- Wir in NRW Blog - http://www.wir-in-nrw-blog.de -

Merkel, Meisterin des Ungefähren

Posted By Alfons Pieper On 4. Dezember 2012 @ 18:41 In Unsere Themen | No Comments

Knapp 98 Prozent für Angela Merkel, Rekordwert für die CDU-Chefin auf dem Parteitag in Hannover. Fast acht Minuten Beifall. Dabei geraten die Delegierten nicht in Ekstase, wenn die Kanzlerin redet. Sie attackiert fast nicht, sie spitzt kaum zu, sie bietet keine Angriffsflächen. Aber sie gewinnt Wahlen und das ist für die CDU entscheidend.

Wofür Merkel steht? Da können Sie genauso fragen, wofür sie nicht steht. Sie ist eine Meisterin des Ungefähren, sie lässt sich nicht festlegen. So wird es auf dem CDU-Konvent in der niedersächsischen Landeshauptstadt keine großen Debatten geben, weil es keinen Streit gibt. Dafür haben ihre Leute gesorgt, dass in Hannover höchstens mal über die Homo-Ehen geredet wird, vielleicht werden ein paar Worte über Renten-Anerkennungszeiten für Mütter verloren, aber Streit über die Zukunft des Euro? Oder über die Euro-Zone? Nein.
Merkel lässt sich auch nicht auf einen Koalitionspartner festlegen im Sinne von ausschließen. Und das ist klug. Warum sollte sie dazu mehr sagen? Sie möchte die schwarz-gelbe Allianz fortsetzen, aber sie wird keine Leihstimme der FDP schenken. Keine Garantie für Schwarz-Gelb. Die kann sie auch gar nicht abgeben, weil ein solches Bündnis seit Jahr und Tag in Umfragen keine Mehrheit hat. Da kann der Westerwelle noch so meckern, oder der Brüderle. Jede Partei muss allein für sich kämpfen und schauen, dass sie die nötigen Punkte zusammenbekommt.

Interessant ihre Einlassungen vor dem Parteitag zu den Grünen. Sie wolle kein schwarz-grünes Bündnis, Volker Kauder, der gute Fraktionschef der Union im Bundestag, hat in die gleiche Kerbe gehauen. Die Christdemokraten gehen auf Distanz zu den Grünen, weil sie von denen nicht umarmt werden wollen. Die CDU-Führung will nicht still und heimlich den Eindruck erwecken, als seien die Grünen ihr Lieblingspartner für die Zukunft. Merkel will die Grünen nicht aufwerten, was ein späteres Bündnis nicht ausschließt. Sie hat schließlich erlebt, wie es der SPD über die Jahre mit den Grünen ergangen ist. Die SPD hat an Stimmen verloren, die meisten davon sind bei den Ökofreunden gelandet, auch weil die SPD teilweise nicht mehr erkennbar war. Das Original ist glaubwürdiger als die Kopie. Das soll der CDU nicht passieren.

Die Grünen sind in die Mitte gerückt und werben nun um Stimmen aus dem Lager der Unions-Sympathisanten. Die Grünen- nicht mehr die FDP- sind die Partei der Besser-Ausgebildeten und der Gut- bis Besserverdienenden, die Partei, die angeblich so für die Belange der Frauen kämpft, die Ökonomie und Ökologie stärker miteinander verknüpfen will, was immer das im Einzelfall bedeutet. Aber da bleibt kaum Raum für die Freidemokraten, die heute nur noch um ihre Existenz ringen, um den Einzug in die Parlamente, als Königsmacher stehen längst andere bereit.

Angela Merkel hält aus guten Gründen auf Distanz zu den Ökofreaks, die aber längst mehr sind als das, nämlich etabliert, ja auch bürgerlich, kirchlich, usw. Merkels Kritiker in den eigenen Reihen werfen ihr vor, die CDU sei unter ihrer Führung nicht mehr als christdemokratische Volkspartei erkennbar. Die konservativen Themen seien dahin. Ob das so ist, steht dahin. Das wird Merkel nicht stören. Sie will wieder gewählt werden, als Bundeskanzlerin. Dem Ziel ordnet sie alles unter. Das ist ihre Orientierung und die der CDU. Und solange Angela Merkel Bundestagswahlen gewinnt, wird ihr die Partei folgen.


Article printed from Wir in NRW Blog: http://www.wir-in-nrw-blog.de

URL to article: http://www.wir-in-nrw-blog.de/2012/12/merkel-meisterin-des-ungefahren/

Copyright © 2009 Wir in NRW - Das Blog. All rights reserved.