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Eine ehemalige Kohl-Beraterin rechnet mit Merkel ab

Posted By Josef Fuchs On 3. August 2012 @ 18:01 In Unsere Themen | 10 Comments

Eine Frau sieht schwarz! Gertrud Höhler über Angela Merkel. Bildquelle: Amazon

Eine Frau sieht schwarz! Gertrud Höhler über Angela Merkel. Bildquelle: Amazon

Während sich die Kanzlerin noch im Umfragehoch sonnt, geht eine veritable Abrechnung mit der Machtpolitikerin Merkel in Druck. Ende August erscheint ein Buch der Literaturprofessorin und langjährigen Kohl-Beraterin, Gertrud Höhler, mit dem vielsagenden Titel: „Die Patin. Wie Angela Merkel Deutschland umbaut“.

Nach Meinung der Autorin ist es ein Umbau, der nicht zum Besten des Landes führt. Das geht aus einer Kostprobe hervor, die die FAZ unter der Überschrift – „Das System M“ – abdruckt. Die „Anmerkungen zum egomanischen Politikstil der Kanzlerin“ sind vernichtend und sprechen doch vielen Christdemokraten, die unter dem Wegwerfen konservativer Werte durch die CDU-Vorsitzende leiden, aus dem Herzen.

„Angela Merkel“, schreibt Gertrud Höhler, „hat das Konzept von der übernationalen, überparteilichen Kanzlerin entwickelt“. Sie führe das Amt, wie einen „Gemischtwarenladen“: „Produkte, die nicht gehen, werden aus dem Angebot genommen. Produkte der Konkurrenz, die besser laufen, werden kopiert“. Merkel sehe sich als „Anbieterin in einem Meinungsmarkt, wo die Kundengunst über den Marktwert entscheidet.“ Und zornig belehrt die Professorin die Kanzlerin: „Was Politik anbietet, sind aber nicht Waren. Es sind Entwürfe für Lebensqualität, soziale Sicherheit und Entfaltungsrechte“.

Die Vorwürfe der konservativen Politikberaterin kratzen nicht an irgendeiner Oberfläche, sondern werden existentiell, wenn sie konstatiert: „Wer Normen und Werte zur demokratischen Manövriermasse macht wie Angela Merkel, der arbeitet am Zerfall der Demokratie“. Und weiter: „Die Karriere der Angela Merkel im Westen ist keine Einstiegs-, sondern eine Ausstiegsgeschichte. Auf leisen Sohlen verlässt die Kanzlerin unseren Grundwertekonsens“.

Kein Vorgänger Merkels im Kanzleramt habe „das Tableau seiner Themen so entschieden unter eine einzige Prämisse gestellt – den persönlichen Machtzuwachs“. Dem System M. fehle „Leidenschaft, Credo und Bekenntnis“. Stattdessen lebe es von der „Marginalisierung der Parteien“, von „Nonchalance im Umgang mit dem Parlament, mit Verfassungsgarantien, Rechtsnormen und ethischen Standards“.

Die Lektüre des Vorabdrucks lässt ahnen, dass es bei Erscheinen des Buchs am 24. August Aufruhr gibt im Merkel-Land. Deutsche Verlage mögen das geahnt haben. Dem Vernehmen nach hatte zunächst ein deutscher Verlag die Veröffentlichung geplant, zog sich aber zurück, so dass das Buch jetzt im Schweizer Orell Füssli Verlag erscheint.

Man darf gespannt sein, was Höhler sonst noch alles über das System M. an Verwerflichem ausbreitet. Der Tobak ist schon in der Kostprobe stark genug. Eine Kanzlerin, die nach Höhler am „Zerfall der Demokratie“ arbeitet und den Parteienstaat überflüssig macht.

Was im System M fehlt, beschreibt Höhler zum Ende des Vorabdrucks so: „Über Angela Merkels visionäres Profil wissen wir nichts. Sie arbeitet seit ihrem Auftreten an ihrer Flexibilität; wer sie auf eine Idee festlegen will, muss scheitern. Für sie hat sich die Abstinenz gegenüber Ideen und Visionen als Karriere-Treibsatz erwiesen“.

Einen härteren Verriss hat es für die CDU-Vorsitzende noch nie zuvor gegeben. Er wird für viele Christdemokraten umso schmerzhafter und ernster sein, weil er aus der konservativen Familie kommt.


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