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Jetzt werben die Grünen um CDU-Wähler

Posted By Alfons Pieper On 12. November 2012 @ 18:34 In Unsere Themen | 3 Comments

Der Ausgang der Urwahl mit dem neuen Grünen-Spitzen-Duo für die Bundestagswahl 2013 mag für die einen eine Überraschung sein, weil Claudia Roth sang- und klanglos untergegangen ist. Für die anderen jedoch war die Wahl der Grünen-Basis ein Wink mit dem Zaunpfahl. Über Jürgen Trittin ist alles gesagt. Aber Katrin Göring-Eckardt steht für die eher konservative Seite der Öko-Partei, auch für das Soziale, für das Bürgerliche, für das Kirchliche. Sie gilt als Frau der Mitte. Und genau da wollen die Grünen hin, dort wollen sie absahnen, wollen sie der Union mit Angela Merkel Stimmen wegnehmen. Und das tun sie auch dadurch, dass sie schwarz-grüne Koalitionen nicht ausschließen.

Ja doch, Rot-Grün bleibt im Vordergrund, ein bisschen zumindest. Und dazu passt, dass man die fehlenden inhaltlichen Gemeinsamkeiten mit den Christdemokraten hervorhebt. Aber man muss genau zuhören, wenn Katrin Göring-Eckardt im Rundfunk wie am Montagfrüh im WDR 2 interviewt wird. Da wird dann das Wort jetzt oder momentan eingeflochten, aber nie wird Schwarz-Grün ausgeschlossen.

Das wäre ja auch falsch, gerade aus Sicht der Grünen und gerade jetzt, da die SPD in Umfragen nicht über die 30-Prozent-Hürde kommt und sich keine Machtoption für ein Bündnis aus SPD und den Grünen rein rechnerisch ergibt. Nein, sie lassen es bewusst offen, weil sie damit außerhalb des rot-grünen Lagers auf Stimmenfang gehen können. Die FDP spielt in den Augen der Grünen keine wesentliche Rolle mehr. Die Grünen sind die Partei der Besser-Gebildeten und Besser-Verdiener, vielleicht so eine Art Öko-FDP. Sie gehen nicht ganz zu Unrecht davon aus, dass die Kanzlerin die Liberalen im Grunde längst aufgegeben hat. Dass Merkel der FDP mal ein Stück Zucker hinwirft, wie vor Tagen geschehen mit dem Wegfall der Praxisgebühr, geschenkt. Merkel geht es ohnehin nicht um Inhalte, ihr geht es um den Machterhalt. Und dafür ist ihr beinahe jeder Mehrheitsbeschaffer recht.

Katrin Göring-Eckardt, Vizepräsidentin des Bundestages, Präses der Synode der Evangelischen Kirche, eine Frau, die aus dem Osten der Republik kommt, deren Reden und Auftreten nicht von dem Empörungs- und Betroffenheitskult geprägt sind wie bei Claudia Roth, die vielleicht deshalb bei der Urabstimmung durchfiel, weil diese Art der Darstellung auch manchen Grünen auf die Nerven gehen soll, wie man hört.

Es passt ins Bild von der Wahl Göring-Eckardts, dass die hessische Grüne Priska Hinz mit den Worten zitiert wird. „ Unserer Parteibasis ist es offenbar wichtig, dass wir auch weiter in die bürgerlichen Schichten vordringen können.“ Deshalb Göring-Eckardt und nicht Claudia Roth.

Göring-Eckardt und Jürgen Trittin, der Alt-Kommunist, der längst auf der anderen Seite der Politik angekommen ist und dessen Auftreten vom Willen nach Seriosität geprägt ist. Trittin wird die linke Karte spielen, wird Rot-Grün vertreten, wo es geht, aber er wird die Mehrheit im Auge haben, er will an die Macht, er will regieren. Wenn es mit der SPD nicht geht, dann eben mit der Union. Und so schön war es mit der SPD auch nicht immer. Die Grünen in NRW denken mit Schrecken an die wenigen Regierungsjahre mit dem Ministerpräsidenten Peer Steinbrück. Seitdem hat Steinbrück den wenig schmückenden Beinamen „Grünenfresser“.

Ach ja, SPD-Chef Sigmar Gabriel befürchtet Schwarz-Grün. So jedenfalls zitiert ihn die „Süddeutsche Zeitung“. Gabriel warnt die Grünen, sich der CDU anzunähern. Klarheit der Koalitionsaussagen, fordert der SPD-Chef, die wird er nicht kriegen. Die Grünen werden ihn und die SPD zappeln lassen.

Die Grünen lassen sich von derlei Gebärden nicht beeindrucken. Zumal sie wissen, wie nervös die SPD seit Wochen ist, wie irritiert die Partei die Auftritte ihres potentiellen Kanzlerkandidaten Steinbrück verfolgt. Steinbrück kommt wegen seiner pausenlosen Erklärungsversuche über seine hochbezahlten Nebentätigkeiten nicht in die Pötte, er muss sich verteidigen statt die Regierung Merkel anzugreifen. So wie es jetzt ist, ist die rot-grüne Machtoption sehr vage. 30 plus x ist eben nix.

Vor einigen Jahren hat ein erfahrener Unions-Politiker mal über die Strategie der Grünen gesagt: „Erst haben sie die SPD beschädigt und ihr Stimmen und Personal geklaut, dann haben sie das Revier der FDP besetzt und die Liberalen an den Rand des Ruins getrieben, und jetzt geht es ans Eingemachte bei der Union“. Ende offen. Ein Blick nach Baden-Württemberg sollte die Union warnen. Dort regiert Grün-Rot, wurde die CDU nach 58 Jahren aus der Regierung gedrängt. Und etwas südlicher erleben wir seit Wochen eine nervöse CSU und ebenso nervösen Ministerpräsidenten Horst Seehofer.


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