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Bonner Generalanzeiger schließt sein Berliner Büro. Bitter für die Journalisten, bitter für die Leser. Eine Verarmung der Informationsqualität

18. Oktober 2012 · von Alfons Pieper

Vor Wochen wollte ich es nicht glauben, als mich eine Information aus Journalistenkreisen erreichte: Der Bonner Generanzeiger, so hieß es da, werde sein Parlamentsbüro in Berlin schließen. Wie bitte? fragte ich den Kollegen, der mir diese Geschichte erzählte. Das kann doch nicht wahr sein. Es ist wahr, vor wenigen Wochen wurden die Korrespondenten des Generalanzeigers im Berliner Büro informiert. Wann es passiert, ist noch offen. Vielleicht um die Bundestagswahl 2013, aber es passiert. Für die Redakteure, es sind drei angesehene Journalisten, darunter eine Frau, ist das bitter, für die Leser der Zeitung ist das eine Minderung der Informationsqualität, ja eine Verarmung. Der besondere Ton, die eigene Handschrift, die Analyse, der Kommentar, der Hintergrund, die Einschätzung, all dies wird wegfallen, sie wird dem Leser fehlen, auch mir, der ich täglich den Generalanzeiger lese.

Ausgerechnet der Bonner Generalanzeiger stellt sein Berliner Büro ein. Ob er sich irgendwo einkaufen wird, ob die Leser nur noch durch Journalisten von Agenturen informiert werden, weiß ich nicht. Ich habe auch nichts gegen Agentur-Journalisten. Sie machen eine ganz wichtige Arbeit, berichten aus den Städten und von den Plätzen aus aller Welt in viele Redaktionen, auch in die des Generalanzeigers. Es sind qualitativ gute Schreiber, bestens vernetzt, aber sie liefern halt ein Pauschalangebot, nicht zugeschnitten auf eine bestimmte Leserschaft. Was sie liefern, bekommen alle Medien, die dafür bezahlen.

Ja, ausgerechnet der Bonner Generalanzeiger meldet sich mit der eigenen Stimme aus der Hauptstadt Berlin ab. Dabei war der Generalanzeiger über Jahrzehnte die Hauptstadtzeitung, als Bonn noch Hauptstadt war. Er war ein angesehenes Blatt, von Politikern, Journalisten wie Lesern geschätzt. Man griff gern zum GA, wie er kurz heißt, und ließ sich aus erster Hand informieren über die politischen Entwicklungen und Nachrichten aus dem Regierungsviertel.

Sicher, der GA, war immer auch eine Lokalzeitung für Bonn und das Umland. Aber er war mehr als das, was keine Geringschätzung der Lokalteile und der dort arbeitenden Kollegen bedeuten soll. Nein, der GA hatte immer zwei Schwerpunkte: den Lokal- und den Hauptteil und im letzteren vor allem die Berichterstattung über die Bundespolitik.

Als Leser fällt es einem schwer, die Entscheidung des Verlegers und Geschäftsführers nachzuvollziehen. Sie werden ihre Gründe haben und die liegen gewiss im finanziellen Bereich, auch wenn sie das anders formulieren werden. Auflageneinbrüche sind seit den Internetzeiten nicht nur in Deutschland an der Tagesordnung. Stellen in Redaktionen und in den Verlagen werden gestrichen, Redaktionen zusammengelegt oder eingestellt.
Aber das Parlamentsbüro in der Hauptstadt aufzugeben, das ist mehr als eine Prestigefrage, Herr Neusser. Das trifft das Herz der Zeitung, die doch zu Recht und mit Unterstützung der vielen Leser dafür kämpft, dass der Bundestagsbeschluss, der eine Arbeitsteilung zwischen Berlin und Bonn vorsieht, eingehalten wird. Ich weise gern daraufhin, dass das Ja für Berlin damals nur zustande kam, weil die Gruppe um den CDU-Politiker Heiner Geißler eben jenen Kompromiss erfand, der schließlich eine knappe Mehrheit für Berlin brachte. Ohne diesen Kompromiss, ohne diese Arbeitsteilung, hätte Berlin nicht den Zuschlag bekommen. Der Kompromiss, der dafür gesorgt hat, dass rund die Hälfte der Ministerien und der dort Beschäftigten in Bonn am Rhein bleiben. Wie will man weiter glaubhaft dafür streiten, wenn man in Berlin nicht mehr präsent ist? Präsent mit eigenen Leuten, die vor Ort, im Reichstag, in den Fraktionen und wo auch immer Stimmung für die schöne Stadt am Rhein machen.

Der Bonner Generalanzeiger, die Pflicht- und Lieblingslektüre von Hunderttausenden von Lesern im Rheinland, wird ärmer ohne die Berichterstattung aus dem Berliner Regierungsviertel. Das Frühstücksfernsehen ist kein Ersatz für die Zeitung.

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3 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Ein GA-Abonnent // Nov 13, 2012 at 16:50

    Die Entscheidung der Geschäftsführung des Bonner General-Anzeigers in Zukunft kein Büro mehr in Berlin zu unterhalten halte ich für falsch. Wie weit kann man bei einer Zeitung sparen bis es keine erkennbare, individuelle Zeitung mehr ist? Wieviel Agenturberichte verträgt eine Zeitung?

  • 2 Jochen Wagner // Nov 21, 2012 at 08:16

    Eine weitere Fehlentscheidung in der Demontage-Kette der einst beliebten Regionalzeitung. Die Spitze der Verlags- und Redaktionsleitung gehört abgesägt.

  • 3 bonndirekt // Nov 21, 2012 at 18:34

    Lesen Sie hierzu auch:
    “Der Generalanzeiger baut ab”
    auf
    http://www.bonndirekt.com

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