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Steinbrück muss endlich runter vom Podium

Posted By Alfons Pieper On 8. Dezember 2012 @ 17:39 In Unsere Themen | 4 Comments

Der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, hatte einen miserablen Start. Das lag an der Diskussion über seine lukrativen Nebeneinkünfte immerhin in Millionenhöhe. Neid spielte bei manchem Kritiker eine Rolle, Heuchelei, den Beifall erhielt er oft genug von der falschen Seite. Die Sympathisanten aus der Unions-Ecke, die offensichtlich diese Art von Nebenbeschäftigungen eines Bundestagsabgeordneten gut finden, mögen jetzt dem SPD-Mann Beifall spenden, wählen werden sie ihn am Ende nicht.

Die eigentlichen Probleme des ehemaligen Bundesfinanzministers und NRW-Ministerpräsidenten liegen aber tiefer. Peer Steinbrück hat auch nicht nur Schwierigkeiten mit den Frauen oder den jüngeren Wählerinnen und Wählern oder den Arbeitnehmern oder Linken, Steinbrück hat Probleme mit allen Bevölkerungsgruppen. Er muss runter vom Podium, runter auf die Erde, er muss endlich zu den Menschen auf der Straße, in die Betriebe, in die Krankenhäuser, aber bitte ohne Fernsehbegleitung! Wohnzimmerbesuche werden nicht reichen. Der Kandidat muss den Leuten endlich das Gefühl vermitteln – nicht über Interviews mit welcher Zeitung auch immer – dass er sich wirklich für sie und ihre Belange, ihre alltäglichen Sorgen interessiert.

Steinbrück muss das Gespräch mit den vielen kleinen Leuten, mit den Arbeitnehmern suchen. Das Volk besteht nicht nur aus Aufsichtsräten und Vorstandsvorsitzenden von großen Wirtschaftsunternehmen und Banken. Millionen Menschen sorgen sich um ihre Zukunft, sie sind verunsichert über das, was in Europa vor sich geht. Was wird aus meinem Geld, aus dem Euro, der auf der Kante liegt. Berechtigte Fragen. Die Bundeskanzlerin geht dieser Debatte geschickt aus dem Weg und erweckt so den Eindruck, als sei alles gut. Aber alles ist nicht gut. Der SPD-Herausforderer muss diese Schwierigkeiten ansprechen, aber bitte in einer Art und Sprache, die die Leute verstehen. Millionen Deutsche beziehen Mini-Löhne, sind Teilzeitbeschäftigte, sie wissen nicht, wie sie über die Runde kommen sollen. Jüngere haben oft keinen Job, sie brauchen eine Perspektive, suchen nach Lösungen. Die Schere zwischen den wenigen Reichen und den vielen Armen geht weiter und weiter auseinander. Manager fahren Betriebe an die Wand und kassieren Abfindungen in Millionen-Höhe. Firmen machen Miese, gehen Pleite und ihre Geschäftsführer erhalten trotzdem Boni, während der kleine Beschäftigte arbeitslos wird und schauen muss, wie er und seine Familie weiterkommt. Welch ein Hohn!

Soziale Gerechtigkeit muss das Thema Steinbrücks sein, aber das kann er nur glaubwürdig vertreten, wenn er endlich das Podium verlässt. Die Reichen, die Aufsichtsräte, Vorstände können sich selber helfen, die Krankenschwestern und Kleinverdiener, die ganz normalen Arbeitnehmer nicht. Um die und die vielen anderen Bürgerinnen und Bürger muss er sich kümmern. Tag für Tag. Das wird ein schwieriger Weg, aber nur so hat er eine Chance, bei den Menschen Gehör zu finden und verloren gegangene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Er sollte sich gelegentlich an Johannes Rau erinnern, der selbst bei Empfängen ein Pils dem Champagner vorzog.


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