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Pressesprecher mischen sich immer ein- es ist ihre Aufgabe

Posted By Alfons Pieper On 27. Oktober 2012 @ 11:37 In Unsere Themen | 2 Comments

Schon wieder ein Fall, wieder hat sich eine Pressesprecherin in die Berichterstattung eingemischt. Dieses Mal ist es die Sprecherin des damaligen bayerischen Umweltministers Söder, die nach einem kritischen Beitrag im Morgenprogramm des Bayerischen Rundfunks beim Sender in München anrief und wohl ihrer Wut über diesen Beitrag Luft machte. Ob sie drohte und forderte, das Werk zu streichen, wird bestritten. Tatsache ist, der Beitrag wurde später nicht mehr gesendet. Der Anruf der Pressesprecherin Strauß hatte also Erfolg.

Worum es ging? Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima brachte der bayerische Rundfunk einen Bericht über den Minister Söder. Der Redakteur stellte in diesem Beitrag Äußerungen Söders zur Kernkraft vor dem Unfall und Äußerungen Söders zur Atomkraft nach dem Unfall zusammen. Und siehe da, vor dem GAU hatte Söder die Sicherheit in deutschen Atommeilern gelobt, danach fand er kritische Töne. Ein Beitrag, wie er sein sollte, eben professionell. Dass Söder der Tenor nicht gefiel, ist verständlich, aber Journalisten sind nicht dazu da, den Politikern einen Gefallen zu tun.

Es ist das alltägliche Geschäft, wenn sich Pressesprecher einmischen. Sie tun das meistens im Vorfeld von Berichten über den Minister, den sie zu betreuen haben. Sie versuchen, ihre Sicht der Dinge an den Mann/ die Frau der Presse zu bringen, tragen ihre Argumente aus der Sicht des Ministers vor und wenn sie ganz klug sind, lassen sie dabei auch einige kritische Dinge einfließen, die aber für den Minister eher positiv sind, weil sie nämlich von seiner Toleranz und Weltoffenheit zeugen. Der professionelle Sprecher wird dem Journalisten Luft lassen für eigene Anschauungen, damit der spätere Artikel glaubwürdig wirkt. Ohne kritische Ansätze gibt es allzu leicht Hofberichterstattung. Der Blog Wir-In-NRW hat darüber von Anfang berichtet und immer wieder Fälle aufgezeigt, wo sich einflussreiche Politiker sogar in die Personalpolitik von Verlagen eingeschaltet hatten.

Jeder Journalist, ob Lokal- oder Politik-Redakteur, ob als Korrespondent in Düsseldorf, München oder Berlin, hat es mit Pressesprechern zu tun. Man telefoniert, man trifft sich, man tauscht sich aus. Der Journalist will etwas wissen, der Pressesprecher will etwas loswerden, verkaufen. So weit so gut, das ist das tägliche Geschäft.

Schwierig wird es immer dann, wenn Politiker sich beschweren. Dann muss man gegenhalten, wenn man sich im Recht fühlt, darf nicht einknicken. Da ruft ein Verteidigungsminister die Chefredaktion an und beklagt die Berichterstattung des Parlamentskorrespondenten. Die Chefredaktion hört sich die Kritik an, weist sie zurück und bittet den Minister, sich doch an den Korrespondenten zu wenden. Das ist der richtige Weg. Keinesfalls sollte man zulassen, dass der Minister glauben mag, er könne über einen Anruf beim Chef den Redakteur deckeln.

Ein anderes Beispiel: Ein Finanzminister ärgert sich über die Kommentierung in einer wichtigen Zeitung. Er spricht darüber mit einem ihm befreundeten Journalisten und sagt, der Kommentator könne ihn, den Minister, nicht leiden. Was der Freund und Journalist nicht glaubt und sich anbietet, mit dem Kollegen zu telefonieren. Am Ende treffen sich der Minister und kritische Kommentator in einem Lokal und erörtern die angeblichen Probleme. Heraus kommt, dass dem Minister die Kommentierung nicht gefallen hat. Aber dazu sind Journalisten auch nicht da. Sie sind nicht dazu da, den Oberen gegenüber gefällig zu sein.

Ein Ministerpräsident wird in seiner Heimatzeitung kritisch beschrieben, eine maßvolle Kritik, glaubt der Autor. Der Regierungschef, an Kritik in dieser Zeitung nicht gewöhnt, lässt seinen Pressesprecher bei dem Kommentator anrufen. Der tut wie geboten und teilt dem Schreiber des kritischen Werkes mit, der Ministerpräsident sei tief getroffen, beinahe beleidigt. Er bittet den leitenden Redakteur, mit dessen Urteil der Sprecher sogar halbwegs einverstanden war, doch den Regierungschef anzurufen. Was geschah und ohne Folgen für den Redakteur blieb, weil der höflich, aber bestimmt an der Einschätzung der Lage festhielt.

Einem Bundeskanzler gefällt dies nicht, einem Parteichef das nicht, Frauen der Politiker ärgern sich über kritische Äußerungen von Journalisten über ihre Männer, die Politiker sind. Das alles passiert beinahe täglich, überall in Deutschland. Und das ist auch ok. Nur muss der Journalist dann stehen und nicht umfallen. Wenn er nachgibt, hat er auf Dauer verloren.

Politiker und Journalisten begegnen sich oft, sie haben miteinander zu tun. Der Politiker braucht die Presse, um für seine Politik zu werben, um Verständnis in der Öffentlichkeit für die eine oder andere Maßnahme zu bekommen. Der Journalist braucht das Gespräch mit dem Politiker, weil er etwas erfahren will. Das ist normal, das ist ein Geschäft, ein Geben und Nehmen, nur sollte man den Abstand wahren. Der Journalist wird über die Nachricht berichten, wenn es erforderlich ist, wird er den Vorgang kritisch begleiten.
Hans-Joachim Friedrichs, der viel zu früh verstorbene Fernseh-Journalist, hat das Verhältnis Politik/Presse mal so beschrieben: Wir müssen nah dran sein, aber wir gehören nicht dazu. Ich ergänze diesen Satz gern mit einer Erfahrung, wie sie unter Zeitungsleuten üblich war und hoffentlich noch ist: Wenn ein Politiker oder sein Sprecher uns anrief und den Artikel oder Kommentar lobte, fragten wir uns, was wir falsch gemacht hatten. Spiegel-Gründer Rudolf Augstein hat mal betont, dass es keine Freundschaften zwischen Politikern und Journalisten geben dürfe.


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