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Bangster jenseits von Gesetz und Moral – Deutsche Bank als negatives Paradebeispiel –

Posted By Ole Moeller On 19. Dezember 2012 @ 16:43 In Unsere Themen | No Comments

Fast wehmütig erinnern wir uns an die Zeiten vornehmer, aber unbestechlicher Bankiers. Hermann-Josef Abs und Alfred Herrhausen von der Deutschen Bank zählten dazu. Ihnen folgten die Banker, die als Treuhänder des Kredits, den ihnen ihre Kunden einräumten, Recht und Gesetz achteten. Vor etwa zehn Jahren wurden sie von Bangstern abgelöst. Ihre Gier zwecks eigener Bereicherung ist offenbar grenzenlos. Mit dubiosen Produkten legten sie Anleger herein, die riesige Verluste erlitten. Mit allzu risikoreichen Eigengeschäften gerieten manche Geldinstitute an den Rand der Pleite – vor allem auch Landesbanken. Einige setzten dabei auf ihre Systemrelevanz: Too big to fail – ja sie spekulierten darauf, dass der Staat ihren Untergang verhindern wird, damit nicht alle Sparer und Anleger sowie die Wirtschaft insgesamt eine Katastrophe erleben müssen. Für viele hundert Milliarden wurden so die deutschen Steuerzahler in die Haftung genommen.

Josef Ackermann, bis vor kurzem auch der Mann an der Spitze der Deutschen Bank, gebärdete sich in diesen turbulenten Zeiten als Krisen-Magier. Er fand auch bei einigen Politikern Anerkennung und Bewunderung. Bei den Maßnahmen zur Rettung von Banken wirkte er munter mit. Öffentlich – auch in manchen Talkshows des Fernsehens und in zahlreichen Interviews in Print-Medien – führte er sich als “Retter des Abendlandes“ auf. Dass sich in seiner Zeit der Wert seiner Deutschen Bank etwa halbierte, spielte dabei kaum eine Rolle, höchstens für einige Kleinaktionäre.

Stolz verkündete Joe Ackermann, dass seine Bank auf keinen Fall staatliche Hilfe in Anspruch nehmen will. Stattdessen setzten er und seine Kollegen offenbar auf lukrative Geschäfte am Rande oder gar außerhalb der Legalität. Nun sind hierzulande ebenso wie in den USA, Großbritannien und anderswo Staatsanwälte und Richter mit den unfeinen Deals der Deutschen Bank intensiv beschäftigt. Jüngst bekamen die Nachfolger des alerten Joe Ackermann in den zwei Frankfurter Banktürmen überraschend Besuch von gleich 500 Fahndern, die wegen schwerer Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchter Strafvereitelung des so vornehmen Kreditinstituts ermitteln.
Ob Libor-Manipulation, Kirch-Prozess, US-Hypothekenpakete, Umsatzsteuerkarussell-Geschäfte und einiges mehr-, die Deutsche Bank ist immer dabei. Die umstrittene Rolle bei der Industriekreditbank wurde nie aufgeklärt. Joe Ackermann hat seinen beiden Nachfolgern Fitschen und Jain Problemberge hinterlassen. Diese kündigten zwar einen Kulturwandel an, doch der Kurs der Bank wurde bislang nicht geändert.

Joe Ackermann, das ist noch nicht vergessen, betrat einst den Düsseldorfer Gerichtssaal mit dem Victory-Zeichen, was in der Justizgeschichte wirklich einmalig war. Sein Nachfolger Fitschen ruft telefonisch den Ministerpräsidenten an, um sich über das Vorgehen der hessischen Behörden zu beschweren, als ob die Deutsche Bank Sonderrechte in unserem Staate für sich beanspruchen wollte. Das mag nicht verwundern: Denn vor Jahren gab die Bundeskanzlerin dem angeblichen Champion der deutschen Bankenliga Joe Ackermann in erlauchter Runde ein Abendessen auf Kosten der Steuerzahler. Merkel hatte ihm die Feier seines 60. Geburtstages in den Berliner Amtsräumen angeboten, sie wollte etwas für Ackermann tun. Eine solche Ehre wird Normalsterblichen wohl kaum zuteil, doch für den profilierten Bangster war das gerade recht. So wundert man sich kaum über das Verhalten der Führung der Deutschen Bank – getreu der Einstellung: Was gut ist für das Institut, das ist auch recht für Deutschland. Wenn einer wie Joe Ackermann von der Regierungschefin fast schon “geadelt“ wird, dann sollten – so die Überzeugung von ihm und seinen Nachfolgern im Olymp der Banken – seine Epigonen doch zumindest eine gewisse Immunität genießen, also über dem Recht stehen.

Es ist höchste Zeit, sowohl die materiellen Schäden, die von Bangstern angerichtet wurden, festzustellen als auch die Haftung dafür an den Verursachern festzumachen. Ebenso muss in unserer Sozialen Marktwirtschaft der Kompass für Ethik und Moral neu justiert werden – nicht nur für Ackermann, Fitschen, Jain und Kompagnons. Man mag es nicht glauben, aber wahr ist: Jürgen Fitschen wird im nächsten Jahr auch noch der Präsident aller privaten Banken.


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