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Merkel braucht die Festspiele für den greisen Alt-Kanzler Helmut Kohl

18. August 2012 · von Alfons Pieper

„Festspiele für den Altkanzler“, überschrieb die Süddeutsche Zeitung ihren Artikel über die von der CDU-Spitze geplanten Feierlichkeiten für Helmut Kohl in diesem Sommer und Herbst. Zuvor hatte schon das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, das nicht gerade zur Lieblingslektüre des langjährigen CDU-Chefs zählt, unter dem Titel „Die Aussöhnung“ über den Gedenkmarathon der Union zu Ehren ihres Altkanzlers berichtet. Anlass ist der 30. Jahrestag der Kanzlerwahl des Pfälzers am 1. Oktober 1982. Zur Erinnerung: Damals stürzte der Kanzler Helmut Schmidt(SPD) durch ein konstruktives Misstrauensvotum, das CDU und CSU sowie die FDP unter Führung von Hans-Dietrich Genscher erfolgreich im Deutschen Bundestag durchgesetzt hatten. Es folgten 16 Kanzlerjahre Kohls, getragen von einer konservativ-liberalen Mehrheit im Parlament.

Die Feierlichkeiten sind nicht ohne Pikanterie. Angela Merkel, die vor Jahr und Tag das System Helmut Kohl in einem Aufmacher für die konservative FAZ ziemlich brutal für beendet erklärt hatte und seitdem eher nicht dem Freundeskreis Kohls angehört, braucht exakt die Sympathie des Alten. Denn ihre Mehrheit in Deutschland ist brüchig, die Union stagniert in Umfragen bei 35 Prozent, der einzige potentielle Koalitionspartner, die FDP, kämpft seit Jahren um ihre parlamentarische Existenz, mal liegen die Liberalen unter der Fünf-vh-Hürde, mal schrammen sie sie knapp. Und Merkel, die CDU-Chefin, scheint das Schicksal der FDP ziemlich gleichgültig zu sein. Zumindest nimmt sie in ihrer Politik so gut wie keine Rücksicht auf die Freidemokraten.

Helmut Kohls Zeit im Parlament liegt ein paar Jahre zurück, seine Kanzlerschaft endete 1998 mit der Wahl des SPD-Politikers Gerhard Schröder zum Bundeskanzler einer rot-grünen Koalition. Aber Kohl hat immer noch Einfluss in der Union, die Zahl seiner Anhänger sollte niemand unterschätzen. Und gerade in einem harten Wahlkampf 2013, wenn es Spitz auf Knopf steht, braucht die Union jede Stimme, auch die der Freunde Kohls, die man zum Teil auch Traditionalisten nennen kann.

Das Problem ist nur, dass das Verhältnis von Merkel und Kohl gespannt ist. Das letzte Treffen fand im August 2009 statt, im Kohlschen Bungalow in Oggersheim. Das Gespräch soll „in privater harmonischer Atmosphäre“ verlaufen sein, wurde berichtet. Was aber nichts bedeutet und schon gar nichts für heute. Kohls zweite Ehefrau, Maike Richter, schirmt ihren Helmut Kohl strikt von der Öffentlichkeit ab. Fragt man ehemalige Vertraute des Altkanzlers, wer denn Kontakt zum Alten habe, bekommt man die Antwort: „Niemand“. Der „Spiegel“ berichtete hingegen, dass zumindest der Europa-Abgeordnete Elmar Brok Kohl besucht habe, dies gilt wohl auch für den Chef der Jungen Union, Philipp Mißfelder, der berühmt-berüchtigt wurde, als er sich vor Jahren dafür aussprach, Menschen ab einem bestimmten Alter keine künstliche Hüfte mehr zu genehmigen.

Die Planung ist schwierig, zumal der Gesundheitszustand von Helmut Kohl mit angeschlagen eher höflich umschrieben wird. Seit seinem Sturz im Februar 2008 sitzt Kohl im Rollstuhl. Er erlitt dabei ein Schädel-Hirn-Trauma, was ihm das Sprechen erschwert. Ein ehemaliger Kohl-Vertrauter hat den Ex-Kanzler vor Monaten auf einer Veranstaltung erlebt. Kohl wollte und sollte ein paar Worte reden- doch niemand konnte verstehen, was er denn sagen wollte, selbst bei bestem Willen nicht. Helmut Kohl ist von der Krankheit gezeichnet, wie man auf den wenigen Bildern erkennt, die von ihm im Umlauf sind.
Trotz des wenig erfreulichen Gesundheitszustands sind in der Vergangenheit immer wieder Aussagen Kohls an die Öffentlichkeit gelangt, Aussagen, die seine Distanz zu Angela Merkel deutlich machten. Ihrer Außenpolitik fehle der Kompass, wurde er zitiert, die Euro-Rettungspolitik hat er heftig kritisiert. Der Alte aus Oggersheim hat nicht vergessen, wie die Frau, die beim ihm als „Mädchen“ Politik gelernt hatte, mit ihm 1999, auf dem Höhepunkt der Parteispendenaffäre, umgesprungen war. Die Partei müsse sich „wie jemand in der Pubertät von zu Hause lösen“ und eigene Wege gehen, erklärte sie die Loslösung ihrer CDU von dem Rekord-Kanzler und langjährigen Parteivorsitzenden.

Diese Spendenaffäre ist nicht vergessen, sie hat Kohl über Kreuz gebracht mit langjährigen Weggefährten, die bis heute darauf pochen, dass auch und gerade für einen Kanzler Recht und Gesetz gelten und kein Kanzler dieser Welt Gesetze brechen dürfe, die er selber unterschrieben habe. Dese Wunde ist auch nach so vielen Jahren nicht verheilt, weil Kohl es abgelehnt hatte, die Namen der Spender zu nennen. Diese Affäre sorgte damals dafür, wie der Kanzler der deutschen Einheit sich quasi eigenhändig vom Sockel stürzte, auf dem er schon stand. So ähnlich hatte es Spiegel-Gründer Rudolf Augstein beschrieben.

Gleichwohl hat er seine Verdienste. Es war Kohl, der am Gedanken der deutschen Einheit festgehalten habe, als viele andere sich aus dem Staub gemacht hatten, schildert ein einstiger Kohl-Mitstreiter. Trotz aller Widerstände, die auch Kohl nicht fremd gewesen wären, habe er als Kanzler 1987 SED-Generalsekretär Erich Honecker in Bonn empfangen, mit Hymne und Fahne, eine Zeremonie, die den Konservativen in der CDU gegen den Strich ging. Aber andererseits habe derselbe Kohl auch Kurs gehalten hinsichtlich der Staatsbürgerschaft. Auch die Verdienste Kohls um Europa seien zu würdigen. Dass die Maastricht-Kriterien nicht eingehalten wurden, sei schließlich nicht Kohls Fehler gewesen, sondern der der Regierung Schröder und anderer.

Diese innerparteiliche Debatte beschäftigt zurzeit die Union, gerade vor dem Hintergrund von Wahlen und der Kohlschen Gedenktage. Aber man muss aufpassen, dass man dabei nicht überzieht. Die Union will Helmut Kohl in den Mittelpunkt rücken, in ihre Mitte zurückholen. Auch wenn Kohl ein kranker Mann ist, er wird wissen, dass Merkel ihn braucht für die Wahlen und für die Auseinandersetzung über Europa, sein Europa, wie er das mal betont hat.

Die Kohl-Festspiele beginnen am 27. August in Bonn. Dem Ort, wo Kohl das erste Mal zum Kanzler gewählt wurde. Die Konrad-Adenauer-Stiftung lädt zum Symposium „Kanzler der Einheit-Ehrenbürger Europas“ in den alten Plenarsaal des Bundestages ein. Alt-Bundespräsident Roman Herzog hält die Rede, danach diskutieren Theo Waigel, unter Kohl Bundesfinanzminister und als solcher Mit- Schöpfer des Euro sowie bis heute ein enger Freund Kohls, der Mainzer Geschichtsprofessor Andreas Rödder und JU-Chef Philipp Mißfelder. Mehr als 1000 Teilnehmen haben sich bereits angemeldet. Auch Kohl will kommen, wenn sein Gesundheitszustand das zulässt.
Wenige Tage später, am 30. August, wird im Friedrichssaal der Deutschen Bank in Berlin die neue Kohl-Biografie von Hans-Peter Schwarz, vorgestellt. Schwarz wurde u.a. durch seine Adenauer-Biographie bekannt.

Am 25. September soll Helmut Kohl in den Räumen der Unions-Fraktion in Berlin geehrt werden, es wäre sein erster Auftritt dort seit seinem Ausscheiden aus dem Bundestag vor zehn Jahren. Zwei Tage später feiert noch einmal die Adenauer-Stiftung den Altkanzler und zwar im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums. Redner dort neben Jacques Delors und dem Mainzer Kardinal Lehmann: Angela Merkel. Kohl hat sein Kommen zugesagt. Und am ersten Oktoberwochenende hat Kohl-Bewunderer Mißfelder den Alten aus der Pfalz zum Deutschlandtag der Jungen Union in Rostock eingeladen. Dort soll auch einer der Wegbegleiter Kohls, Bernhard Vogel, sprechen, wie die SZ berichtete. Vogel wird das in der ihm bekannten freundlichen und demütigen Weise tun, wie er das immer getan hat. „Dabei hat Kohl Vogel nie gut behandelt und schon in Mainz seine Späße zu Lasten Vogels gemacht. Und in Rheinland-Pfalz kam Kohl Vogel nicht zur Hilfe, als dieser in Schwierigkeiten kam“, beurteilt ein CDU-Insider das Verhältnis der beiden zueinander. Vogel habe dieses stets mit Gelassenheit ertragen und es Kohl nie verübelt.

„Der Spiegel“ erinnerte in diesem Zusammenhang an ein anderes Problem, das die CDU nicht gelöst hat. Wolfgang Schäuble, der bald 70 Jahre alt wird und über den eine Biographie geschrieben worden ist, die der einstige SPD-Chef, Ex-Bundesfinanzminister und heutige Linken-Politiker Oskar Lafontaine vorstellen soll. Die beiden verbindet ein schreckliches Ereignis: Schäuble wie Lafontaine wurden in der Zeit der Wende Opfer eines Attentats, Schäuble sitzt seitdem im Rollstuhl, Lafontaine wurde von einem Messerstich im Hals getroffen, er erholte sich aber wieder. Das Verhältnis von Schäuble zu Kohl wird als zerrüttet beschrieben. Schäuble galt einst als Kohl-Freund, Kohl, so hieß es, habe Schäuble als seinen Nachfolger vorgesehen, was er später korrigierte. Schäuble stürzte als Parteichef aber nicht über den Spendensumpf, den Kohl ihm hinterlassen hatte, sondern über 100000 DM, die er von Schreiber als Spende angenommen hatte. Man frage die damalige CDU-Schatzmeisterin Baumeister. Ob Kohl an der Feier, geplant von Unions-Fraktionschef Volker Kauder teilnimmt, ist offen.
Der düstere Schatten der Spendenaffäre begleitet die Kohl-Festwochen.

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1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 Florian // Aug 22, 2012 at 19:18

    Was für belanglose Sachen! Nichts als langweiliges Zeug… Dem Pieper fehlt wohl der Schneid, die ihn fütternde rot-grüne Hand zu beißen. Jetzt, wo die Verleumdung der anderen ihr Ziel erreicht hat, bleibt wohl nur die Rolle des Hofberichterstatters.

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