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Merkel hui, Regierung pfui

2. August 2012 · von Josef Fuchs

Bei Lichte betrachtet kann Angela Merkel nicht Chefin dieser Bundesregierung sein. Jedenfalls passen die Einschätzungen der Menschen über die Arbeit der Regierung und die der Kanzlerin nicht überein. Genau genommen sind sie ganz einfach paradox. Denn 59 Prozent der Bürger sind laut dem Deutschlandtrend der ARD mit der Arbeit der von Merkel geführten Regierung unzufrieden, aber umgekehrt sind 68 Prozent mit der Arbeit der Kanzlerin zufrieden. Das passt nach den Gesetzen der Logik zunächst einmal nicht zusammen. Aber es passt in das Bild, das Merkel von sich entworfen hat.

Unter den Versagern im Kabinett – von Familienministerin Schröder über Wirtschaftsminister Rösler, Außenminister Westerwelle, Innenminister Friedrich bis hin zur Wissenschaftsministerin Schavan – wird man als Einäugige zur Königin. Merkel schadet also die Gurkentruppe um sie herum nicht, sondern sie nutzt ihr. Jedenfalls im Moment.

All die Pannen werden ihr nicht angerechnet. Stattdessen setzt das Publikum einzig darauf, dass sie es schafft, das Euro-Desaster für Deutschland in Grenzen zu halten. Bei jedem der ungezählten Euro-Gipfel entwirft sie das Bild von der verlässlichen Sachwalterin deutscher Interessen neu. Ein bislang erfolgreiches, aber auch ein riskantes Spiel. Denn deutsche und europäische Interessen sind sich ähnlicher, als es die Menschen wahrhaben wollen und irgendwann wird diese Illusion vom vermeintlichen Interessengegensatz wie eine Seifenblase zerplatzen.

So hoch die Sympathiewerte in der Eurokrise gestiegen sind, so wenig verlässlich sind sie auf diesem Gebiet auf Dauer für sie. Stabiler ist da das Image, das sie mit ihrer gänzlich unglamourösen Art erworben hat. Die Frau, die sich nicht scheut, zweimal mit dem gleichen Abendkleid in Bayreuth zu erscheinen, die Frau, die mit einem knappen Repertoire an Modeschmuck auskommt, die die brandenburgische Datsche luxuriösen Hotels vorzieht. Das sind die Geschichten, die sie gern über sich liest und die die Bürger genauso gern über sie lesen. Das perfekte Gegenbild zu einer Brioni-Kanzlerin.

Merkel, machtpolitisch wenigstens so ausgefuchst wie ihr SPD-Vorgänger Gerhard Schröder, hat nach außen niemals das Alphatier gespielt, niemals kraftprotzend ihre Machtmuskeln gezeigt. Anders als Schröder hat sie keine Lust daran, ihre Macht zu zeigen. Ihr reicht es, Macht zu haben. Merkel lebt davon, das ein breites Publikum ihre politische Arbeit über- und ihre Skrupellosigkeit unterbewertet.

Davon speisen sich ihre augenblicklichen Sympathiewerte. Ob sie sie stabilisieren kann, steht dahin. Mittelfristig wird ihr das nur gelingen, wenn sie auch die Werte der CDU stabil hält. Zwar liegt die Partei momentan in der Sonntagsfrage bei 36 Prozent. Wie realistisch die sind, vermag niemand zu sagen. Eine Partei, die in ihrem Kernland Baden-Württemberg am Boden liegt, in NRW in ein historisches Tief gefallen ist, sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass sie von solchen Nackenschlägen im Bund nichts spüren werde. Wenn diese Einschätzung in der Union um sich greift, wird aus der jetzt so schönen Höhenluft der Demoskopie schnell dünne Luft werden. Das Merkel-Hoch ist so verlässlich, wie es die Wettervoraussagen in diesem Sommer sind.

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2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Ralf D. Lindemann // Aug 4, 2012 at 20:29

    Das ist wieder typisch deutsch: meckern, mäkeln und und und. Im benachbarten Ausland wäre man auf eine solche Regierungschefin stolz. Sie Presse in den Niederlanden, Frankreich, Dänemark, Italien usw

  • 2 Hannes Hase-Bergen // Aug 27, 2012 at 11:49

    Ach so Herr Lindemann .. Kritik ist “typisch deutsch, Mäkeln” usw. . Soso … interessant. Kritik ist notwendig. Aber es gibt offensichtlich genug Menschen, bei denen beim Begriff “Merkel” die rezeptive Sensorik im Gehirn aussetzt und in eine stumpfe Stammtisch-Regression verfallen wird … denn unsere Westentaschen-Eiserne-Lady (die sie offensichtlich gerne sein möchte) .. was macht sie denn wirklich Konstruktives, als nur Allgemeinplätze ztu versprudeln? Wo geht sie denn die wirkliche Ursache – die Zocker, die für dies Dilemma eigentlich verantwortlich sind – an – wie sie es 2008 noch – erwiesenermaßen hohlphraselnd – angekündigt hat? Hmmmh … ich harre Ihrer Antwort. Danke!

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