik einstecken müssen. Wir haben diese kritischen Stimmen immer wieder in unserem Blog veröffentlicht. Und auch wenn es dem einen oder anderen nicht gefällt: Dieser Blog ist unabhängig. Er hat kein Geld bekommen, von niemandem. Wer anderes behauptet, lügt.
Damals, Ende 2009, hatten wir uns die allzu gefällige Berichterstattung über die Regierung Rüttgers vorgeknöpft. Hofberichterstattung hatten wir das genannt, was nicht wenige etablierte Medien in NRW Tag für Tag ihren Lesern anboten, man kann auch sagen, zumuteten. Sie hatten am Ende keinen Erfolg damit, weil die Bürgerinnen und Bürger des bevölkerungsreichsten Landes ganz offensichtlich anderer Meinung waren, als bestimmte Medien ihnen das nahelegen wollten. Wir haben Dokumente über das Sponsoring-System von Rüttgers und Co. ins Netz gestellt, so dass der Leser nachvollziehen konnte, was unsere Autoren schrieben. Auch Wissenschaftler waren in das Rüttgers-System involviert, wir haben das aufgedeckt, andere Medien waren gezwungen, diese Informationen zu übernehmen.
Man hat uns mit dem Staatsanwalt gedroht, eine Attacke, die sich als Rohrkrepierer des damaligen CDU-Generalsekretärs Andreas Krautscheid entpuppte.

Die schwarz-gelbe Landesregierung in Düsseldorf ist Geschichte, Jürgen Rüttgers hat die Politik verlassen. Hannelore Kraft folgte ihm nach, erst an der Spitze einer Minderheits-Regierung Rot-Grün. Ein riskantes Experiment, weil die SPD-Regierungschefin auf Stimmen aus dem Lager der Opposition angewiesen war und dies auch tat. Sie nannte das eine Politik der Einladung. Und hatte Erfolg damit, weil zum Beispiel in der Schulpolitik die CDU der Regierung Kraft/Löhrmann zu einer Mehrheit verhalf.

Dass es im Frühsommer zu Neuwahlen an Rhein und Ruhr kam, hat viele überrascht. Ganz offensichtlich hatten sich einige Parteien verspekuliert. Wer hatte schon mit einem solchen Erfolg der SPD gerechnet, wo doch die Opposition Hannelore Kraft als Schuldenkönigin hinstellte? Die Angriffe schlugen fehl, die CDU erzielte ihr schlechtestes Ergebnis, die Linke flog aus dem Parlament, die FDP zog erstarkt in den Landtag ein. Norbert Röttgen war der große Verlierer, er musste nicht nur den Landesvorsitz der CDU in NRW räumen, sondern verlor auch seinen Minister-Posten im Kabinett Merkel. Aus dem einstigen Hoffnungsträger und heimlichen Kanzler-Kandidaten nach der Merkel-Zeit war über Nacht ein besserer Hinterbänkler geworden.

Wir haben die Themenpalette erweitert, haben mehr als früher auch über Bundes-Politik geschrieben, auch über Themen, die in Bayern und Niedersachsen oder Berlin eine Rolle spielen. Themen, die auch in NRW diskutiert wurden. Wir haben uns mit der gesunkenen Arbeitslosen-Quote beschäftigt, aber auch sehr früh davor gewarnt, dass es eine wachsende Armut im Alter geben könnte, eben weil wir Millionen Niedrigverdiener haben, die kaum über die Runden kommen und die kein Geld für eine Zusatzrente zurücklegen können.

Stuttgart 21 war ein Thema, der hastige Atom-Ausstieg der Regierung Merkel ebenso. Aufstieg und Fall des Bundespräsidenten Christian Wulff haben wir beschrieben, das vorläufige politische Ende des Blenders zu Guttenberg auch. Wir haben Stephane Hessel sich auch in unserem Blog empören lassen, haben das Theater um Hartz-IV angeprangert und uns mit dem Krieg in Afghanistan beschäftigt. Der Eigentümer-Wechsel im Hause WAZ war uns eine Geschichte wert. Erich Brost erhielt damals von den Engländern die Lizenz für die Zeitung, jetzt gehört der Verlag den Erben Funkes.

Wir haben uns kritisch mit der Arbeit der rot-grünen Landesregierung in Düsseldorf auseinandergesetzt und werden das auch in der Zukunft tun. Und selbstverständlich blicken wir weiter über den Tellerrand des Landes hinaus, nach Niedersachsen, wo im nächsten Frühjahr gewählt wird, nach Bayern, wo Horst Seehofer und seine CSU um die Mehrheit kämpfen, nach Berlin, wo Angela Merkel ihren Stuhl verteidigen will gegen einen SPD-Kanzlerkandidaten, dessen Namen noch niemand kennt.

Wir werden uns weiter sozialen Themen widmen, Fragen der Steuergerechtigkeit anschneiden wie nach sozialer Gerechtigkeit. Auf die Rechte von Minderheiten wird zu achten sein. Rechtsradikale Gedankengänge haben wir stets kritisiert und werden das auch in der Zukunft tun. Wir mischen uns auch in die Diskussion über Europa ein. Bei allem Engagement hoffen wir weiter auf Ihre Unterstützung und kritischen Beiträge, in welcher Form auch immer.
Am Ende, weil es so schön und wichtig war, zitieren wir aus der Begründung der Jury, die uns einst den Otto-Brenner-Preis verliehen hat. „Kritischer Journalismus bleibt eine Conditio sine qua non für die Herstellung von Öffentlichkeit, ohne die Demokratie nicht funktionieren kann… Es gibt Situationen, da kann das Publizieren im Netz zum wahren Rettungsanker für die demokratische Meinungsbildung werden, dann nämlich, wenn die bezahlten Profis an der Informationsfront ihre Arbeit nicht mehr richtig tun oder tun können. Wenn die etablierten Medien bei ihrer Aufgabe versagen und die Verfehlungen der Mächtigen gar nicht mehr berichtet werden. Sei es, weil in den Redaktionen ohne Rücksicht auf die Qualität massenhaft Stellen abgebaut werden oder sei es, weil der Filz zwischen Politik, Unternehmen, Verlegern und Chefredakteuren dazu führt, dass kritische Journalisten bei den etablierten Medien gar nicht mehr zum Zuge kommen.“ Die Jury, in unserem Fall war das der leitende Redakteur des Berliner Tagesspiegel Harald Schumann, schloss ihre Laudatio auf die Arbeit unseres Blogs mit der dringenden Bitte: „Bleiben Sie dran!“


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