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FR-Aus schockt Medienbranche

Posted By Josef Fuchs On 15. November 2012 @ 06:16 In Unsere Themen | No Comments

Obwohl die Entwicklung seit geraumer Zeit absehbar war, hat der Insolvenzantrag der „Frankfurter Rundschau“ (FR) die Medienbranche geschockt. Dabei geht es nicht nur um Trauer über das bevorstehende Ende der linken Traditionszeitung. Vielmehr ist die Befürchtung groß, dass das Aus der FR nur der Anfang vom unaufhaltsamen Zeitungssterben sein könnte. Beschwörend warnt Werner D ´Inka, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, in einem Kommentar zum Rundschau-Ende schon einmal vor einer zeitungslosen Zeit: „… wenn die letzte anständige Zeitung verschwunden ist, bleibt nur noch das Geschwätz“.

So weit ist es natürlich noch lange nicht. Aber dennoch ist das Desaster der „Frankfurter Rundschau“ kein Einzelfall. Zum einen könnte es sein, dass die FR die „Berliner Zeitung“ mit an den Abgrund reißt. Denn die Frankfurter kauften bei den Berlinern seit geraumer Zeit große Teile ihrer überregionalen Berichterstattung ein. Zum anderen schaut die Branche besorgt auf die „Financal Times Deutschland“ (FTD), über deren Schicksal der Verlag Gruner & Jahr dem Vernehmen nach in der nächsten Woche entscheidet.

Jenseits von Insolvenzen oder drohenden Insolvenzen zeigen sich in vielen Verlagen starke Probleme. Der Chef des Springer-Verlags Döpfner gibt unumwunden zu: „Die goldenen Zeiten des Zeitungsgeschäfts sind vorbei“. Der Verlag hat darauf reagiert, indem er die Redaktionen von „Hamburger Abendblatt“, „Berliner Morgenpost“, „Welt“ und „Welt am Sonntag“ zusammengeführt hat.

Andere Verlage wie die WAZ versuchen dem Leser- und Anzeigenschwund durch weitere Sparrunden in den Redaktionen Herr zu werden. Trotz solcher Anstrengungen sehen Verlagsmanager die Zukunft von Print eher düster. Laut einer Umfrage im Auftrag der Deutschen Post sind mehr als 80 Prozent der Verlagsleute der Meinung, dass es mit dem Gedruckten in einem Jahrzehnt vorbei sein wird.

Hinter diesem Pessimismus steht die Argumentation, dass das Internet dem traditionellen Zeitungsmarkt den Garaus mache. Auch FAZ-Herausgeber D ´Inka schiebt die Schwierigkeiten der FR der Gratiskultur im Internet zu. Ein Blickwinkel, der den tatsächlichen Ursachen des Bedeutungsverlusts der FR nicht gerecht wird. Der Niedergang begann lange vor dem Internetzeitalter. Gegenüber den beiden anderen überregionalen Zeitungen, FAZ und „Süddeutsche Zeitung“, verlor die FR bereits in den achtziger Jahren immer mehr an Bedeutung. In den neunziger Jahren schwankte sie immer mehr, ob sie das überregionale oder regionale Standbein stärken sollte. Statt Kontinuität lieferte sie ihren Lesern auf der Suche nach Überlebenschancen immer mehr Experimente, vom Zeitungsformat bis zur inhaltlichen Ausrichtung.

In diesem jahrelangen Überlebenskampf zeigten die rund 500 Mitarbeiter des Verlages bewundernswerte Anstrengungen, ließen sich zugunsten des Traditionsblattes auf immer neue Sparrunden und personelle Kürzungen ein. Jetzt sieht es so aus, als sei es vergeblich gewesen. Doch noch einmal stemmt sich die Belegschaft auf und sieht als letzten Ausweg für die FR die Gründung eines Genossenschaftsmodell, das die TAZ seit Jahren über Wasser hält.


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