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Nach manchen Intrigen und langem Tauziehen wird Werner Müller nun doch Chef der RAG-Stiftung

2. November 2012 · von Alfons Pieper

Also doch: Werner Müller, 66, ist am Ziel, er wird Chef der RAG-Stiftung, die den Auftrag hat, ab 2019 das Ende des Kohle-Bergbaus zu finanzieren und somit die Steuerzahler von Milliarden-Kosten zu befreien. Die Stiftung ist eine Idee des gelernten Volkswirts, Managers und einstigen Bundeswirtschaftsministers im Kabinett von Gerhard Schröder, für die Müller einst von vielen Seiten gepriesen wurde. Mit dem Vorsitz der Stiftung wurde damals, 2007, aber nicht der parteilose Müller, sondern der Ex-BP-Manager Wilhelm Bonse-Geuking betraut.

Eine Überraschung war die Wahl Bonse-Geukings für Kenner der Szene nicht. In NRW regierte eine schwarz-gelbe Koalition unter dem Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers(CDU), der Müller nicht auf diesem Stuhl sehen wollte. Wobei SPD-Kreise wissen wollen, dass da auch andere Manager aus der Wirtschaft des Reviers ihre Finger im Spiel hatten, um Müller eins auszuwischen. Da wären noch alte Rechnungen zu begleichen gewesen, hieß es in Düsseldorf.

Die Stiftung wurde 2007 von der Bundesregierung sowie den Kohle-Ländern NRW und Saarland gegründet, um eine Milliarden-Euro-Last dem Steuerzahler zu ersparen. 2018 endet der Kohle-Bergbau in Deutschland, so der Beschluss der Politik. Danach hören aber die Kosten nicht auf.

Mit der Abwahl von Rüttgers änderte sich nicht nur die Regierung im Lande, sondern auch die Stimmung im so genannten 13köpfigen Kuratorium der Stiftung. Die neue Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, wohnhaft in Mülheim an der Ruhr wie Müller, favorisierte den letzten RAG-Chef für den Stiftungs-Vorsitz. Auch der Chef der IGBCE, Michael Vassiliadis, stand hinter Müller. Aber zumindest inoffiziell gab es auch andere Interessenten für den Job, die ihrerseits mit gezielten Informationen versuchten, Müller als die falsche Personalie hinzustellen.

Argumentiert wurde von Müller-Gegnern, (um nicht von Intim-Feinden zu reden) Müller wolle und solle auf Betreiben der Rot-Grünen Landesregierung in Düsseldorf mit der Stiftung aktive Industriepolitik machen. Eine Auffassung, die mehrfach u.a. im Wirtschaftsteil der angesehenen Süddeutschen Zeitung zu lesen war. „Verhöhnte Idee“, hieß der jüngste Leitartikel in der SZ zur RAG-Stiftung. Der Kommentator verwies darauf, dass NRW mit der Unterstützung seiner Wirtschaftspolitik durch die gerade aufgelöste Westlb keine guten Erfahrungen gemacht habe. Es drohe die „Gefahr, so hieß es ein paar Absätze weiter, dass Milliarden aus dem Erlös des Börsengangs der Evonik, die der Stiftung mehrheitlich gehört, von Landespolitikern in Prestigeprogramme gesteckt werden, die mit der Stilllegung der Zechen nichts zu tun haben.“

Auffallend war in der ganzen Zeit, dass Werner Müller selber sich nicht zu Wort meldete. Der Mann ist ein Profi und sehr gut vernetzt. Wenn man es nicht besser gewusst hätte, hätte man annehmen dürfen, Müller habe sich ganz aus der Sache zurückgezogen. Jetzt war zu erfahren, dass Müller die saarländische Regierungschefin Kramp-Karrenbauer aufgesucht und ihr sein Konzept erklärt habe. Also keine Investitionen der Stiftung in Prestigeobjekte, sondern Übernahme der Kohlelasten durch die Stiftung, somit Entlastung der Steuerzahler. Kramp-Karrenbauer hat ihrerseits Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble(CDU) von seinem strikten Nein zur Personalie Müller abgebracht, so wird berichtet. Nunmehr könne Müller sogar einstimmig gewählt werden.
Mit der Lösung der Personalfrage könnte auch der Börsengang des Chemieunternehmens Evonik, seit fünf Jahren geplant, in Angriff genommen werden. Ein jahrelanges Tauziehen wäre beendet. Hoffentlich.

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