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Politiker fordern Transparenz für Journalisten

Posted By Josef Fuchs On 20. November 2012 @ 23:30 In Unsere Themen | 1 Comment

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und die Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag, die Dortmunder SPD-Abgeordnete Ulla Burchardt, haben den Spieß jetzt umgedreht. Nicht nur Politiker sondern auch Journalisten sollen Transparenz zeigen und ihre Hauptverdienste und Nebentätigkeiten offen legen.

Ob das sinnvoll ist oder ob durch eine solche Forderung nur die immerwährende Neiddebatte ein wenig weiter gedreht werden soll, ist nicht ganz klar. Bei Seehofer war die Forderung sicherlich ein Stück Angriff, um in der ZDF-Affäre wegen der Zensur-Anrufe von CSU-Pressesprechern und CSU-Generalsekretären wieder in die Vorhand zu kommen.

Wer sich in der Politik jetzt erstaunt zeigt über die hohen Gehälter der Öffentlich-Rechtlichen, jedenfalls in den Spitzenpositionen, der versteht sich aufs Heucheln. Denn Leute wie Seehofer, der dem ZDF-Verwaltungsrat angehört, tragen dieses Gehaltsgefüge mit. Nur so kommt es zustande, dass beispielsweise die WDR-Intendantin Monika Piel mit rund 308 000 Euro pro Jahr mehr verdient als die Bundeskanzlerin.

Natürlich hat es auch ein Geschmäckle, wenn Moderatoren wie Claus Kleber oder Thomas Buhrow abends in den Magazinsendungen von ZDF und ARD kritisch über bezahlte Vorträge von Peer Steinbrück berichten, aber ebenfalls bei ähnlichen Veranstaltungen als Interviewer oder Promigäste auftreten – und zwar nicht für Gotteslohn. Da ist eine Auftrittsindustrie entstanden, die dem Journalismus genauso schadet wie der Politik. Fingerspitzengefühl kann man nicht bei Steinbrück anmahnen und selbst darauf verzichten. Letztlich müssen die auftretenden Journalisten und ihre Sender selbst entscheiden, ob das der Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit wirklich dient.

Was viel ärgerlicher und angreifbarer ist, das sind Strukturen, die sich ausgebreitet haben, bei denen Talkshow-Moderatoren ihre Sendungen in eigenen Firmen produzieren und diese Produkte den Sendern dann teuer (überteuert?) anbieten. Einer der ersten, der dieses Konstrukt erfand, war Alfred Biolek, der die Produktion seiner Talk- und Kochsendungen in Eigenregie produzierte und dem WDR verkaufte. Dieses Modell hat Schule und das öffentlich-rechtliche Talken nicht gerade transparenter gemacht.
Hier einmal aufzuräumen scheint vorrangiger zu sein, als jede einzelne Nebentätigkeit jedes einzelnen öffentlich-rechtlich bezahlten Journalisten offen zu legen. Denn längst weiß man bei diesen Produktionen nicht mehr, ob wirklich überall bei allem öffentlich-rechtlicher Geist drinsteckt, was in den Programmen von ARD und ZDF angeboten wird.


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